Ein Polizeihubschrauber startet von einem Sportplatz und überfliegt abgestellte Polizeifahrzeuge.  | Bildquelle: dpa

Großfahndung im Schwarzwald Polizei sucht weiter nach Flüchtigem

Stand: 14.07.2020 15:41 Uhr

Zwei Tage, nachdem ein Mann im Schwarzwald vier Polizisten bedrohte und entwaffnete, fehlt weiter jede Spur. Hunderte Beamte suchen nach ihm. Den Ermittlern zufolge ist er ein "Waffennarr" - aber nicht rechtsradikal.

Der bewaffnete Räuber von Oppenau ist weiter auf der Flucht. Die Polizei setze die Suche nach ihm mit einem Großaufgebot fort, sagte eine Sprecherin. Unter anderem sind eine Spezialeinheit, eine Hundestaffel und Hubschrauber beteiligt. Die Deutsche Flugsicherung sperrte den Luftraum über der Gemeinde.

Laut Oberstaatsanwalt Herwig Schäfer ist der Mann "als Waffennarr einzustufen". Er sei aber nie in einem Schützenverein gewesen. Bereits 2010 sei es ihm untersagt worden, Waffen und Munition zu besitzen. Hinweise auf einen rechtsradikalen Hintergrund gebe es nicht. "Wir wissen nicht, was den Schuldigen bewogen hat, so zu handeln", sagte Schäfer.

In der Nacht hatte die Polizei ein Haus im Raum Offenburg überprüft, nachdem mehrere Hinweise auf den möglichen Aufenthaltsort des Flüchtigen eingegangen waren. Gefunden haben die Beamten dort jedoch nichts. Sie gehen aber weiter davon aus, dass er sich noch im Raum Oppenau aufhält.

Lob für die vier Polizisten

Der Mann ohne festen Wohnsitz hatte am Sonntag vier Polizisten in dem Ort im Schwarzwald bedroht und ihnen ihre Waffen abgenommen. Sie hatten ihn in einer Hütte am Waldrand kontrolliert. "Er war zu Beginn sehr kooperativ, was bedeutet, dass es für die Kollegen völlig unvorhersehbar war, dass er plötzlich eine Waffe zieht und alle vier in einen Lauf schauen mit gespanntem Bügel", sagte Polizeisprecher Yannik Hilger.

Die Beamten mussten ihre Pistolen auf den Boden legen. Anschließend flüchtete der 31-Jährige mit den Dienstwaffen in den Wald. Die Polizisten hätten alles richtig gemacht, bewertete Polizeipräsident Reinhard Renter die Situation. Nur durch ihr besonnenes Verhalten habe es keine Verletzten gegeben. Renter zeigte sich verärgert über Kommentare in sozialen Netzwerken, in denen sich Nutzer über die Polizisten lustig gemacht hatten. Niemand könne sich in eine solche Situation hineinversetzen. "Die Beamten hatten Angst um ihr Leben", so Oberstaatsanwalt Schäfer.

Bewaffnet mit Bogen, Messer und Pistolen

Der Mann, der wahrscheinlich Tarnkleidung trägt, war den Ermittlungen zufolge mit Pfeil und Bogen, einem Messer und einer Pistole bewaffnet. Er soll sich bereits vor Wochen einen Unterschlupf im Wald gesucht haben. Die Polizei geht daher davon aus, dass er sich in den Wäldern rund um die Stadt sehr gut auskennt, sich sicher bewegt und dort allein zurecht kommt. Der Flüchtige sehe sich als "Waldläufer", sagte Schäfer.

Schulen wieder geöffnet

Die Menschen in der 4800-Einwohner-Stadt Oppenau wurden aufgefordert, möglichst zu Hause zu bleiben. Eine Ermittlungsrichterin beim Amtsgericht Offenburg erließ einen Untersuchungshaftbefehl unter anderem wegen des dringenden Verdachts der besonders schweren räuberischen Erpressung.

Nachdem die Schulen am Montag geschlossen waren, öffneten sie heute wieder. "Der Ort soll wieder zur Normalität zurückfinden", sagte Bürgermeister Uwe Gaiser. Mit der Polizei sei ein Sicherheitskonzept abgestimmt worden. Eltern dürften aber selbst entscheiden, ob sie ihre Kinder in die Schule schicken wollten oder nicht.

Über dieses Thema berichtete der SWR in SWR extra am 13. Juli 2020 um 20:15 Uhr.

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