Schriftzug Willkommen vor einer Erstaufnahmeeinrichtung in Thüringen | Bildquelle: picture alliance / dpa

Studie zur Zuwanderung Mehrheit sieht Integration positiv

Stand: 17.09.2018 16:33 Uhr

Die Deutschen sind einer Studie zufolge überwiegend optimistisch beim Thema Integration. Eine Mehrheit findet, dass Flüchtlinge zur wirtschaftlichen Entwicklung beitragen werden.

Von Christoph Käppeler, ARD-Hauptstadtstudio

Die Menschen in Deutschland beurteilen das Zusammenleben mit Zuwanderern insgesamt als "weiter positiv", stellt Thomas Bauer fest. Bauer ist der Vorsitzende des Sachverständigenrates deutscher Stiftungen für Integration und Migration.

"Das zentrale Ergebnis ist, dass das Integrationsklima in Deutschland insgesamt bei allen Befragungsgruppen stabil bleibt, mit Werten zwischen 64 und 70", sagte Bauer mit Blick auf eine Skala zwischen null und einhundert. Bei denen ohne Migrationshintergrund ist der Wert leicht gesunken, um anderthalb Punkte - bei den Befragten mit Migrationshintergrund blieb er fast gleich.

Flüchtlingskinder im Unterricht in einer Schule in Frankfurt/Oder (Archivbild) | Bildquelle: picture alliance / Patrick Pleul
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Schulen nehmen beim Thema Integration eine Schlüsselrolle ein.

Klima im Osten eingetrübt

Das Integrationsklima habe sich dort "eingetrübt", wo "kulturelle Vielfalt nicht erlebt" werde, so Bauer. Vor allem in Ostdeutschland sei das der Fall - also dort, wo es weniger Migranten gebe und weniger Kontakt mit ihnen.

Daraus schließt Annette Widmann-Mauz, die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung: "Es gibt ganz offensichtlich einen Unterschied zwischen dem direkten Erleben und auf der anderen Seite der gefilterten, der mittelbaren Wahrnehmung - etwa über soziale Medien."

Direkter Kontakt - bei der Arbeit, mit Nachbarn, im Verein - sei maßgeblich für positive Einstellungen zur Integration, sagte die CDU-Politikerin. Deshalb sei es wichtig, dass Migranten und Nichtmigranten sich möglichst viel begegnen - und dass die Schulen gestärkt werden.

"Damit die Schulen diesen Anspruch erfüllen können, müssen wir gerade Lehrerinnen und Lehrern, die ja oft unter schwierigen Bedingungen ganz enormes leisten, den Rücken stärken", sagte Widmann-Mauz.

Annette Widmann-Mauz | Bildquelle: picture alliance / Uwe Zucchi/dp
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Annette Widmann-Mauz betrachtet Schulen als Kompetenzzentren für Integration.

"Wirtschaftliche Bereicherung"

Aber so ablehnend denkt die Mehrheit ja schon jetzt nicht über Integration, stellt das Integrationsbarometer fest.

Auch die Haltung zu Flüchtlingen sei überwiegend positiv, so Claudia Diehl vom Sachverständigenrat. "Die Mehrheit der Befragten betrachtet diese Neuzuwanderer als eine wirtschaftliche Bereicherung, was angesichts der guten Arbeitsmarktsituation gar nicht so verwundert. Aber auch als eine kulturelle Bereicherung, das sehen wir ganz klar an unseren Daten."

60 Prozent seien dafür, weiter Flüchtlinge aufzunehmen - allerdings wünschten sich die meisten eine zahlenmäßige Begrenzung. Auch lehnt eine Mehrheit der nichtmuslimischen Befragten - auch Migranten - das Kopftuch, zum Beispiel bei Lehrerinnen, weiter ab - nur Migranten aus der Türkei sind mehrheitlich dafür.

Frauen optimistischer als Männer

Frauen zeigen sich optimistischer als Männer, was den Erfolg von Integration angeht. Aber: Ein Blick auf Twitter, Facebook und auf die Straßen von Chemnitz oder Köthen lässt einen doch eher denken: "Die Hütte brennt", räumt Claudia Diehl ein. Nur zeigten ihre Daten: "Die Hütte brennt vielleicht nicht".

Hier gehe es wirklich um das wahrgenommene Integrationsklima im Alltag - "und das ist positiv und das hat sich auch nicht stark verändert", fasste Diehl zusammen.

Die Befragung war im Januar abgeschlossen worden. Die aktuellen Vorgänge in Chemnitz spiegeln sich deshalb nicht im neuen Integrationsbarometer wider.

Integrationsbarometer: "Die Hütte brennt nicht".
C. Käppeler, ARD Berlin
17.09.2018 15:54 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 17. September 2018 um 16:45 Uhr.

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