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Klimawandel und Unwettergefahr Manche Flächen sind nicht mehr besiedelbar

Stand: 13.07.2022 07:28 Uhr

Deutschlands oberster Bevölkerungsschützer rät dazu, nicht mehr überall im Land zu leben. Manche Flächen seien durch den Klimawandel und Unwetter zu bedroht. BBK-Chef Tiesler fordert zudem ein neues Krisenbewusstsein.

Krieg gegen die Ukraine, Corona-Sommerwelle, Inflation und allgemeine Zukunftssorgen: An Krisen mangelt es derzeit wahrlich nicht. Dazu kommt nun eine alarmierende Warnung des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK).

"Als Bevölkerungsschützer sage ich, dass manche Flächen aufgrund des Klimawandels und der akuten Bedrohung durch Unwetterkatastrophen und Flutkatastrophen nicht wiederbesiedelt werden sollten. Auch an den Küsten stellt sich diese Frage", sagte Ralph Tiesler, der Präsident des BBK den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

BBK-Chef fordert Krisenbewusstsein

Er schließt nicht aus, dass es zukünftig Klimaflüchtlinge innerhalb Deutschlands geben könnte. "Ob Menschen tatsächlich aus einzelnen Regionen Deutschlands in andere Landesteile fliehen müssen, lässt sich heute nicht sagen." Es gebe keinen Ort in Deutschland, bei dem man nicht genau hingucken müsse.

Er sprach von einer Häufung von Krisen. "Fest steht, dass wir in immer unsicheren Zeiten leben." Auch deshalb plädierte der Behördenleiter für ein neues Krisenbewusstsein in der Bevölkerung. "Der Krisenmodus muss jetzt zum allgemeinen Bewusstsein dazugehören, wir müssen lernen, dass die Krise zum Alltag gehört", sagte Tiesler.

In Deutschland liegt der Katastrophenschutz in der Verantwortung der Länder. Um Vorkehrungen für den Bevölkerungsschutz im Kriegsfall kümmert sich der Bund. Er kann die Länder und Kommunen im Katastrophenfall auf Anfrage unterstützen.

Kabinett berät "Resilienzstrategie"

Auch die Bundesregierung befasst sich mit dem Thema. Heute berät das Kabinett über eine "Resilienzstrategie". Ziel der darin niedergelegten Vorgaben ist es, "Menschen und ihre Existenzgrundlagen zu schützen sowie die Widerstands- und Anpassungsfähigkeit des Gemeinwesens gegenüber Katastrophen zu stärken", zitiert die Nachrichtenagentur dpa aus der Vorlage.

Bestehende Strukturen und Systeme sollten durch neue oder verbesserte Maßnahmen im Katastrophenrisikomanagement ergänzt oder miteinander verknüpft werden. Dabei sollten auch nicht-staatliche Akteure eingebunden werden, wie etwa die vor allem auf ehrenamtlichem Engagement basierenden Hilfsorganisationen.

Die Strategie hat nicht nur Deutschland im Blick, sondern nimmt auch entwicklungspolitische Beiträge zur Resilienz in anderen Teilen der Welt in den Blick.

"Iosif" bringt viel Hitze mit

Ganz akut steht Deutschland vor einer neuen Hitzewelle. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) prognostiziert für heute und morgen im Südwesten des Landes Höchstwerte von bis zu 34 Grad Celsius.

Auch in anderen Teilen des Landes sorgt das Hoch "Iosif" für Schweißausbrüche. Es sind Höchstwerte zwischen 25 und 31 Grad vorhergesagt. Lediglich an den Küsten wird es den Prognosen zufolge am Mittwoch mit 19 bis 24 Grad nicht ganz so warm.

Das Wochenende bringt im Norden Abkühlung, bevor die Hitze zum Start in die neue Woche von Frankreich her einen neuen Anlauf wagt, so der DWD.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 13. Juli 2022 um 07:00 Uhr.