Synagoge in Halle | Bildquelle: dpa

Psychiatrisches Gutachten Halle-Attentäter "voll schuldfähig"

Stand: 13.05.2020 14:54 Uhr

Dem 28-jährigen Stephan B. wird vorgeworfen, im Oktober 2019 die Synagoge in Halle angegriffen, zwei Menschen getötet und mehrere verletzt zu haben. Das Gericht bescheinigte ihm jetzt, voll schuldfähig zu sein.

Der mutmaßliche Attentäter von Halle ist nach einem ausführlichen psychiatrischen Gutachten voll schuldfähig. Das geht aus einem Beschluss hervor, den der Bundesgerichtshof in Karlsruhe veröffentlichte.

Darin heißt es, nach vorläufiger Bewertung sei "nicht ersichtlich, dass die Fähigkeit des Angeschuldigten, das Unrecht seiner Taten einzusehen und nach dieser Einsicht zu handeln, bei den Taten aufgehoben war".

Anschlag auf Synagoge an Jom Kippur

Die Bundesanwaltschaft hat B. im April am Oberlandesgericht Naumburg wegen zweifachen Mordes und mehrfachen Mordversuchs angeklagt. Sie wirft ihm einen Mordanschlag "aus einer antisemitischen, rassistischen und fremdenfeindlichen Gesinnung heraus" vor.

B. hatte den Ermittlungen zufolge am 9. Oktober 2019 versucht, am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur in der Synagoge von Halle möglichst viele Menschen zu töten. Ihm gelang es aber nicht, in das Gebäude einzudringen. Daraufhin erschoss er zunächst eine Passantin und dann einen Gast in einem Döner-Imbiss. Auf seiner Flucht vor der Polizei verletzte er weitere Menschen.

B. äußerte sich zu Motiven

Der aus Sachsen-Anhalt stammende Mann hatte gestanden, die Taten aus rechtsextremen und antisemitischen Motiven begangen zu haben.

Die Akten zu dem Fall umfassen nach Angaben des Gerichtshofs inzwischen mehr als 20.000 Seiten. Es seien bereits Hunderte Zeugen vernommen worden.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 13. Mai 2020 um 14:15 Uhr.

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