Die Lufthansa und ihre Billigtochter Eurowings | Bildquelle: Matthias Kind/RB

Positionspapier Grüne für Zug statt Flug

Stand: 23.07.2019 16:18 Uhr

Die Grünen wollen das Bahnfahren attraktiver machen - so attraktiv, dass sich das Fliegen nicht mehr lohnt. Vor allem Inlandsflüge sollen so schnell wie möglich überflüssig werden, heißt es in einem Positionspapier.

Mit besseren Angeboten für Bahnreisende wollen die Grünen erreichen, dass weniger geflogen wird. In einem Positionspapier nimmt die Partei vor allem Inlandsflüge ins Visier: Angesichts der Klimakrise sei es höchste Zeit, Kurzstreckenflüge so schnell wie möglich überflüssig zu machen.

In dem Papier sprechen sich Verkehrs- und Klimapolitiker der Grünen-Bundestagsfraktion für eine "moderne, leistungsfähige und attraktive" Bahn aus. Bis 2035 wolle man die Bahn "auf nahezu allen innerdeutschen Strecken und ins benachbarte Ausland zur schnelleren, komfortableren und günstigeren Alternative machen".

Ein ICE fährt auf der Strecke Hannover - Göttingen an einem Schotterhaufen vorbei. | Bildquelle: dpa
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Mehr Züge, bessere Verbindungen, günstigere Tickets: Die Grünen wollen das Bahnfahren attraktiver als das Fliegen machen.

Mehr Geld für die Bahn

Nach dem Konzept der Grünen soll die Bahn jährlich drei Milliarden Euro bekommen, um das Schienennetz auszubauen. Ziel sei es, die Fahrzeit zwischen möglichst vielen Orten im Inland und ins benachbarte Ausland auf "maximal vier Stunden" zu senken. Dazu müssten vielerorts rasch Engpässe beseitigt werden. Außerdem fordern die Grünen mehr Züge in den Morgen- und Abendstunden, eine höhere Pünktlichkeit und besseres WLAN in den Zügen.

Um die Bahn zu fördern und die "klimaschädliche Subventionierung des Luftverkehrs zu beenden", schlagen die Grünen höhere Steuern fürs Fliegen vor. Neben einem CO2-Preis von 40 Euro je Tonne fordern die Grünen die Einführung der Kerosinsteuer für Inlandsflüge. Sie soll demnach schrittweise an den Steuersatz für Benzin angeglichen werden - aktuell 65 Cent je Liter.

Niedrigere Mehrwertsteuer

Entlastet werden soll dagegen die Bahn - und damit auch die Passiere: Bei der Bahn soll die Mehrwertsteuer nach Ansicht der Grünen von 19 auf sieben Prozent sinken. Auch Trassenpreise und Stromsteuer will die Partei senken.

Mit ihrem Konzept gehen die Grünen deutlich über die Vorstellungen von Bundesumweltministerin Svenja Schulze hinaus. Die SPD-Politikerin hatte vorgeschlagen, die bestehende Luftverkehrsteuer zu erhöhen.

Der bahnpolitische Sprecher der Grünen, Matthias Gastel, sagte im SWR, dass sich schon jetzt ein Teil der Inlandsflüge auf die Bahn verlagern ließen. So seien zehn Prozent der Passagiere am Stuttgarter Flughafen auf Strecken unterwegs, die sie in etwa der gleichen Zeit auch mit dem Zug erreichen könnten. "Schon jetzt gibt es einen kurzfristigen Verlagerungseffekt, wenn man es nur will."

FDP sieht falschen Ansatz

Kritik an den Vorstellungen der Grünen kam aus der FDP. "Fliegen ist zurzeit günstiger, weil es einen echten Wettbewerb um die Reisenden gibt", sagte Fraktionsvize Christian Dürr der Nachrichtenagentur AFP. Die Bahn müsse statt um die Gunst der Kunden leider um das Wohlwollen der Politik buhlen. "Viel nötiger als eine reduzierte Mehrwertsteuer braucht die Bahn private Eigentümer und echten Wettbewerb auf der Schiene", sagte Dürr.

Grüne wollen bis 2035 Inlandsflüge überflüssig machen
Nina Amin, RBB
23.07.2019 17:31 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 23. Juli 2019 um 09:00 Uhr.

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