Die Synagoge in Hagen | dpa

Synagoge in Hagen Verdächtiger muss in U-Haft

Stand: 17.09.2021 20:12 Uhr

Nach dem mutmaßlich geplanten Anschlag auf die Hagener Synagoge hat das Amtsgericht Haftbefehl wegen des dringenden Verdachts einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat erlassen. Der 16-jährige Verdächtige muss in U-Haft.

Der wegen mutmaßlicher Anschlagspläne auf die Hagener Synagoge festgenommene 16-Jährige muss in Untersuchungshaft. Das hat ein Haftrichter des Hagener Amtsgerichts entschieden, wie die Düsseldorfer Generalstaatsanwaltschaft mitteilte. Gegen ihn bestehe der dringende Tatverdacht der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat. Die Behörde hatte den Haftbefehl beantragt.

Der Richter war am Nachmittag ins Hagener Polizeipräsidium gekommen, wo ihm der Jugendliche in Begleitung seines Anwalts vorgeführt wurde. Er war am Donnerstag wegen des Verdachts der Vorbereitung eines Terroranschlags festgenommen worden.

Der Hagener Strafverteidiger des Jungen, Ihsan Tanyolu, hatte am Morgen noch eine baldige Freilassung seines Mandanten erwartet. "Es hat sich kein Tatvorwurf erhärtet, der das rechtfertigen würde", sagte er der Nachrichtenagentur dpa zur Frage einer etwaigen Inhaftierung seines Mandanten. Tatsächlich hatten die Ermittler weder Bombenbauteile noch einen Sprengsatz gefunden - weder beim 16-Jährigen, noch in der Nähe der Synagoge.

Kontakt zu mutmaßlichem IS-Terrorist

Die Entscheidung des Haftrichters weist aber darauf hin, dass den Ermittlern mehr vorliegt als der vage Hinweis eines befreundeten Geheimdienstes. Tatsächlich soll es sich Sicherheitskreisen zufolge um den gesamten Chat-Verlauf des 16-Jährigen mit einem mutmaßlichen IS-Terroristen handeln. Der Chat soll belegen, dass der Jugendliche via Telegram-Messengerdienst nicht bloß einen einmaligen losen Kontakt zu dem Bombenbau-Experten hatte, sondern über einen längeren Zeitraum mit ihm kommunizierte.

Sicherheitskreisen zufolge hatte der Jugendliche zugegeben, Kontakt zu dem Mann gehabt zu haben, Anschlagsabsichten auf die Synagoge in seiner stundenlangen Vernehmung aber vehement bestritten. Im Chat habe er die Synagoge als Ziel aber selbst ins Gespräch gebracht, teilte die Generalstaatsanwaltschaft mit.

"Islamistisch motivierte Bedrohungslage"

Mit Durchsuchungen und Festnahmen war die Polizei am Donnerstag dem "sehr ernstzunehmenden und konkreten Hinweis" nachgegangen, dass zum höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur ein Anschlag auf die Hagener Synagoge gedroht habe. Der Hinweis lasse auf eine "islamistisch motivierte Bedrohungslage" schließen, hatte NRW-Innenmnister Herbert Reul (CDU) gesagt. Es wurden elektronische Medien wie Handys und Speichermedien sichergestellt und ausgewertet.

Der Vater und zwei Brüder des 16-Jährigen, die die Polizei zunächst ebenfalls in Gewahrsam genommen hatte, waren bereits am Donnerstagabend wieder auf freien Fuß gesetzt worden, weil gegen sie kein Verdacht besteht.

Zentralrat der Juden entsetzt

Die mögliche Vereitelung eines Anschlags löste in der jüdischen Gemeinde Entsetzen aus. "Der Vorfall weckt schlimme Erinnerungen an den Anschlag an Jom Kippur vor zwei Jahren in Halle", sagte der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster. Er dankte auch der Polizei: "Wir danken den Sicherheitsbehörden, die offenbar einen Anschlag auf die Synagoge in Hagen verhindert haben." An Jom Kippur vor zwei Jahren hatte ein bewaffneter Rechtsextremist in Halle in Sachsen-Anhalt versucht, gewaltsam in die dortige Synagoge einzudringen. Als die Tür standhielt, erschoss er in der Nähe zwei Menschen und verletzte auf der Flucht zwei weitere.

Die frühere Präsidentin des Zentralrats, Charlotte Knobloch, erklärte, der mutmaßliche Anschlagsversuch zeige erneut, "dass jüdisches Leben ohne Angst in Deutschland noch immer nicht möglich ist, allen guten Worten zum Trotz." Ohne Polizeischutz sei es weiterhin undenkbar. "Wer mit Kippa unterwegs ist, wer eine Davidsternkette trägt oder wer am Abend des höchsten jüdischen Feiertages zu seiner Synagoge aufbricht, der begibt sich in Gefahr - so denken inzwischen viele in der jüdischen Gemeinschaft", sagte die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 17. September 2021 um 20:00 Uhr.