Bodo Ramelow | dpa

Umstrittener Clubhouse-Auftritt "Ramelow beschädigt Vertrauen in die Politik"

Stand: 25.01.2021 16:59 Uhr

Er nannte die Kanzlerin "Merkelchen" und spielte offenbar ein Handyspiel während der Bund-Länder-Beratungen zu Corona: Thüringens Ministerpräsident Ramelow hat sich für sein Verhalten entschuldigt - doch die Kritik reißt nicht ab.

Die Kritik an Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow wegen dessen Äußerungen in einem sozialen Netzwerk ebbt nicht ab. Zugleich entschuldigte sich der Linkspolitiker für seine Verspottung von Bundeskanzlerin Angela Merkel als "Merkelchen". "Den Namen der Bundeskanzlerin zu verniedlichen war ein Akt männlicher Ignoranz", schrieb Ramelow am Sonntagabend auf Twitter. "Dafür meine ehrliche Bitte um Entschuldigung."

Ramelow hatte die Kanzlerin so in der App Clubhouse bezeichnet, über die sich Teilnehmer mündlich austauschen können - entweder wie in einer Telefonkonferenz oder aber auch zum Zuhören von Vorträgen. Ramelow hatte Medienberichten zufolge in seinem Clubhouse-Chat auch zugegeben, während des jüngsten Corona-Gipfels von Merkel und den Ministerpräsidenten der Länder auf seinem Handy das Spiel "Candy Crush" gespielt zu haben.

"Respekt- und verantwortungslos"

Vom Koalitionspartner SPD wurde Ramelow dafür scharf kritisiert: "Wenn sich bewahrheitet, dass Bodo Ramelow während der Ministerpräsidentenkonferenz Handyspiele spielt, dann sollte er sein Verhalten überprüfen", sagte Thüringens Innenminister Georg Maier den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland. "Dazu ist die Situation zu ernst."

Der Sprecher der Bundesregierung, Steffen Seibert, sagte, Ramelows Verhalten stehe "für sich und bedarf keines weiteren Kommentars". Der Thüringer CDU-Landesvorsitzende Christian Hirte nannte Ramelows Verhalten "respekt- und verantwortungslos". "Entweder ist es Ausdruck von Arroganz der Macht oder Amtsmüdigkeit", schrieb Hirte auf Twitter.

"Da muss man schon konzentriert beteiligt sein"

"Ich spiele keine Computerspiele während der Ministerpräsidentenkonferenz", sagte der neue CDU-Chef Armin Laschet, ohne Ramelow namentlich zu nennen. Dort gehe es um sehr wichtige Fragen und um fundamentale Grundrechtseingriffe: "Wir entscheiden in Abwägung über Schäden bei Schule, bei Bildung, bei Wirtschaft. Und da muss man schon konzentriert beteiligt sein."

Grünen-Chefin Annalena Baerbock warf Ramelow vor, mit seinen Äußerungen das Vertrauen in die Politik zu beschädigen. Baerbock sagte, sie könne nur hoffen, dass das ein Scherz war. "Oder wenn es keiner war, erklärt es dann vielleicht auch, warum manche Beschlüsse auf so einer Ministerpräsidentenkonferenz einfach mit der Realität nichts zu tun haben."

Kritik auch vom Lehrerverband

Auch der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, kritisierte Ramelow für das Handyspiel. "Zu Hause kämpfen die Eltern darum, dass die Kinder am Computer lernen und nicht gamen", sagte Meidinger der "Bild"-Zeitung. "Und Herr Ramelow macht das Gegenteil: Statt Politik für die Interessen der Kinder zu machen, vergnügt er sich mit Handygames."

"Die einen spielen Sudoku, ich spiele Candy Crush"

Ramelow sagte im MDR, seine Äußerungen seien aus dem Zusammenhang gerissen worden. Videokonferenzen zwischen der Kanzlerin und den Ministerpräsidenten dauerten manchmal zehn Stunden. Da müsse man zwischendurch den Kopf frei bekommen. "Die einen spielen Sudoku, die anderen auf dem Handy Schach - ich spiele Candy Crush." Es liege ihm aber fern, sich damit respektlos gegenüber den anderen Konferenzteilnehmern zu verhalten.

Ramelow ist seit 2014 Thüringer Ministerpräsident. Er regiert derzeit mit einer rot-rot-grünen Minderheitsregierung, die auf Unterstützung der CDU angewiesen ist. Die ursprünglich für Ende April geplante Neuwahl wurde wegen der Corona-Lage auf den 26. September verschoben. Thüringen gehörte in den vergangenen Wochen zu den am stärksten betroffenen Bundesländern und hatte zeitweise die höchste Sieben-Tage-Inzidenz.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 25. Januar 2021 um 08:48 Uhr.

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Moderation 25.01.2021 • 20:33 Uhr

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