Bundestag außen

Nach Cyberattacke Ermittlungen und Empörung

Stand: 04.01.2019 11:36 Uhr

Die Bundesregierung wertet den Hackerangriff auf Politiker, Künstler und Journalisten als "schwerwiegenden Angriff". Sicherheitsbehörden prüfen weitere Schritte. Der entsprechende Twitter-Account wurde deaktiviert.

Nach dem massiven Hackerangriff auf Politiker, Journalisten und Prominente beschäftigen sich nun die Sicherheitsbehörden mit dem Fall. Die Bundesregierung verurteilte die Attacke als "schwerwiegenden Angriff". "Die Urheber wollen Vertrauen in unsere Demokratie und ihre Institutionen beschädigen", erklärte Justizministerin Katarina Barley.

Ein Sprecher des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sagte, seine Behörde prüfe den Vorgang in Zusammenarbeit mit weiteren Bundesbehörden "intensiv". Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) sichtet derzeit das veröffentlichte Material.

Das Nationale Cyber-Abwehrzentrum übernahm den Sprechern zufolge die zentrale Koordination zu dem Fall. Nach Bekanntwerden des Falles hatte dort am Morgen eine Krisensitzung stattgefunden. Laut eigener Aussage ist das BSI seit der Nacht mit den Ermittlungen beschäftigt.

Merkel, Böhmermann und K.I.Z. unter den Betroffenen

Unter den Betroffenen des Cyberangriffs ist auch Bundeskanzlerin Angela Merkel. In dem Datensatz finden sich unter anderem E-Mail-Adressen und eine Faxnummer von Merkel. Laut BSI ist das Regierungsnetz jedoch nicht betroffen.

Auch Informationen über Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, die Moderatoren Jan Böhmermann und Christian Ehring, Bands und Künstler wie der Deutsch-Rapper Materia und die Band K.I.Z, sowie Journalisten von ARD und ZDF wurden veröffentlicht.

Veröffentlichung im Dezember

In einem Adventskalender wurden die gehackten Daten im Dezember über Twitter verbreitet. Der entsprechende Account war bis zum Vormittag online und ist inzwischen gesperrt.

Die unbekannten Datendiebe veröffentlichten diverse persönliche Informationen: Personalausweise, Briefe, Kreditkarteninformationen, Fotos, parteiinterne Dokumente wie interne Kommunikation und Adress- und Mitgliederlisten.

Von dem Hackerangriff waren alle im Bundestag vertretenen Parteien mit Ausnahme der AfD betroffen, also CDU/CSU, SPD, Grüne, Linke und die FDP. 

"Man fühlt sich ausgeliefert"

Die Unionsfraktion teilte ihren Mitgliedern mit, dass Daten "von einer erheblichen Zahl von Unionsabgeordneten ins Netz gestellt" wurden.

Der ebenfalls betroffene SPD-Bundestagsabgeordnete Florian Post wies darauf hin, dass nicht alle ihn betreffenden Daten echt seien. "Es ist mindestens eine gefälschte Datei dabei. Die gehört mir nicht, sie wurde mir nie geschickt, und ich hab sie nicht gespeichert", sagte er. Andere Informationen seien aber echt - etwa Kontoauszüge. "Man fühlt sich ausgeliefert, ich bin ziemlich geschockt", sagte Post. Er wolle sich nun von einem Anwalt über mögliche rechtliche Schritte beraten lassen.

Die FDP im Bundestag leitete juristische Schritte ein. Nach derzeitigem Kenntnisstand seien zentrale Systeme der FDP-Fraktion jedoch nicht betroffen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. Januar 2019 um 12:00 Uhr.

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