Screenshot aus Handyvideo der Schüsse in Halle | Bildquelle: AFP

Angriff in Halle Stream voller Hass

Stand: 09.10.2019 20:13 Uhr

Der Angriff auf eine Synagoge und einen Imbiss in Halle ist im Netz übertragen worden. In dem Stream leugnet der Täter den Holocaust und bezieht sich auf andere rechtsextreme Attentate.

Von Karolin Schwarz und Patrick Gensing, tagesschau.de

Der Angriff auf eine Synagoge und einen Döner-Imbiss in Halle hat einen rechtsextremen Hintergrund. Auf der Plattform Twitch übertrug der mutmaßliche Täter den Anschlag. Das Video wurde mittlerweile gesperrt, liegt der ARD aber vor.

Auf dem Video spricht der Attentäter auf Englisch, allerdings mit deutschem Akzent. Er behauptet, den Holocaust habe es nicht gegeben. Zu seinem Motiv für den Anschlag sagt er, Feminismus führe zu weniger Geburten, deswegen gebe es Masseneinwanderung - und hinter all diesen Problemen stecke "der Jude". Er bezieht sich somit auf andere rechtsextreme Attentäter, beispielsweise auf den von Christchurch.

Rassismus und Antisemitismus 

In Christchurch hatte ein Rechtsextremist in einer Moschee zahlreiche Muslime erschossen und die Tat per Livestream im Netz übertragen. In einem Manifest legte er Verschwörungstheorien offen, die Rassismus gegen Muslime und antisemitische Ressentiments vereinen. 

Konkret geht es um die Legende von einem angeblichen "Bevölkerungsaustausch", die Rechtsradikale in verschiedenen Staaten verbreiten. Der Begriff taucht auch bei AfD-Politikern und den "Identitären" auf, die einen "Großen Austausch" befürchten. Der Attentäter von Christchurch hatte vor seiner Tat Kontakt zu dem "Identitären" Martin Sellner. Dieser veröffentlichte bereits kurz nach den Schüssen von Halle ein Video auf YouTube, in dem er sich explizit von Gewalt distanzierte.

Neue Tätertypen

Rechtsextreme Attentäter beziehen sich offen aufeinander, einige kündigten ihre Taten in Boards wie 8chan an. Der Wissenschaftler Daniel Köhler spricht daher von neuen Tätertypen: Diese wollten "tatsächlich die eigene Person, den Anschlag an sich und das Manifest, die Ideen dahinter, in die Öffentlichkeit tragen mit diesem einen fulminanten Anschlag". Es handele sich dabei um junge Erwachsene, die mit den sozialen Medien, dem Internet aufgewachsen seien, erklärte Köhler in der ARD-Reportage "Rechter Terror". 

Es ginge darum, etwas Besonderes zu teilen, zudem strebten einige Täter offenbar nach einem Heldenstatus. Sie suchten "das Licht der Kamera" und wollten "in einem Prozess auftreten - wie Popstars für die rechte Szene weltweit". Das sei eine neue Qualität.

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