Die Deutsche und die Polnische Flagge | dpa

Gedenkstätte für NS-Opfer in Polen Ort des Erinnerns und der Begegnung

Stand: 15.09.2021 14:05 Uhr

Außenminister Maas hat das Konzept für eine NS-Gedenkstätte in Berlin vorgestellt. Im Zentrum des Erinnerungsortes soll ein Denkmal für die Opfer des Zweiten Weltkriegs und der nationalsozialistischen Besatzung in Polen entstehen.

Eine deutsch-polnische Expertenkommission hat ihr Konzept für den in Berlin geplanten Ort des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus in Polen vorgelegt. Der geplante Ort des Erinnerns und der Begegnung mit Polen sei "fundamental wichtig", sagte Bundesaußenminister Heiko Maas bei der Vorstellung des Konzepts in Berlin. "Als Geste an die polnischen Opfer - und als ein Schritt, der die Erinnerungskulturen unserer Länder einander näherbringt."

Der Ort soll sich auf zwei Wesenskerne stützen: das Erinnern sowie Bildung und Begegnung. Im Zentrum soll demnach ein Denkmal für die Opfer des Zweiten Weltkriegs und der nationalsozialistischen Besatzung in Polen stehen. "Es ehrt ihre Leben, ihren Widerstand und ihren Mut", so der SPD-Politiker.

Zudem sollen Ausstellungen die deutsche Besatzung und die deutsch-polnischen Beziehungen beleuchten. Daneben sollen Menschen aus Deutschland und Polen durch Bildungsangebote, Konferenzen und Zeitzeugengespräche zusammengebracht werden. "Denn Erinnern braucht historisches Wissen", sagte Maas.

Heiko Maas | AFP

"Denn Erinnern braucht historisches Wissen", sagte Bundesaußenminister Maas. Bild: AFP

Grundsteinlegung nach der Bundestagswahl

Als geeigneten Orte schlug die Kommission, der deutsche und polnische Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft angehören, das Gelände der ehemaligen Kroll-Oper südlich des Bundeskanzleramts im Tiergarten sowie das Grundstück neben der Ruine des Anhalter Bahnhofs am Askanischen Platz in Berlin vor.

Das Auswärtige Amt hat nach Angaben der Expertenkommission eine Anschubfinanzierung in Höhe von 200.000 Euro für das Haushaltsjahr 2022 zugesagt. Nach der Bundestagswahl muss der neue Bundestag über das Konzept entscheiden. Nach einem Architekturwettbewerb soll dann in der kommenden Legislaturperiode der Grundstein gelegt werden.

Vorhaben Teil des künftigen Koalitionsvertrages

Maas zeigte sich überzeugt, dass der Gedenkort zu einem Fixpunkt werden könne - "physisch: im Zentrum Berlins; und geistig: in der Gedenkkultur unserer Gesellschaft". Der Minister unterstützte die Empfehlung der Kommission, die Umsetzung des Vorhabens in den künftigen Koalitionsvertrag aufzunehmen.

Seit mehreren Jahren gibt es eine Debatte über angemessene Formen des Gedenkens an die Opfer der NS-Vernichtungskriege vor allem im Osten Europas. Dazu gab es mehrere Vorstöße. Der Bundestag hatte sich im vergangenen Oktober dann mit breiter Mehrheit für die Errichtung des Gedenkortes ausgesprochen. Das Projekt war jahrelang kontrovers diskutiert worden. Kritiker warnten vor einer Nationalisierung des Gedenkens. Sie befürchteten, dass andere NS-Opfer in den Hintergrund rücken könnten.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 15. September 2021 um 13:00 Uhr.