Markus Söder im Schloss Herrenchiemsee | Bildquelle: picture alliance/dpa

Debatte über Kanzlerkandidatur Söder, die K-Frage und die Hintertür

Stand: 07.07.2020 15:33 Uhr

Es ist ein doppeltes Kunststück: Offiziell drängt sich CSU-Chef Söder nicht danach, Kanzler zu werden. Und offiziell stellt er auch nie die K-Frage. Trotzdem ist er dauernd als Kanzlerkandidat im Gespräch. Wie schafft er das?

Eine Analyse von Sabine Henkel, ARD-Hauptstadtstudio

Er kann doch nun wirklich gar nichts dafür. Dass immer wieder über die K-Frage geredet wird, über den vakanten Vorsitz in der CDU - das sei doch nun wirklich nicht sein Problem, sagt Markus Söder. "Schauen Sie, ich führe die Debatte ja nicht. Es wird ja ständig über mich geredet."

Ständig wird geredet, aber nur, weil Söder selbst nicht schweigt. Jüngst hat er kurzerhand alle CDU-Bewerber für untauglich erklärt, Kanzler zu werden. Denn frei nach Söder kann das nur, wer sich in der Corona-Krise bewiesen hat.

Mit besten Grüßen nach Gütersloh

Norbert Röttgen und Friedrich Merz fallen da raus, weil sie sich ohne Amt gar nicht beweisen dürfen. Und Armin Laschet? Tja, der wird von vielen Bürgern als der schlechtere Krisenmanager wahrgenommen - von Söder auch. Söder will alle Bayern auf das Virus testen lassen und kommentierte das mit: "Wir in Bayern testen nicht erst auf Corona wenn's brennt" - mit besten Grüßen nach Gütersloh.

Möglich, dass Söder eigentlich erst 2025 wollte

Eine offene Attacke, auch wenn Söder versucht, die wieder einzufangen. "Ganz Deutschland hat sich in der Krise bewährt, in sofern ist das auch die Grundvoraussetzung dafür, dass man erfolgreich sein kann. Noch einmal: alles Top-Kandidaten in der CDU."

"Alles Top-Kandidaten bei der CDU" klingt so, als seien Laschet, Merz und Röttgen genauso topp wie eben alle Mitglieder in der CDU: beliebig, austauschbar. Ist das Arroganz oder taktisches Geschick? Vermutlich von beidem etwas.

Jedenfalls ist kaum vorstellbar, dass Söders Ehrgeiz schon gestillt ist. Möglich, dass er den Schritt erst deutlich später, nach 2025 etwa machen wollte. Aber wenn ein Laschet oder ein Merz im nächsten Jahr erstmal ins Kanzleramt eingezogen ist, wird er freiwillig so schnell nicht wieder ausziehen.

Was, wenn die Umfragen schmelzen?

Derzeit sieht es daher eher so aus, als würde Söder in der Staatskanzlei in München eine Hintertür offen lassen, abwarten und beobachten. Die Umfragewerte der Union dürfte er sehr genau im Blick haben. Wie werden sich die entwickeln, wenn die Leute realisieren, dass Angela Merkel nicht mehr antritt?

Wenn der Vorsprung in den Umfragen dann schmelzen sollte und nicht mehr klar ist, dass die Union automatisch den Kanzler stellt, dann könnte Söder guten Gewissens einem der von ihm so freundlich identifizierten Top-Kandidaten den Vortritt lassen.

Der Basis wäre ein Kandidat wohl lieber

Krise übrigens können die alle, sagt Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther: "Ich glaube, wer nicht krisenfest ist, würde niemals den Anspruch erheben, sich überhaupt für ein solches Amt zu bewerben." Den Anspruch erheben weiterhin Armin Laschet, Friedrich Merz und Norbert Röttgen für sich. Auch wenn es der Parteibasis lieber wäre, wenn sich nur ein Kandidat stellen würde, will bisher keiner der drei verzichten.

Für Merz ist es wohl die letzte Chance, doch noch zu erreichen, was er immer wollte: CDU-Chef und Kanzler zu werden. Für Röttgen ist es vielleicht die einzige Chance - und Armin Laschet muss quasi kandidieren, als Ministerpräsident des bevölkerungsreichsten Bundeslandes.

Laschet startete mit brillantem Schachzug

Er hatte seine Kandidatur mit einem brillantem Schachzug begonnen, indem er mit Jens Spahn im Team antrat. Dann kam Corona und Laschet geriet ins Schlingern. Sein Krisenmanagement bemängelt nicht nur Söder. Hinzu kommen schwache Umfragewerte und das hartnäckige Gerücht, dass Laschet am Ende Spahn den Vortritt lassen könnte.

Spahn immerhin konnte die Corona-Krise nutzen und sich als Gesundheitsminister beweisen. Allerdings käme ein Rückzieher von Laschet einer Bankrotterklärung gleich, die seinen Rückhalt in Nordrhein-Westfalen alles andere als festigen würde.

Friedrich Merz kann das entspannter sehen. Er hat nichts mehr zu verlieren und hofft, dass seine Kompetenz als Wirtschaftsexperte mehr und mehr gefragt wird - zunächst vom CDU-Parteitag und später von den Wählerinnen und Wählern.

Denn die Wirtschaftsdaten werden sich so schnell nicht erholen. Merz setzt auf CDU-Vorsitz und Kanzleramt, beides gehört für ihn unweigerlich zusammen.

Das Bett von Ludwig II. auf Schloss Herrenchiemsee | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Für Mitte Juli hat Söder die Kanzlerin nach Bayern eingeladen - ins feudale Schloss Herrenchiemsee.

Röttgen umgarnt die Söder-Anhänger

Anders scheint das Norbert Röttgen zu sehen - Außenpolitiker und Außenseiter. In einem Zeitungsinterview ließ er wissen, dass derjenige "der Falsche" sei, der nicht bereit wäre, nur CDU-Chef zu werden. Röttgen, einst "Muttis Klügste" genannt, versucht also mit einer neuen Strategie zu punkten: Er umgarnt die Söder-Anhänger. 

Für alle erklärten Kandidaten und auch für den mit der offenen Hintertür gilt es, im Gespräch zu bleiben. Markus Söder vermag das fulminant. Er hat für den 14. Juli die Kanzlerin nach Bayern eingeladen - zu einer Sondersitzung seines Kabinetts im Schloss Herrenchiemsee. Das hat einst ein bayerischer König bauen lassen. Als Tempel des Ruhmes. 

Die K-Frage stopft das Sommerloch: Söder hält CDU-Kandidatensuche im Gespräch
Sabine Henkel, ARD Berlin
07.07.2020 13:52 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 Aktuell am 06. Juli 2020 um 11:04 Uhr.

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Sabine Henkel, WDR

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