Wiebke Winter | Gottfried Schwarz
Analyse

Erneuerung der CDU Und die Frauen?

Stand: 13.10.2021 16:42 Uhr

Die CDU sucht eine neue Parteispitze. Doch bei der Frage, wer das sein kann, werden fast nur Männer genannt. Warum sind ausgerechnet in der Partei von Kanzlerin Merkel Frauen unterrepräsentiert?

Eine Analyse von Sabine Henkel, ARD-Hauptstadtstudio

Es rumort in der CDU. Die Frau ist ihr abhanden gekommen - die Frau an der Spitze. Das ist zwar schon eine Weile her, aber fällt jetzt erst richtig auf.

Sabine Henkel ARD-Hauptstadtstudio

Nach Angela Merkels Rücktritt vom Parteivorsitz und einem kurzen Intermezzo an der Spitze von Annegret Kramp-Karrenbauer werden ausschließlich Männer für das Amt des Parteichefs gehandelt. Und nicht nur das ist ein Problem: Frauen sind in der CDU grundsätzlich unterrepräsentiert. Auch an der Basis fehlen sie: in Stadträten, Kreistagen, Landtagen.

Wiebke Winter ist mit 25 Jahren Exotin in der CDU. Sie wünscht sich, dass die Partei jünger und weiblicher wird - wenn sie schon über eine personelle Neuaufstellung spricht. Winter ist in der Jungen Union groß geworden, schaffte es schnell bis in den Bundesvorstand. Ihr Karriere erlebt jetzt den ersten Bruch: Sie wird mit allen anderen Vorstandsmitgliedern als Konsequenz aus der Wahlniederlage zurücktreten.

Junge weibliche Konkurrenz ist rar

Allerdings hat sie große Chancen, wieder in den Vorstand gewählt zu werden - denn junge weibliche Konkurrenz ist rar. Anders als bei SPD und Grünen gilt in der CDU keine Quote. Kramp-Karrenbauer hatte zwar auf den Weg gebracht, dass bis zum Jahr 2025 die Hälfte aller Ämter in der Partei von Frauen besetzt sein soll - die Zustimmung eines Parteitags steht aber noch aus.

Und eine Quote allein wird wohl auch nicht reichen, meint Nadine Schön. Die 38-Jährige hat den Einzug in den Bundestag erst verpasst, profitierte jetzt vom Rückzug Kramp-Karrenbauers: "Zum einen muss man Strukturen ändern", sagt sie. Parteiarbeit müsse für Frauen attraktiver gemacht werden und auch die Ansprache müsse sich ändern. "Man muss Frauen ganz anders ansprechen, um sie zu motivieren." Zudem müssten die Netzwerke gestärkt werden."

Die besten Netzwerker sind immer noch Männer. Auch in der CDU. Angela Merkel hat es in all den Jahren an der Macht versäumt, daran etwas zu ändern. Frauenförderung war nie ihr Thema, zu einer Karriere hat sie nur wenigen verholfen. Das Aufbrechen von Strukturen vernachlässigte sie. Für die Partei war sie lange Zeit auch Alibi. Eine Frau an der Spitze der Partei - das war für viele Frau genug.

"Da gehören jetzt Amazonen rein"

So ist die CDU im Jahr 2021 noch immer eine von Männern dominierte Partei. Die Frauen Union will das jetzt ändern. Es wirkt ein wenig hilflos, so als sei sie durch die krachende Wahlniederlage erst darauf aufmerksam geworden, dass in der CDU Frauen fehlen. "Die Neuaufstellung kann nur mit den Frauen in der CDU gelingen," meint die Vorsitzende, Annette Widmann-Mauz.

Und auch an der Basis gibt es diese Stimmen: "Da gehören jetzt Amazonen rein, die um ihre Rechte kämpfen und sagen: Ohne uns geht es nicht." Was Simone Römer aus Krefeld fordert, will Silvia Breher umsetzen.

Breher ist stellvertretende Parteivorsitzende im Bund, genauso wie Julia Klöckner. Sie meint, dass es schlichtweg Normalität und Selbstverständlichkeit werden müsse, dass Frauen in der CDU stärker vertreten sind. Klöckner hat es immerhin in ein Ministeramt geschafft, Breher ist als Laschet-Vize bisher eher wenig bis gar nicht aufgefallen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden, etwa durch den Einsatz für eine stärkere Rolle von Frauen. "Da geht es am Ende nicht nur um den Kopf, der ganz vorne steht," sagt sie, "sondern um das Team, das drumherum steht."

Ein weiblicher Kopf mit einem weiblichen Team, das drumherum steht - also Parteichefin mit mehreren weiblichen Stellvertreterinnen, das wäre das, was sich einige Frauen in der CDU wünschen. Es ist aber derzeit mangels Kandidatinnen nicht viel mehr als eine Utopie.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 13. Oktober 2021 um 02:03 Uhr in der ARD Infonacht.