Annegret Kramp-Karrenbauer | Bildquelle: dpa

Zweifel an Kramp-Karrenbauer Urwahl-Idee macht die Union nervös

Stand: 08.10.2019 16:55 Uhr

Die CDU hat eine Vorsitzende, aber ist sie auch die Richtige für die Kanzlerkandidatur? In der Partei gibt es Befürworter einer Urwahl des Kandidaten - zum Ärger der Parteiführung. Und noch einer will mitreden.

Seit fast einem Jahr steht Annegret Kramp-Karrenbauer an der Spitze der CDU. Aber ist die Parteichefin auch die Richtige für die Kanzlerkandidatur? In der Partei gibt es offenbar Zweifel oder Liebhaber eines parteiinternen Wettbewerbs oder beides - vor allem konservative Parteimitglieder und der Nachwuchs bringen eine Urwahl des nächsten Kanzlerkandidaten ins Spiel.

Friedrich Merz beim "Deutschlandtag"

Beim "Deutschlandtag" der Jungen Union am kommenden Wochenende dürfte das Thema weiter an Fahrt gewinnen. Denn zu dem Treffen ist nun auch Friedrich Merz als Redner eingeladen. Er soll am Freitag reden. Das ist vor der Abstimmung über einen Antrag für eine Urwahl des nächsten Unions-Kanzlerkandidaten. Kramp-Karrenbauer wird bei dem Treffen der Unions-Nachwuchsorganisation ebenfalls eine Rede halten - laut "Welt" allerdings erst am Sonntag und damit nach der Abstimmung über eine Urwahl.

Schon jetzt ist die Unruhe in der Parteiführung vernehmbar. Zwar versuchte Generalsekretär Paul Ziemiak das Thema am Sonntag im Bericht aus Berlin kleinzureden, offenbar ohne großen Erfolg. Das Thema wabert weiter.

Kramp-Karrenbauer gegen Urwahl

Inzwischen schaltete sich auch die Chefin selbst in die K-Frage ein. "Die Union hat bisher mit guten Gründen immer gesagt, dass sie diesem Weg nicht folgt", sagte Kramp-Karrenbauer in der RTL/n-tv-Sendung "Frühstart". Man müsse jetzt die Entscheidung auf dem Deutschlandtag der Jungen Union abwarten und dann möglicherweise auch eine Debatte auf dem Parteitag. "Man wird sehen, wie die Delegierten sich verhalten werden."

Ihre Stellvertreter sprangen ihr zur Seite: CDU-Vizechefin Klöckner sagte den Funke-Zeitungen: "Ich sehe keinen Grund, zum jetzigen Zeitpunkt über Kanzlerkandidaturen zu debattieren." Ihr Kollege Thomas Strobl warnte: "Mit einer Urwahl geht immer eine wochen- oder gar monatelange Selbstbeschäftigung einher."

Auch Thüringens CDU-Chef Mike Mohring - mitten im Landtagswahlkampf - führte die SPD als warnendes Beispiel an. "Es wäre schön, wenn wir nicht die gleichen Fehler machen würden wie die SPD", sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Die Partei solle sich lieber auf die bevorstehenden Wahlen in seinem Bundesland konzentrieren.

Will sie überhaupt?

Nach derzeitiger Planung will die CDU beim Parteitag Ende 2020 den Kanzlerkandidaten oder die Kanzlerkandidatin für die Bundestagswahl 2021 benennen. Kramp-Karrenbauer lässt bislang offen, ob sie selbst die Kandidatur übernehmen will - im ZDF-"heute journal" wich sie am Montagabend einer entsprechenden Frage aus. Sie hatte aber wiederholt deutlich gemacht, dass sie den Benennungsprozess als Parteivorsitzende zu steuern gedenke.

CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer (rechts im Bild) im Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. | Bildquelle: REUTERS
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Unter Merkel gab es lange keine Debatte um die K-Frage.

Traditionell hat bei der CDU der oder die Vorsitzende ein Zugriffsrecht auf die Kanzlerkandidatur. Eine Urwahl würde bedeuten, der Vorsitzenden dieses etablierte Anrecht zu nehmen. Und noch jemand will mitreden: die Schwesterpartei. "Die CSU will natürlich mitreden, was in Deutschland passiert. Und wenn es um den Kanzlerkandidaten geht, wird es ein Mitspracherecht der CSU geben müssen", sagte Parteichef Markus Söder dem "Straubinger Tagblatt".

Eine Urwahl sah Söder ebenfalls kritisch: "Urwahlen sind so eine Sache. Das kann man bei der SPD sehen. Was macht man, wenn drei oder vier Bewerber um die 20 Prozent haben? Wenn es schlecht läuft, hat man nur beschädigte Kandidaten." Und er erinnerte: "Auch Urwahlen garantieren keine Wahlerfolge. Wähler entscheiden nach anderen Kriterien als Parteimitglieder."

Schlechte Umfragewerte

Auslöser der Urwahl-Debatte in der Union sind die schlechten Umfragewerte Kramp-Karrenbauers. Ein Zufriedenheits-Wert von nur 20 Prozent mit einem Minus von acht Prozentpunkten gegenüber dem Vormonat das nährt die Zweifel an der K-Tauglichkeit der Chefin und lässt ihre innerparteilichen Konkurrenten hoffen. Jens Spahn oder Armin Laschet haben sich in der Urwahl-Debatte übrigens noch nicht zu Wort gemeldet.

Ende November trifft sich die CDU im Leipzig zum Bundesparteitag. Dass die K-Frage dann entschieden wird, ist unwahrscheinlich. Denn erstens wird sich erst zwei Wochen später - nach dem SPD-Parteitag - entscheiden, wie lange die Große Koalition noch hält. Und dann könnte es ganz schnell gehen - oder eben dauern bis Ende 2020.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 08. Oktober 2019 um 17:00 Uhr.

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