Unionsfraktionschef Volker Kauder | Bildquelle: dpa

Unions-Fraktionschef Merkels Mehrheitsmacher

Stand: 25.09.2018 03:32 Uhr

Erstmals seit 13 Jahren muss Unionsfraktionschef Volker Kauder sein Amt in einer Kampfkandidatur verteidigen. Der Merkel-Vertraute wird offen herausgefordert.

Von Oliver Böhm, ARD-Hauptstadtstudio

4691 Tage. Volker Kauder hält damit einen Rekord, so lange wie er war noch niemand Chef der Unions-Fraktion. Jahrelang führte er die Abgeordneten von CDU und CSU unangefochten. Doch schon bei der letzten Abstimmung, kurz nach der Bundestagswahl 2017, gab es Gegenwind. Etliche Unionspolitiker verweigerten ihm die Gefolgschaft. Und jetzt gibt es mit Ralph Brinkhaus erstmals sogar einen Gegenkandidaten. Dessen Erfolg wäre zwar eine Überraschung - erfahrene Unionsabgeordnete trauen Brinkhaus aber ein Ergebnis von um die 30 Prozent zu.

Während das für CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer ein Ausdruck von demokratischer Normalität ist, reagierte der 69-jährige Kauder schmallippig: "Ich glaube, dass eine Kandidatur in Demokratien immer etwas ist, was dazugehören kann - nicht unbedingt muss, aber kann. Und dewegen sehe ich mich dadurch überhaupt nicht beschädigt."

Merkel und Kauder gelten seit 2005 als Gespann

Das Ergebnis heute wird sehr wohl auch ein Meinungsbild darüber sein, wie die Unionsfraktion zu Kanzlerin Angela Merkel steht. Denn Merkel und Kauder gelten seit 2005 als ein Gespann. Kauder organisiert für Merkel die Mehrheiten - und wenn die beiden doch mal unterschiedlicher Auffassung sind, finden sie Lösungen.

"Wenn einer ein Anliegen hat, ruft er den anderen an und sagt: Angela oder Volker, wir müssen mal über dies oder jenes reden", beschreibt Kauder selbst das Verhältnis. "Aber, und das ist ein ganz wichtiger Punkt in unserem Verhältnis, dass wir über das, worüber wir reden, auch schweigen können."

CDU-Chefin Merkel  steht neben Fraktionschef Kauder | Bildquelle: REUTERS
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Kauder steht stets hinter ihr: Bundeskanzlerin Angela Merkel und der Unions-Fraktionschef sind seit 2005 ein eingespieltes Team.

Nur selten tragen die beiden unterschiedliche Meinungen nach außen. Wie bei der Frage, ob der Islam zu Deutschland gehört. Ja sagt Angela Merkel, Nein meint Kauder. Mit dieser unterschiedlichen Meinung könne die beiden leben.

Nur einmal distanziert sich Merkel vom Fraktionschef. Vor vier Jahren, als Kauder im Streit um die Frauenquote über die damalige Familienministerin Manuela Schwesig sagte: "Die Frau Familienministerin soll nicht so weinerlich sein, sondern sie soll den Koalitionsvertrag umsetzen, dann ist alles in Ordnung." Da entschuldigte sich Merkel bei Schwesig für Kauders Aussage.

Kurswechsel: Für Kauder Reaktion auf die Wirklichkeit

Widersprüche und kontroverse Ansichten innerhalb der Union? Die mag der im badischen Hoffenheim geborene Kauder nur, solange sie intern bleiben. Nach außen verlangt er Geschlossenheit.

Doch genau diese Geschlossenheit hat gelitten. In der Fraktion mehren sich die Stimmen derjenigen, die sich mehr Eigenständigkeit wünschen und ein klareres Profil der Union.

Und keine abrupten Kurswechsel wollen, die in der Vergangenheit auch Kauder mitgetragen hat - zum Beispiel die Aussetzung der Wehrpflicht.

Noch 2010 ist die Wehrpflicht für Kauder ein Kernbereich der Union. Schon ein Jahr später nicht mehr. Da sagt er: "Wir wollen keine allgemeine Dienstpflicht für junge Leute."

Oder die Kernenergie. Erst ist Kauder für die Laufzeitverlängerung, dann unterstützt er den Ausstieg. Solche Kurswechsel erklärt Kauder damit, dass für ihn Politik mit dem Betrachten der Wirklichkeit beginnt.

"Auch ich war für längere Laufzeiten, weil ich Geld aus der längeren Laufzeit wollte, um die erneuerbaren Energien auszubauen. Jetzt muss das anders finanziert werden", sagte er etwa zum Atomausstieg.

Ralph Brinkhaus | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Auf die Kandidatur von Ralph Brinkhaus, seines Herausforderers um das Amt des Fraktionsvorsitzenden, hat Kauder schmallippig reagiert.

Vom Fraktionschef zum Zirkusdirektor?

Die Realität wird heute zeigen, ob Kauder auch weiterhin die Fraktion führend wird - oder ob er Zeit bekommt, sich einen Kindheitstraum zu erfüllen-

"Das einzige, was ich gerne mal machen würde, wäre ja, einen großen Zirkus für eine Zeit lang zu führen. Zirkusdirektor wolle ich mal werden", hat er einmal verraten.

Doch dass er Ralph Brinkhaus unterliegen wird, ist eher unwahrscheinlich. Schließlich hat sich nicht nur Merkel für Kauder ausgesprochen, sondern auch CSU-Chef Horst Seehofer und Landesgruppenchef Alexander Dobrindt.

Vor Wahl zum Unions-Fraktionsvorsitz: Portrait Volker Kauder
Oliver Böhm, SWR
24.09.2018 19:44 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. September 2018 um 05:09 Uhr.

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