Annalena Baerbock und Jennifer Morgan | dpa

Weltklimakonferenz Wie gut verhandelt "Team Deutschland"?

Stand: 18.11.2022 11:36 Uhr

Die UN-Weltklimakonferenz geht auf die Zielgerade. Nun wird um eine gemeinsame Abschlusserklärung gerungen. Die Bundesregierung hatte sich für den Gipfel viel vorgenommen. Zu viel?

Von Nina Amin, ARD-Hauptstadtstudio, zzt. Sharm El-Sheikh

Die letzten Tage sind die härtesten, da sind sich alle auf der UN-Klimakonferenz einig. "Noch nie waren ambitionierte Ergebnisse auf einer Klimakonferenz so schwierig wie in diesen Tagen", sagte Außenministerin Annalena Baerbock bei einer Pressekonferenz im Deutschen Pavillon. 

Nina Amin ARD-Hauptstadtstudio

Ein Knackpunkt: Wer zahlt für klimabedingte Schäden in armen Ländern? Für Baerbock ist klar: Europa und die USA tragen mit ihrem hohen Treibhausgasausstoß massiv zur Erderwärmung bei und müssen zahlen. "Aber alle großen Emittenten von heute tragen die Verantwortung für die Klimaschäden der Zukunft. Alle Staaten können jetzt zeigen, dass sie zu mehr Ambition und mehr Solidarität bereit sind." Damit dürfte Baerbock Saudi-Arabien und China meinen. Beobachtern zufolge stehen die beiden Länder bei den Verhandlungen auf der Bremse.

Während die Grünen-Politikerin in den letzten Stunden der Klimakonferenz pausenlos verhandelt, ist der Rest vom "Team Deutschland" wieder abgereist. Mehrere Ministerien waren bei der UN-Klimakonferenz vertreten. Auch der Kanzler war zum Auftakt in Sharm El-Sheikh.

Schutzschirm für Klimarisiken

Entwicklungsministerin Svenja Schulze zeigte sich nach ihrer Teilnahme zufrieden. Sie brachte in Ägypten einen globalen Schutzschirm für Klimarisiken auf den Weg. Deutschland hat das Instrument zusammen mit den sogenannten V20-Staaten erarbeitet. "Es ist ein Erfolg, dass wir es hier vorstellen und gemeinsam entwickeln werden", sagte die SPD-Politikerin. Konkret soll mit dem Schutzschirm Geld schnell und unbürokratisch zur Verfügung stehen, wenn Überschwemmungen oder Dürren Ernten oder Häuser zerstören.

Deutschland zahlt 170 Millionen Euro ein, sozusagen als Startkapital. Einen Tropfen auf den heißen Stein nennen das Umweltorganisationen. Außerdem ist die Einzahlung in einen Topf freiwillig. Keine Alternative also für einen großen verbindlichen Fonds für Klimaschäden.

"Naturschutz ist Klimaschutz"

Erstmals Thema auf der UN-Klimakonferenz: Artenvielfalt. Umweltministerin Steffi Lemke bezeichnet das als einen großen Erfolg: "Wir brauchen Klimaschutz, um die Natur zu retten und wir brauchen intakte Ökosysteme um Klimaschutz zu betrieben, weil da Kohlenstoff gespeichert wird. Und auch um Klimaanpassung und Vorsorge zu betreiben, uns vor Dürren und Hochwasser besser zu schützen", so die Grünen-Politikerin.

Das deutsche Engagement für Naturschutz, für finanzielle Hilfe nach Klimakatastrophen kommen auf der Klimakonferenz gut an. Aber die Bundesregierung steht auch in der Kritik.

Gasförderung mit Senegal in der Kritik

Deutschland will als Vorreiter für Erneuerbare Energien gelten, für Gaseinkäufe steht Deutschland aber weltweit in der Kritik. Besonders die geplante Zusammenarbeit bei der Gasförderung in Senegal, die Kanzler Scholz im Frühjahr angekündigt hat, sorgt für Ärger.

Grünen-Chefin Ricarda Lang ist gegen das Projekt. "Jetzt gerade finden ja noch Verhandlungen mit dem Senegal statt und ich finde, der Fokus sollte dabei auf Erneuerbaren Energien liegen. Ich nehme dafür hier auf der Klimakonferenz eine ganz große Bereitschaft wahr." Tatsächlich hat die Bundesregierung zuletzt mit anderen Ländern wie Kenia eine Partnerschaft für den kompletten Umstieg auf Erneuerbare Energien abgeschlossen.

Ob das "Team Deutschland" letztendlich gut und im Sinne des Klimas verhandelt hat, wird sich in den nächsten Tagen zeigen. Mit all dem verfolge die Bundesregierung ein Ziel, sagte Baerbock auf der Konferenz. "Dass am Ende Solar und Windkraft die Gewinner und die fossilen Energien die Verlierer sind."

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 18. November 2022 um 09:10 Uhr.