Ein Moped fährt vorbei an einer Rauchsäule in einem Wald der Königsbrücker Heide bei Radeburg, Sachsen. | dpa

Wetterlage in Deutschland Hitze im Osten, Gewitter im Westen

Stand: 20.07.2022 13:25 Uhr

Nach der Hitze im Westen Deutschlands schwitzen nun besonders die Menschen im Osten. Von Westen her ziehe zwar allmählich Abkühlung übers Land, so der Deutsche Wetterdienst. Zuvor könnten aber erneut Temperaturrekorde erreicht werden.

Nach dem bislang heißesten Tag des Jahres mit Schwerpunkten im Westen und Süden Deutschlands zieht die Hitze nun langsam in Richtung Osten weiter. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) könnte die bislang höchste gemessene Temperatur des Jahres von 39,5 Grad Celsius heute im Nordosten übertroffen werden, sagte ein Meteorologe des DWD. Auch Temperaturen von 40 Grad Celsius seien möglich. Dann kühle es sich auch im Osten und Nordosten auf etwa 33 Grad ab.

Im Westen und Südwesten wird es demnach weniger heiß werden als am Dienstag. Dort gebe es allerdings ab dem Nachmittag Gewitter mit "lokalem Unwetterpotenzial". Betroffen davon sei vor allem die Südhälfte Baden-Württembergs. Es könne zu Starkregen, schweren Sturmböen mit bis zu 100 km/h und größeren Hagel kommen. Die Luft werde zunehmend schwüler. 

"So richtig raus aus der Hitze sind wir nicht"

Ungeachtet der etwas geringeren Temperaturen im Westen bleibt die Wärmebelastung insgesamt stark. Die Gewitter breiteten sich laut DWD nach Nordosten aus. Der Schwerpunkt verlagere sich dann nach Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Nordhessen. Dort sei mehrstündiger Starkregen möglich.

Doch auch, wenn es in den kommenden Tagen etwas regnerischer und kühler werde, "so richtig raus aus der Hitze sind wir nicht", sagte der DWD-Experte. Schon am Wochenende und zu Beginn der neuen Woche könne es dann wieder heißer werden. Temperaturen von 30 bis 35 Grad Celsius seien für diese Zeit normal - überdurchschnittlich seien aber 35 bis 40 Grad, so wie sie zuletzt gemessen wurden.

Verletzte bei Wald- und Flächenbränden

Bei Wald- und Flächenbrände waren in den vergangenen Tagen mehrere Menschen verletzt worden. Wie Polizei und Feuerwehr mitteilten, mussten einige Verletzte bei Löscheinsätzen in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen in Krankenhäuser gebracht werden, Lebensgefahr bestand aber nicht. Nahe Alsdorf bei Aachen griff ein Feldbrand demnach auf ein Gehöft über, bei diesem Einsatz wurden sieben Menschen zumeist leicht verletzt, zwei Feuerwehrleute mussten ins Krankenhaus.

Im baden-württembergischen Kronau erlitt nach Angaben der dortigen Feuerwehr beim Brand eines Feldes ein Feuerwehrmann eine Rauchvergiftung und musste in ein Krankenhaus gebracht werden. Weitere Helfer wurden wegen Kreislaufbeschwerden und kleinerer Verletzungen vor Ort vom Rettungsdienst versorgt. Dort waren demnach etwa sieben Hektar eines abgeernteten Getreidefelds und benachbarter Brachflächen in Brand geraten.

Im nordrhein-westfälischen Hennef rückte die Feuerwehr zu einem größeren Waldbrand nahe eines Standorts der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg aus, dessen Rauchfahne kilometerweit zu sehen war. Auch dort wurde ein Feuerwehrmann mit Kreislaufbeschwerden in Folge der Hitzebelastung in ein Krankenhaus gebracht.

Stromkabel halten Hitze nicht stand

Die Hitze brachte im baden-württembergischen Baden-Baden Ummantelungen von Stromkabeln zum Schmelzen und führte zu einem großflächigen Stromausfall. Das teilten die Stadtwerke mit. Zuvor hatte der SWR berichtet. Etwa 10.000 Menschen sind betroffen, auch der Notruf sowie Ampelanlagen fielen aus.

Im gesamten Stadtgebiet sei darüber hinaus das Internet gestört, hieß es auf der Webseite der Stadtwerke. Auch die Merkur-Bergbahn sei bis auf Weiteres außer Betrieb. Man arbeite mit Hochdruck daran, die Störung vollständig zu beheben, sagte die Sprecherin der Stadtwerke.

Berlin unterstützt erste Hitzehilfe-Notunterkunft

Mehr Getränke, flexiblere Duschmöglichkeiten und gelockerte Verschlusszeiten für die Haftzellen - so reagieren die Gefängnisse in Berlin auf die derzeitige Hitzewelle. Wie die Senatsverwaltung für Justiz mitteilte, stünden für die Häftlinge in der Wärmeperiode zusätzliche Getränkepulver und nährstoffhaltige Getränke bereit.

Berlins Sozialsenatorin Katja Kipping eröffnete die erste Hitzehilfe-Notunterkunft der Stadt. Die Senatssozialverwaltung unterstütze die Einrichtung mit 100.000 Euro, sagte Kipping in der Anlaufstelle für obdachlose Menschen an heißen Tagen. Träger des Modellprojekts ist der Internationale Bund (IB). In der Notunterkunft im Stadtteil Schöneberg können sich nach Angaben der Sozialverwaltung täglich bis zu 30 wohnungslose Menschen von 10 bis 20 Uhr aufhalten, duschen und ausruhen. Sie erhielten dort Essen und Getränke sowie Kleidung und Sonnenschutzprodukte.

SPD-Fraktionsvize schlägt Hitzefrei vor

Angesichts der hohen Temperaturen appellierte die SPD an Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, den Beschäftigten mehr Erholung einzuräumen und Arbeitsschutzregeln konsequent einzuhalten. "Wenn Arbeitgeber mit gutem Beispiel vorangehen wollen und ihren besonders belasteten Beschäftigten einen Extra-Tag Hitzefrei geben, begrüßen wir das ausdrücklich", sagte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Dagmar Schmidt, der "Rheinischen Post".

Schmidt forderte zugleich ein konsequentes Umsetzen des gesetzlich gewährten Arbeitsschutzes: "Dazu gehört, zum einen die Arbeitszeiten- und den Arbeitsort flexibel der Witterung anzupassen und ausreichend Pausen zu ermöglichen - zum anderen aber auch zu prüfen, ob die eine oder andere Arbeit verschoben werden kann."

DGB: Beschäftigte besser vor Hitze schützen

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) forderte ebenfalls einen besseren Schutz von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. DGB-Vorstandmitglied Anja Piel sagte der "Rheinischen Post", zu viele Arbeitgeber würden die vorgeschriebene Gefährdungsbeurteilung und passgenaue Schutzmaßnahmen unterlassen. "In heißen Sommern wird genau das zum Risiko für viele Beschäftigte." Arbeit bei Hitze sei insbesondere im Freien in der Sonne, aber auch in zu warmen Büros ein ernst zu nehmendes Gesundheitsrisiko. Da Hitzeperioden in Zukunft keine Seltenheit mehr seien, müssten Arbeitgeber jetzt mit den Betriebsräten wirksame Vereinbarungen treffen.

Auch die Linken-Co-Vorsitzende Janine Wissler forderte neue Regelungen. Es sei höchste Zeit, dass der Arbeitsschutz an die Erfordernisse des Klimawandels angepasst werde. Wissler sprach sich dafür aus, dazu die Arbeitsstättenverordnung zu überarbeiten. "Wir brauchen eine Hitzefreiregelung im Arbeitsleben", sagte sieden Zeitungen "Rheinische Post" und "Bonner General-Anzeiger".

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 20. Juli 2022 um 12:00 Uhr.