Die ehemalige EU-Kommissarin und Gewerkschafterin Monika Wulf-Mathies und WDR-Intendant Tom Buhrow | Bildquelle: dpa

Vorwürfe sexueller Belästigung Gutachterin fordert Kulturwandel im WDR

Stand: 12.09.2018 20:15 Uhr

Vier Monate hat die Beauftragte Wulf-Mathies für ihren Bericht zu Vorwürfen über sexuelle Belästigungen beim WDR gebraucht. Bei der Vorstellung ihrer Ergebnisse empfahl sie dem Sender einen Kulturwandel.

Angesichts von Vorwürfen sexueller Belästigung gegen einzelne WDR-Mitarbeiter bemängelt die externe Gutachterin Monika Wulf-Mathies eine fehlende Kultur gegenseitiger Wertschätzung bei dem Sender. Die frühere EU-Kommissarin und Ex-Gewerkschaftsvorsitzende forderte einen "Kulturwandel" im größten ARD-Sender. "Es hat sich sehr schnell gezeigt, dass das Thema sexuelle Belästigung nur die Spitze des Eisbergs ist, hinter dem sich Machtmissbrauch, vielfältige Diskriminierungserfahrungen und eine Unzufriedenheit mit dem Betriebsklima verbergen", sagte die SPD-Politikerin.

Es gehe nicht nur um die #MeToo-Debatte über sexuelle Belästigung, sondern um "strukturelle Defizite", sagte Wulf-Mathies. Im Westdeutschen Rundfunk fehle es an klaren Regeln und gegenseitiger Wertschätzung.

Wegen Belästigungsvorwürfen fristlos gekündigt

Wulf-Mathies stellte in Bonn ihren Abschlussbericht vor. Sie war von Intendant Tom Buhrow beauftragt worden, den Umgang des Senders mit den in der Öffentlichkeit bekanntgewordenen Fällen zu untersuchen. Die 76-Jährige nahm sich vier Monate Zeit dafür.

Der WDR hatte im Mai einem Mitarbeiter wegen Belästigungsvorwürfen fristlos gekündigt, mit einem anderen einigte sich der Sender außergerichtlich auf eine Trennung. Trotz aller Gleichstellungsbemühungen bestehe im WDR noch immer ein "strukturelles Machtgefälle zwischen in der Regel männlichen Chefs und weiblichen Untergebenen", kritisierte Wulf-Mathies. Das betreffe sicher nicht nur den WDR, sondern auch andere Medien- und Kulturinstitutionen.

WDR-Gebäude in Köln | Bildquelle: dpa
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WDR-Gebäude in Köln. Trotz aller Bemühungen bestehe ein "Machtgefälle zwischen in der Regel männlichen Chefs und weiblichen Untergebenen", so Wulf-Mathies.

Nährboden für Machtmissbrauch

Dass der WDR überhaupt bereit gewesen sei, sich so gründlich durchleuchten zu lassen, finde sie mutig. Die meisten bisher bekannt gewordenen Belästigungsfälle datierten noch aus den 1990er-Jahren. "Generell lässt sich sagen, dass bei diesen Fällen ein größerer Ermittlungseifer notwendig gewesen wäre", sagte Wulf-Mathies. Inzwischen reagiere der WDR aber sehr viel konsequenter und schneller.

Führungskräfte im WDR würden vor allem nach ihren journalistischen Fähigkeiten ausgesucht, aber nicht nach charakterlichen Eigenschaften. Die Frauen selbst hätten aufgrund des Betriebsklimas kein Vertrauen gehabt, sich an ihren Arbeitgeber zu wenden.

Wulf-Mathies regte unter anderem eine dauerhafte externe Beschwerdestelle und eine neue Dienstvereinbarung mit klaren Regeln gegen Machtmissbrauch an. Außerdem müsse der Arbeitgeber Vorwürfe "gründlich und proaktiv" untersuchen.  Die dezentralen Strukturen des WDR förderten Seilschaften und Abschottung, kritisierte sie. Im WDR bestehe ein starkes Machtgefälle nicht nur zwischen der Führungsebene und den Beschäftigten, sondern auch zwischen Festangestellten und freien Mitarbeitern. Das sei ein Nährboden für Machtmissbrauch. Es fehle ein wertschätzendes Betriebsklima.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 12. September 2018 um 17:00 Uhr.

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