Medizinische Personal in einem Isolationsraum auf der Intensivstation Klinikums Darmstadt | REUTERS

Krankenhausgesellschaft Verkürzte Quarantäne "ein zu hohes Risiko"

Stand: 31.12.2021 08:51 Uhr

In der Diskussion über eine Verkürzung von Quarantänezeiten für Personal der kritischen Infrastruktur hat sich die Deutsche Krankenhausgesellschaft dagegen ausgesprochen. Infizierte Mitarbeiter könnten dadurch andere gefährden.

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Gerald Gaß, hat sich gegen eine allgemeine Verkürzung der Corona-Quarantänezeiten zur Sicherung der gesundheitlichen Infrastruktur ausgesprochen. "Ein flächendeckender Einsatz von infizierten symptomlosen Mitarbeitern in der kritischen Infrastruktur ist ein zu hohes Risiko, gerade auch im Gesundheitswesen für die besonders vulnerablen Gruppen", sagte Gaß den Zeitungen des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND). 

Gaß betonte: "Es wäre den Mitarbeitern auch schwer zu vermitteln, mit viel Aufwand Infektionsschutz zu betreiben, während Kollegen infektiös am Krankenbett stehen." Verkürzungen der Quarantäneregelung könne es nur nach sorgfältiger Prüfung geben. "Wir brauchen valide Daten über die Infektionslage und deutlich mehr Daten über Omikron, um wirklich Entscheidungen treffen zu können, ob durch ein frühzeitiges Freitesten eine Verkürzung möglich ist", sagte Gaß.

"Eine Verkürzung kann auch nur dann erfolgen, wenn es sich um symptomlose Mitarbeiter in hochspezialisierten Bereichen handelt, die sonst nicht ersetzbar wären." In den Krankenhäusern gebe es in diesen Wochen eine Anzahl an Krankmeldungen, die einer "normalen" Winter-Saison entspreche. Eine Situation mit eklatantem Personalmangel wie in London gebe es derzeit nicht, sagte Gaß. 

Bundesärztekammer hält Verkürzung für vertretbar

Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, hält eine Verkürzung der Quarantänedauer bei symptomlosen Omikron-Infizierten allgemein hingegen für vertretbar. "Das wäre ein pragmatischer Weg, um bei sehr hohen Ansteckungszahlen dafür zu sorgen, dass die kritische Infrastruktur nicht zusammenbricht", sagte er dem "Tagesspiegel". Angesichts der erwartbaren Omikron-Welle sei ein "differenzierter Umgang mit der Situation" nötig. 

"Wir werden Ansteckungen bis zu einem gewissen Grad zulassen müssen", sagte Reinhardt. Das bedeute aber selbstverständlich nicht, dass Deutschland die Strategie der Durchseuchung wählen solle. "Gefährdete Personen müssen wir weiter effizient schützen." Reinhardt wies darauf hin, dass auch bei einer verkürzten Quarantänedauer Schutzvorkehrungen getroffen werden könnten - wie etwa das Tragen von FFP-2-Masken am Arbeitsplatz.

RKI empfiehlt derzeit 14 Tage Quarantäne

In der Bundespolitik wird derzeit eine Verkürzung der Corona-Quarantäne überlegt, um wegen des erwarteten deutlichen Anstiegs der Corona-Infektionen durch die ansteckendere Omikron-Variante Personalengpässe in Verwaltung, Gesundheitssystem und Wirtschaft zu verhindern. 

Das Robert Koch-Institut (RKI) empfiehlt derzeit bei einer Ansteckung mit der Omikron-Variante, dass sich Infizierte und ihre Kontaktpersonen für 14 Tage isolieren beziehungsweise in Quarantäne begeben sollen. Das schließt auch Geimpfte und Genesene ein.

Bislang haben drei Staaten die Isolationsdauer für positiv auf das Coronavirus Getestete verkürzt. Die spanische Regierung kündigte vor wenigen Tagen an, die Quarantäne für Infizierte von zehn auf sieben Tage herabzusetzen. Zuvor hatten bereits die USA die Quarantänezeit für symptomfrei Infizierte von zehn auf fünf Tage halbiert.

Argentinien kündigte eine Reduzierung der Quarantäne von vollständig geimpften Infizierten von zehn auf sieben Tage an. Geimpfte, die Kontakt zu einem Infizierten hatten, aber keine Symptome aufweisen, müssen sich nur noch fünf Tage lang isolieren. 

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 31. Dezember 2021 um 07:00 Uhr.