Ein Mann raucht einen Joint. | AP

Jahresbericht zum Drogenkonsum Drogenbeauftragte will mehr Prävention

Stand: 26.11.2020 13:37 Uhr

Jährlich sterben 127.000 Menschen an den Folgen des Rauchens. Das geht aus dem Jahresbericht der Drogenbeauftragten Ludwig hervor. Neben Alkohol und Cannabis ist zudem auch Kokain "in der Mitte der Gesellschaft angekommen".

Die Bundesdrogenbeauftragte Daniela Ludwig warnt bei der Vorstellung ihres Jahresberichts vor den gesundheitlichen Folgen des Drogenkonsums. Tabak und Alkohol richten demnach noch immer mit Abstand den größten gesundheitlichen Schaden in Deutschland an. "Jedes Jahr versterben auch ohne Corona 127.000 Menschen an den Folgen ihres Tabakkonsums", so Ludwig.

Trotz erfolgreicher Präventionsarbeit unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen seien dies mindestens 6.000 Todesfälle mehr gewesen als noch 2015. Zwar seien die Zahlen insgesamt rückläufig, am Ziel sei man aber noch lange nicht.

Rauchen sei der wichtigste vermeidbare Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Atemwegserkrankungen, Krebs und Diabetes. Zugleich verwies Ludwig auf mehrere wissenschaftliche Belege dafür, dass Raucher sich einem erhöhten Risiko für schwere Corona-Verläufe aussetzten.

Weitere Anti-Tabak-Maßnahmen geplant

Ludwig sagte, sie plane im neuen Jahr weitere Maßnahmen zum Thema Tabakentwöhnung. Dann sollen zusätzliche Werbeverbote in Kraft treten, die vor allem Jugendliche vor Gesundheitsgefahren schützen sollen. Ein im Herbst beschlossenes Gesetz untersagt vom 1. Januar 2021 an Kinowerbung fürs Rauchen, wenn ein Film für unter 18-Jährige freigegeben ist.

Schluss sein soll dann auch mit dem Verteilen von Gratis-Proben außerhalb von Fachgeschäften etwa bei Musikfestivals und von Tabakprodukten als Gewinne bei Preisausschreiben. Ab 2022 soll dann auch ein schrittweises Reklameverbot auf Plakatwänden folgen.

Große Probleme machten zudem die steigenden Zahlen von Cannabis-Konsumenten und deren Behandlung, so Ludwig. Noch nie seien so viele illegale Drogen in Deutschland unterwegs gewesen wie aktuell. "Kokain ist das Megathema" und sei mittlerweile "in der Mitte der Gesellschaft angekommen", so Ludwig. Gefahren gingen aber auch von Glücks- oder Computerspielen aus.

"Wir dürfen niemanden vergessen"

Weiter warnte die Drogenbeauftragte vor Gefahren der Corona-Pandemie für Suchtkranke. Elementar wichtig sei aktuell, dass Beratungsstellen, niedrigschwellige Hilfsangebote und Suchtkliniken für alle Bedürftigen offen bleiben. Der Bedarf sei größer denn je. Mehr Hilfe als bisher bräuchten zudem auch Kinder von Suchtkranken: "Viele von ihnen sind nahezu auf sich allein gestellt", sagte Ludwig. "Wir dürfen niemanden vergessen."

Im Fokus des Berichts steht auch die zunehmende Zahl medienabhängiger Kinder und Jugendlicher. Während des ersten Lockdowns im Frühjahr hätten Jugendliche etwa 70 Prozent häufiger zu digitalen Spielen gegriffen und Soziale Netzwerke genutzt. "Damit steigen auch in diesem Bereich die Suchtgefahren", sagte Ludwig. Laut Bericht waren im Herbst 2019 rund drei Prozent aller Kinder und Jugendlichen und damit fast 700.000 junge Menschen süchtig nach "Gaming oder Social Media".

Ludwig verwies in diesem Zusammenhang auf ihre Kampagne "Familie.Freunde.Follower". Diese biete niedrigschwellige Hilfestellung für einen verantwortungsvollen Umgang mit Bildschirmmedien in den Familien.