Abiturprüfung | Bildquelle: dpa

Nach Schülerprotesten Lehrer bezweifeln zu schweres Abi

Stand: 06.05.2019 08:59 Uhr

Bundesweit beschweren sich Zehntausende Schüler über das Mathematik-Abitur. Doch der Deutsche Lehrerverband sieht keine Anzeichen dafür, dass die Aufgaben zu schwer waren. Andere Lehrerverbände unterstützen die Schüler.

Trotz der Schülerproteste gegen das diesjährige Mathematik-Abitur sieht der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meininger, keine Hinweise darauf, dass die gestellten Aufgaben zu schwierig waren. Meidinger selbst leitet ein Gymnasium im bayerischen Deggendorf.

Der "Rhein-Neckar-Zeitung" sagt er: "Ohne dem endgültigen Bewertungsergebnis vorwegzugreifen: Die Tendenz zeigt für Bayern, die Notenresultate bewegen sich im durchschnittlichen Bereich der Abi-Prüfungen in Mathematik." Wenn es Hinweise auf eine erschwerte Prüfung gebe, müsse man über eine Neubewertung nachdenken. "Aber derzeit gibt es dafür keine Anzeichen."

Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbands | Bildquelle: picture alliance / Armin Weigel/
galerie

Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbands: "Sollten abwarten"

Die Erregung ist groß im Internet: Zehntausende Schüler aus mehreren Bundesländern haben sich per Online-Petition über das diesjährige Mathematik-Abitur beschwert. "Im Internet lässt sich Erregung sehr schnell mobilisieren. Deshalb sollten wir abwarten", beschwichtigt Meidinger.

"Die eigene Abiturprüfung ist immer die Schwerste"

Ähnlich sieht das Michael Schwägerl, Vorsitzender des bayerischen Philologenverbandes. "Das Gefühl, dass die Abiturprüfung, die man gerade geschrieben hat, die Schwerste ist, ist verständlich. Und es ist klar, die eigene ist immer die Schwerste", so Schwägerl im BR. Aber betrachte man die Ergebnisse der vergangenen Jahre, so sehe man: "Die Durchschnitte in den Mathe-Ergebnissen unterscheiden sich nur um wenige Hundertstelnoten von einander."

Mehrere Bundesländer wollen prüfen

Bayerns Kultusminister Michael Piazolo von den Freien Wählern hatte bereits gestern angekündigt, die Beschwerden gründlich zu prüfen - ebenso Niedersachsen. Dies begrüßt Schwägerl: "So eine Überprüfung kann man natürlich immer gerne machen." Das letzte Wort hätten dann die Kultusminister.

Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband hingegen unterstützt die Klagen der Schüler. Verbandspräsidentin Simone Fleischmann sagte der Deutschen Presse-Agentur, in einem Teil der Prüfung habe es sehr viel - auch unnötigen - Text gegeben. "Eklatant viele" Schüler seien deshalb nicht rechtzeitig fertig geworden.

Aufgaben in Geometrie und Stochastik

In der Petition an das bayerische Kultusministerium heißt es: "Wir Abiturienten bitten darum, den Notenschlüssel des Mathematik-Abiturs in Bayern 2019 zu senken und dem Schwierigkeitsgrad anzupassen." Begründet wird dies mit Aufgabenstellungen, die vorher kaum einer gesehen habe. Dies betreffe vor allem Geometrie und Stochastik. Bis gestern Nachmittag hatten fast 50.000 die Online-Petition unterschrieben.

In einer Petition Hamburger Schüler an die Schulbehörde heißt es, die Anforderungen seien nicht erfüllbar gewesen. Dort unterstützten bisher mehr als 2400 Menschen die Initiative auf der Plattform OpenPetition.

Niedersächsische Schüler forderten in ihrer Petition an das Kultusministerium "eine sofortige Stellungnahme und eine gerechte Lösung". Mehr als 9200 Menschen unterstützten dies.

In Mecklenburg-Vorpommern erreichte eine ähnliche Petition bei Change.org mehr als 2000 Unterstützer, im Saarland haben mehr als 3000 Menschen unterschrieben.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 06. Mai 2019 um 08:45 Uhr.

Darstellung: