Dietmar Hopp und Karl-Heinz Rummenigge bedanken sich bei den Fans. | Bildquelle: dpa

Schmähplakate im Stadion Bei Hopp konsequent - und sonst?

Stand: 02.03.2020 15:15 Uhr

Im Zusammenhang mit den Schmähplakaten gegen Hoffenheim-Mäzen Hopp gibt sich der DFB konsequent. Vereine und Funktionäre solidarisieren sich. Doch warum greift der Verband gerade jetzt durch?

Zwei Bundesligaspiele wurden unterbrochen, solidarisch minutenlang der Ball hin und her geschoben: Wegen der Schmähplakate gegen Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp ist die Bundesliga in Aufruhr. "Jetzt ist Schluss, jetzt müssen die Grenzen gezeigt werden", sagte DFB-Chef Fritz Keller bereits kurz nach dem Skandalspiel der TSG Hoffenheim gegen Bayern München im ZDF. Er setze dabei auch auf die Solidarität der Vereine und Mannschaften untereinander.

Bundesweites Stadionverbot?

Doch wie kann es jetzt weitergehen? Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge will harte Sanktionen gegen die Urheber der Aktion durchsetzen. Der FC Bayern habe in einer Vorstandssitzung eine Kommission zur Aufarbeitung der Vorfälle gegründet. "Wir können da nicht zur Tagesordnung übergehen nach den Vorkommnissen vom letzten Samstag", sagte Rummenigge bei "Bild live". Sollten nach Auswertung der Polizeiaufnahmen Täter identifiziert werden, "müssen die natürlich damit rechnen, dass sie nachhaltig von Bayern München bestraft werden", sagte Rummenigge. Er äußerte sich aber nicht detailliert zu möglichen Konsequenzen.

Hopps Anwalt Christoph Schickhardt bringt ein bundesweites Stadionverbot gegen beteiligte Fans ins Gespräch. "Das Verbandsrecht kann ein Stadionverbot aussprechen, ein bundesweites Stadionverbot", sagte Schickhardt im SWR. Das sei ein sehr scharfes Schwert. Der Jurist hat in den vergangenen Jahren verschiedene Bundesligisten bei Verhandlungen vor dem DFB-Sportgericht vertreten.

Schickhardt sprach sich für Modelle wie das "Kick it out" in Großbritannien aus, wo zum Beispiel rassistische Vorfälle angezeigt werden können. "Das Muster aller Lösungen ist die Selbstreinigung. Die Fans müssen diese Leute ausschließen. Die Fans sind die Lösung", sagte er.

Doch wie das funktionieren soll, ist unklar. Denn viele Fangruppen stehen dem DFB mittlerweile unversöhnlich gegenüber. Sie wehren sich immer wieder gegen Kollektivstrafen, wie den zweijährigen Auswärtsbann für BVB-Fans in Sinsheim - und werden das auch weiter tun. Zudem ist SAP-Mitgründer Hopp seit Jahren eine Hassfigur für viele Fans, weil der aus dem einstigen Dorfverein mit seinem Vermögen einen Bundesligisten geschaffen hat.

Und das harte Vorgehen des Verbands im Zusammenhang mit den Angriffen auf Hopp wirft weitere Fragen auf. Zum Beispiel: Warum greift der DFB gerade jetzt zum Mittel der Spielunterbrechung? Das fragt sich offenbar auch Wolfsburgs Geschäftsführer Jörg Schmadtke, der den unterschiedlichen Umgang mit Beleidigungen im deutschen Fußball kritisiert. "Es ist ja hoch interessant, dass auf der einen Seite sehr deutlich reagiert wird, was ich auch richtig finde, in anderen Fällen wird aber darüber hinweg geguckt", sagte Schmadtke der "Bild"-Zeitung. Schmadtke war als ehemaliger Geschäftsführer des 1. FC Köln bei seiner Rückkehr mit dem VfL Wolfsburg von den Kölner Anhängern ebenfalls in Fangesängen beleidigt worden.

Keine einheitliche Linie

Damals gab es aber keine Reaktionen seitens des Schiedsrichters oder des Deutschen Fußball-Bundes. "Das ist nicht nur in meinem Fall so, sondern im übrigen auch im Fall Martin Kind so, der noch mal einen eigenen besonderen Drive hat, weil es die eigenen Fans waren. Aber auch da habe ich Dinge gehört und gesehen, die nach meiner Einschätzung im Stadion nichts verloren haben. Und da habe ich nichts gehört", sagte Schmadtke über den Mehrheitsgesellschafter von Hannover 96, der sich bereits seit langer Zeit mit den 96-Fans eine Art Privatfehde liefert. Man müsse da schon eine einheitliche Linie finden, forderte Schmadtke. "Da muss schon eine Eindeutigkeit her."

Sven Pistor, WDR-Sportjournalist, zum Thema Dietmar Hopp
Morgenmagazin, 02.03.2020

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Unverständnis in der Fanszene

Viele Fußballfans fragen sich wiederum, ob es nicht längst schon bei den häufigen rassistischen und sexistischen Entgleisungen in Stadien eine schärfere Reaktion des DFB hätte geben müssen. "Die Plakate stellen eindeutig eine Beleidigung in einer unangemessenen Ausdrucksform dar", sagt Michael Gabriel, Chef der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS). "Ich habe aber den Eindruck, dass die Kategorien da ein bisschen durcheinander geraten sind. Diese Beleidigungen in den Kontext mit dem rassistischen Anschlag von Hanau zu setzen oder mit Diskriminierung gleichzusetzen, das stößt in den Fanszenen auf sehr viel Unverständnis und Irritationen." Einen derartigen Vergleich hatte der Trainer des SC Freiburg, Christian Streich, gezogen und von einer Entwicklung in der Gesellschaft gesprochen, die "extrem gefährlich" sei.

Man frage sich: "Wie fühlen sich diejenigen, die tatsächlich Adressaten von rassistischen oder sexistischen Beleidigungen waren im Fußball in den vergangenen Jahren? Wo hat es vergleichbare Reaktionen bei den Verantwortlichen in Vereinen und Verbänden gegeben?", so Gabriel.

Über dieses Thema berichtete das Morgenmagazin am 02. März 2020 um 07:25 Uhr.

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