Das Opernhaus im Staatstheater Nürnberg  | dpa

Corona-Hilfspaket des Bundes 2,5 Milliarden Euro für die Kultur

Stand: 26.05.2021 16:05 Uhr

Der Bund will der Kulturbranche mit bis zu 2,5 Milliarden Euro wieder auf die Beine helfen. Das Kabinett beschloss einen Kulturfonds, der die Risiken bei der Planung von Veranstaltungen finanziell absichern soll.

Der Bund will Kulturveranstaltungen in der Pandemie mit zusätzlichen 2,5 Milliarden Euro unterstützen. Das Bundeskabinett beschloss die Einrichtung eines entsprechenden Sonderfonds. Laut Bundesfinanzminister Olaf Scholz handelt es sich um das größte Kulturförderprogramm seit Gründung der Bundesrepublik.

Gemeinsam mit Kulturstaatsministerin Monika Grütters gab der SPD-Politker das Ziel aus, die vielfältige Kulturlandschaft in Deutschland "buchstäblich wieder zum Leben zu erwecken". Ziel des Fonds sei es, das finanzielle Risiko einer Absage oder Verschiebung abzusichern. "Wir wollen Mut verbreiten in der Kultur", sagte Scholz. "Damit stellen wir sicher, dass bald wieder Theateraufführungen, Konzerte, Lesungen und Kino-Vorstellungen stattfinden können."

Der Fonds solle Mut machen, wieder Veranstaltungen zu planen auch für die Zeit, in der die Corona-Beschränkungen weiter zurückgefahren würden, sagte Scholz. Die Kultur sei durch die Pandemie so stark in Mitleidenschaft gezogen worden wie kaum eine andere Branche. Die vergangenen Tage mit Öffnungsschritten bei den Beschränkungen bundesweit seien Belege, dass es vorangehe: "Das Leben geht nach dem langen Corona-Winter langsam wieder los."

Ticketzuschüsse und Ausfallversicherung

Der Fonds sieht zum einen Wirtschaftlichkeitshilfen für Veranstaltungen vor, bei denen die Zuschauerzahl coronabedingt noch reduziert werden muss. Wegen dieser Einschränkung wären viele Kultur-Events eigentlich unwirtschaftlich - etwa Konzerte, Theateraufführungen und Kinovorstellungen. Der Bund will deshalb ab Anfang Juli einen Aufschlag auf verkaufte Tickets zahlen, um damit geringere Einnahmen durch beschränkte Besucherzahlen auszugleichen. Dafür seien 1,9 Milliarden Euro in diesem Jahr vorgesehen, hieß es. Das Geld fließe aber erst nach Ablauf der Veranstaltungen, da die Zahl der verkauften Tickets maßgeblich sei.

Die Hilfen sollen ab dem 1. Juli für Veranstaltungen mit bis zu 500 Teilnehmern und ab dem 1. August für Veranstaltungen mit maximal 2000 Teilnehmern ausgezahlt werden. Die maximale Fördersumme beträgt 100.000 Euro pro Veranstaltung.

Als zweites Element ist eine Ausfallversicherung für die Planung größerer Veranstaltungen ab 2000 Teilnehmern vorgesehen. Hier geht es etwa um große Kulturfestivals und um Konzerttourneen, denen jeweils eine lange Planungsphase vorangeht. Bei coronabedingten Absagen, Teilabsagen oder Verschiebungen übernimmt der Bund dann einen Teil der Ausfallkosten. Für die Ausfallversicherung für Großveranstaltungen stünden 600 Millionen Euro bereit. Die Entschädigungssumme sei hierbei pro Veranstaltung auf acht Millionen Euro gedeckelt.

Länder sollen Anträge prüfen

Scholz äußerte sich "ganz zuversichtlich, dass es auch zügig losgehen kann". Details der Umsetzung seien noch mit den Ländern zu klären, die laut Grütters die aufwendige Arbeit hätten, die Glaubwürdigkeit der Antragsteller wie auch die Abrechnung zu prüfen. Eigenes Geld müssten die Länder nicht geben. Hamburg stelle die Antragsplattform bereit, während in Nordrhein-Westfalen Hotline und Beschwerdemanagement angesiedelt seien.

"Die Wiederbelebung des kulturellen Lebens verdient dieselben Anstrengungen, die auch anderen Branchen zuteil werden", sagte Grütters. "Die Sehnsucht nach Kulturgenuss ist gewaltig - beim Publikum, vor allem aber bei den Künstlerinnen, Künstlern und Kreativen, die endlich wieder zum Einsatz kommen wollen." Grütters verwies darauf, dass der Bund nach den bereits aufgelegten Förderprogrammen für die Kultur mit dem Sonderfonds nun auch einen Teil des wirtschaftlichen Risikos übernehme. Die CDU-Politikerin sprach von einem ganz notwendigen Signal der Zuversicht: "Das ist wirklich ein Geschenk an die Kultur in ganz Deutschland."

Über das Hilfsprogramm "Neustart Kultur" hatte die Bundesregierung bereits zwei Milliarden Euro an Corona-Hilfen für den Kulturbereich zur Verfügung gestellt. Mit der sogenannten Überbrückungshilfe III werden zudem Solo-Selbstständige unterstützt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. Mai 2021 um 15:00 Uhr.