Ein Betriebsarzt impft bei der Betriebsimpfung eine Mitarbeiterin mit dem Corona-Impfstoff | dpa

Auffrischungsimpfungen für alle? Ärztevertreter kritisieren Spahn-Aussage

Stand: 30.10.2021 02:33 Uhr

Es sei genug Impfstoff für alle da - mit diesen Worten hatte Gesundheitsminister Spahn für altersunabhängige Auffrischungsimpfungen geworben. Ärztevertreter sind verärgert: Der Minister wecke falsche Erwartungen.

Ärztevertreter haben Kritik an der Aussage von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zu einer Corona-Auffrischungsimpfung für alle geübt. Der CDU-Politiker hatte gestern im rbb zunächst die Risikogruppen genannt, für die eine solche Auffrischungsimpfung besonders empfohlen ist. Danach sagte er, es sei genug Impfstoff da, sodass alle, die wollten, eine sogenannte Booster-Impfung bekommen könnten.

"Wir sind verärgert, dass Bundesgesundheitsminister Jens Spahn Erwartungen schürt, Booster-Impfungen seien für alle möglich", sagte das Vorstandsmitglied des Hausärzteverbands, Armin Beck, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). "Die Hausärzte folgen der Empfehlung der Ständigen Impfkommission, und diese empfiehlt aktuell Drittimpfungen nur für über 70-Jährige und wenige andere Gruppen."

Durch Spahns Äußerungen werde der Aufklärungs- und Diskussionsbedarf in den Praxen jetzt größer, sagte Beck. Wenn die Ständige Impfkommission (STIKO) ihre Empfehlung ausweite, würden die Hausärzte auch diese Personengruppen impfen, kündigte er an. Allerdings sind manche Arztpraxen bereits aus den Impfungen ausgestiegen und bieten diese nicht mehr an.

"Keine ausreichende wissenschaftliche Evidenz"

Auch Ärztepräsident Klaus Reinhardt kritisierte Spahns Aufruf zu Auffrischimpfungen für alle. "Für die Notwendigkeit von Auffrischimpfungen für Menschen jeglichen Alters gibt es bisher keine ausreichende wissenschaftliche Evidenz", sagte er dem RND. Bei älteren Menschen könne die Booster-Impfung hingegen das Infektionsrisiko erheblich reduzieren, da im höheren Alter die Immunantwort häufig schwächer ausfalle und es daher zu Impfdurchbrüchen kommen könne. "Deshalb empfiehlt die Ständige Impfkommission ja auch eine Covid-19-Auffrischimpfung für alle Menschen ab 70 Jahren."

Reinhardt warf der Politik eine mangelnde Aufklärungs- und Informationspolitik vor. "Es wäre jetzt eigentlich Aufgabe der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung über die Booster-Impfung für ältere Menschen zu informieren und auch mit den Falschinformationen in den sozialen Netzwerken aufzuräumen", sagte er. "Diese Fake News sind doch maßgeblich dafür verantwortlich, dass wir heute eine Pandemie der Ungeimpften haben."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. Oktober 2021 um 08:00 Uhr.