Robert Habeck | dpa

Energieversorgung in Deutschland "Wir haben uns vorbereitet"

Stand: 12.05.2022 11:20 Uhr

Laut Wirtschaftsminister Habeck ist Deutschland auf russische Energiesanktionen vorbereitet. Täglich kämen von dort zehn Millionen Kubikmeter Gas weniger. Er betonte auch, wie wichtig der Ausbau erneuerbarer Energien sei.

Nach den Worten von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck ist Deutschland auf die von Russland angekündigten Sanktionen im Energiesektor eingestellt. "Wir haben uns auf die Situation vorbereitet", sagte der Grünen-Politiker im Bundestag. Der Markt könne den Gasausfall aus Russland kompensieren, sagte Habeck.

Täglich würden jetzt zehn Millionen Kubikmeter Gas aus Russland nicht mehr geliefert, sagte der Grünen-Politiker. "Das ist eine Menge, die kompensierbar ist, und die Unternehmen sind dabei, das Gas über andere Quellen zu beschaffen." Der Großhandelspreis sei um 14 Prozent gestiegen, was den normalen Schwankungen seit Kriegsbeginn entspreche.

Energie als Waffe

Die Sanktionierung der Gazprom-Germania-Töchter bedeute, dass Lieferverträge neu geschlossen werden müssten. "Diese Lieferverträge werden dann möglicherweise zu höheren Preisen geschlossen werden. Damit diese Preise erbracht werden können, braucht es finanzielle Garantien, und die werden wir geben."

Die Entwicklungen zeigten, dass Energie als Waffe genutzt werden könne. Die Voraussetzung dafür, dass Deutschland in Zukunft sicher sei, sei der Ausbau der erneuerbaren Energien, um den sich die Bundesregierung bemühe. Zuvor hatte Russland Sanktionen gegen die Firma Gazprom Germania und andere ehemalige Tochterunternehmen des russischen Gaskonzerns verhängt.

Habeck hält Gaslieferstopp für verkraftbar

Zuvor sagte Habeck der "Wirtschaftswoche", Deutschland könne nach seiner Einschätzung schon in diesem Winter einen Boykott russischer Gaslieferungen verkraften. "Wenn wir zum Jahreswechsel volle Speicher haben, wenn zwei der vier von uns angemieteten schwimmenden LNG-Tanker schon am Netz angeschlossen sind und wenn wir deutlich an Energie sparen, können wir im Fall eines Abrisses der russischen Gaslieferungen einigermaßen über den Winter kommen".

Zugleich plädierte Habeck erneut für Energiesparen. Weniger Verbrauch sei das A und O beim Gas, so der Vizekanzler. Wenn Industrie und Privatleute zehn Prozent des Verbrauchs einsparten, dann seien das die entscheidenden Prozente, um nicht in eine Notlage zu geraten, fuhr der Minister fort. "Da sollten alle mitmachen." Mehr Effizienz sei ein wesentlicher Hebel gegen Putin.

"Die Zeit läuft uns davon"

Die Dringlichkeit des Ausbaus erneuerbarer Energien hob Habeck in seiner Rede im Bundestag auch noch mal mit Blick auf die Klimaerwärmung hervor. Er wies bei der ersten Lesung seines Gesetzespaketes dazu darauf hin, dass in den nächsten fünf Jahren bei der Erderwärmung die 1,5-Grad-Marke mit großer Wahrscheinlichkeit überschritten wird und sagte: "Die Zeit läuft uns davon, sie läuft uns buchstäblich davon."

Habeck fügte hinzu, der Krieg und die Toten im Krieg in der Ukraine, das sei schlimm und furchtbar. "Aber Sie werden mitbekommen haben, dass an anderen Stellen der Erde Ernteausfälle, Hungersnot, Katastrophen drohen, weil die Erdatmosphäre sich in einem dramatischen Ausmaß erhitzt", so Habeck weiter. Deutschland habe die Chance, dagegen anzuarbeiten.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 12. Mai 2022 um 12:00 Uhr.