Karl Lauterbach | AFP

Lauterbach zu Isolationsregeln "Das war ein Fehler"

Stand: 06.04.2022 13:30 Uhr

Gesundheitsminister Lauterbach hat seine Kehrtwende bei der Corona-Isolation verteidigt. "Das war ein Fehler, für den ich auch persönlich verantwortlich bin", so Lauterbach. Einen Rücktritt schloss er aber aus.

Corona-Infizierte müssen sich auch zukünftig verpflichtend in Isolation begeben. Das hat Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach bestätigt und seine Kehrtwende bei dem Thema verteidigt. "Die Isolation zu beenden war ein Fehler, oder wäre ein Fehler geworden, wenn sie beschlossen worden wäre", so Lauterbach.

"Das war ein Fehler, für den ich auch persönlich verantwortlich bin", so der Gesundheitsminister weiter. Die Reaktionen auf diesen Vorschlag hätten gezeigt, dass damit das falsche Signal einhergegangen sei, dass die Pandemie beendet oder man Corona künftig wie ein Grippe betrachten könne.

Es gebe nach wie vor zu viele Todesfälle durch Corona und auch Long-Covid sei weiterhin ein großes Problem. Daher könne man nicht das Signal aussenden, dass eine Isolation nicht mehr notwendig sei, so Lauterbach. "Somit wird die Entscheidung revidiert."

Isolation für Kontaktpersonen nur noch Empfehlung

Zwar werde die fünftägige Isolationspflicht für Corona-Infizierte bleiben, sagte der SPD-Politiker. Allerdings werde es für Kontaktpersonen von Infizierten ab dem 1. Mai nur noch eine dringende Empfehlung gebe, sich für fünf Tage zu isolieren. Dies werde die Gesundheitsämter entlasten.

Einen Rücktritt schloss Lauterbach auf eine entsprechende Nachfrage aus. "Wenn man sieht, dass die Vorschläge nicht wirklich funktionieren, muss man sie zurücknehmen", sagte er.

Merz kritisiert Kehrtwende Lauterbachs

Zuvor hatte der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz Lauterbach kritisiert. Bis Dienstagabend sei man davon ausgegangen, dass die Pflicht zur Isolation aufgehoben werde, sagte Merz im Deutschlandfunk. "Das hat der Bundesgesundheitsminister gestern Nacht in einer Talkshow zurückgenommen."

Daran sei zu sehen, wie "kurzatmig" regiert werde, sagte Merz. Beschlüsse hätten nicht einmal 48 Stunden Geltung. "Diese Art der Politik - rein und raus, vor und zurück, über Talkshows anzukündigen, was man macht und was man zwei Tage später wieder nicht macht - den Weg gehen wir nicht mit", sagte der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.

Holteschek: Art und Weise "unmöglich"

Auch Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holteschek übte scharfe Kritik an Lauterbach. Vor allem die Art und Weise, wie Lauterbach das verkündet habe - nämlich in einer Talkshow - sei "unmöglich". "So kann man keine Politik machen. So wird man auch die Menschen nicht mitnehmen", so der CSU-Politiker. Er gehe davon aus, dass das Thema bei der nächsten Gesundheitsministerkonferenz am Montag noch einmal diskutiert werde.

Kritik kam auch vom stellvertretenden Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Sepp Müller. Lauterbachs Pandemie-Politik und die Rücknahme der freiwilligen Isolation verwirrten die Menschen, sagte er. Der Bundesgesundheitsminister scheine "zunehmend benommen und angezählt".

Bovenschulte: "Fehlleistung erster Güteklasse"

Auch der SPD-Politiker und Bürgermeister von Bremen, Andreas Bovenschulte kritisierte den Rückzug Lauterbachs. "Da treffen Bund und Länder eine gemeinsame Entscheidung nach langer Diskussion in der Gesundheitsministerkonferenz und dann wird die zwei Tage später in einer Talkshow einfach abgeräumt. Das ist schon einer kommunikative Fehlleistung erster Güteklasse", so Bovenschulte. Das habe auch das Vertrauen der Bevölkerung in eine ordnungsgemäße Corona-Politik beschädigt.

Der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) kritisierte das Zurückrudern des Gesundheitsministers ebenfalls. "Freiwilligkeit, nicht Freiwilligkeit - das ist ja ein Chaos in der deutschen Politik zur Zeit leider", sagte BGA-Präsidiumsmitglied und Logistik-Manager Carsten Taucke.

Brysch und Mihalic begrüßen Lauterbachs Kehrtwende

Zustimmung kam dagegen von der Deutschen Stiftung Patientenschutz. "Infizierte stecken andere Menschen mit dem Virus an und gefährden gerade Immungeschwächte, die mitten unter uns leben", sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch der Nachrichtenagentur AFP. Deshalb sei es gut, dass Lauterbach "seinen Fehler eingesehen hat und die Pflicht zur Isolation von Infizierten aufrecht erhalten will".

Auch die parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen, Irene Mihalic, begrüßte Lauterbachs Ankündigung, die verpflichtende Isolation bei einer Corona-Infektion beizubehalten. Sie finde es "anerkennenswert, dass er diesen Fehler korrigiert hat", sagte Mihalic. "Mit Blick auf die Quarantäne- und Isolationsregeln braucht es eine klare Kommunikation und wirklich Eindeutigkeit, Klarheit", so Mihalic weiter

Lauterbach hatte in der ZDF-Talkshow "Markus Lanz" seine Kehrtwende angekündigt. Die Regelung werde er "wieder einkassieren", sagte er. Zwar hätten die Gesundheitsämter die Freiwilligkeit gefordert - Lauterbach sehe nun jedoch ein, dass es ein "verheerendes Signal" wäre, wenn ein Infizierter "selbst entscheidet, ob er zuhause bleibt oder nicht". 

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 06. April 2022 ab 12:20 Uhr.