Menschen während der Trauerandacht am Frankfurter Hauptbahnhof | Bildquelle: dpa

Frankfurter Hauptbahnhof Andacht für getöteten Jungen

Stand: 30.07.2019 21:43 Uhr

Am Frankfurter Hauptbahnhof haben Hunderte Menschen des getöteten Achtjährigen gedacht. Kirchenvertreter warnten vor Hass und mahnten zum Zusammenhalt. Zuvor waren aus der Schweiz weitere Erkenntnisse bekannt geworden.

Nach der Attacke im Frankfurter Hauptbahnhof haben rund 400 Menschen mit einer Andacht an den getöteten achtjährigen Jungen erinnert. "Wir können nicht glauben, dass ein Leben sinnlos abbricht, das gerade erst begonnen hat", sagte der Leiter der ökumenisch geführten Bahnhofsmission, Carsten Baumann. Der Tod des Kindes sei eine "sinnlose Katastrophe". Die Tat werde von einigen Menschen nun in den sozialen Medien genutzt, um die Spaltung der Gesellschaft weiter voranzutreiben. Er hoffe, "dass der Hass nicht verfängt, den einige bereits gestern Abend im Netz geäußert haben", so Baumann.

Ursprünglich hatte die Andacht in der Bahnhofshalle stattfinden sollen, wegen des erwarteten Andrangs wurde sie aber auf den Vorplatz verlegt. "Wir dürfen nicht zulassen, dass jetzt Gedanken von Hass um sich greifen", sagte die Pfarrerin der Evangelischen Hoffnungsgemeinde, Jutta Jekel. Jetzt gelte es, bei den Opfern zu stehen. "Es geht darum, dass wir zusammenhalten, dass wir uns nicht hinreißen lassen von Wut und Gewalt."

Zwei Mahnwachen politischer Gruppen

Auch Oberbürgermeister Peter Feldmann verurteilte die Tat aufs Schärfste. "Wir wollen, dass dieses Verbrechen aufgeklärt wird", sagte der SPD-Politiker. Der Täter müsse seine gerechte Strafe erhalten. "Diese Tat, dieses Verbrechen widerspricht allem, wofür Frankfurt steht", so Feldmann. Gleichzeitig warnte auch er davor, das Verbrechen für politische Interessen zu missbrauchen. Die Antwort auf die Tat könne "nicht sein, dass wir die Gebote unserer Religion verlassen und den Weg des Hasses gehen".

Neben dem Gottesdienst gab es auf dem Bahnhofsvorplatz zwei Mahnwachen unterschiedlicher politischer Gruppierungen. "Es gab einige hitzige Diskussionen, aber niemand ist den anderen angegangen", sagte ein Sprecher der Frankfurter Polizei. Die Andacht selbst sei ruhig verlaufen.

Am Montagvormittag hatte ein Mann den Achtjährigen und dessen Mutter vor einen einfahrenden ICE aufs Gleis gestoßen. Der Junge wurde von dem Zug überrollt und starb, die Mutter konnte sich retten. Eine dritte Person, die der Täter ebenfalls ins Gleisbett stoßen wollte, brachte sich in Sicherheit. Der Tatverdächtige wurde kurz darauf festgenommen. Es handelt sich um einen 40-jährigen Familienvater mit eritreischer Staatsangehörigkeit aus dem Kanton Zürich. Gegen ihn wurde Haftbefehl erlassen.

Karl-Peter Naumann, Fahrgastverband Pro Bahn, zur Sicherheit an deutschen Bahnsteigen
tagesschau24 15:00 Uhr, 30.07.2019

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Mann wurde seit Tagen in der Schweiz gesucht

Am Nachmittag hatten die Sicherheitsbehörden und Bundesinnenminister Horst Seehofer neue Details zu dem Fall bekanntgegeben. Wie Bundespolizeipräsident Dieter Romann mitteilte, war der Tatverdächtige in der Schweiz bereits seit mehreren Tagen zur Festnahme ausgeschrieben. Der Mann habe am vergangenen Donnerstag seine Nachbarin mit einem Messer bedroht, sie eingesperrt und sei dann geflohen.

Zuvor allerdings habe der Mann als gut integriert gegolten. Nachdem er im Jahr 2006 illegal in die Schweiz eingereist war, wurde ihm dort 2008 Asyl gewährt. Er sei einer festen Arbeit nachgegangen - "aus Sicht der Ausländer- und Asylbehörden in der Schweiz vorbildlich", so Romann. Zu einem möglichen Motiv konnten die deutschen Behörden keine Angaben machen.

Tatverdächtiger seit Monaten krankgeschrieben

Auch in Zürich informierten die Schweizer Ermittler über ihre ersten Ergebnisse. Der Tatverdächtige lebte demnach zurückgezogen mit Frau und Kindern im 25.000-Einwohner-Städtchen Wädenswil bei Zürich und war Mitglied der christlich-orthodoxen Glaubensgemeinschaft. Bis Januar dieses Jahres habe er bei den Verkehrsbetrieben Zürich gearbeitet. Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund der Tat gebe es nicht, sagte Bruno Keller, der stellvertretende Kommandant der Kantonspolizei Zürich. "Die polizeilichen Ermittlungen und eine erfolgte Hausdurchsuchung ergaben keine Hinweise auf eine Radikalisierung oder auf ein ideologisches Motiv des Täters."

Auch wenn die Ermittlungen und Analysen noch nicht abgeschlossen seien, so könne man bereits sagen, dass der Mann unter psychischen Problemen gelitten habe. Er sei im Jahr 2019 in psychiatrischer Behandlung gewesen. Zum genauen Grund könne man nichts mitteilen. Allerdings war der Mann sei seit Monaten krankgeschrieben.

Auch Ehefrau und Kinder eingeschlossen

Während die deutschen Behörden von mehreren Delikten im Vorfeld sprachen, hieß es bei der Schweizer Pressekonferenz, dass der 40-Jährige bis letzte Woche lediglich wegen eines geringfügigen Verkehrsdelikts aktenkundig geworden sei. Am letzten Donnerstag sei es aber zu einem ersten Gewaltausbruch gekommen, sagte Werner Schmid, der Chef der Regionalpolizei: "Aktueller Ermittlungsstand ist, dass der Ehemann seine Frau, die drei gemeinsamen Kleinkinder im Alter von ein, drei und vier Jahren sowie eine Nachbarin eingeschlossen hatte. Zudem hatte er zuvor die Nachbarin tätlich angegangen und sie verbal sowie mit einem Messer bedroht." Beide Frauen hätten übereinstimmend ausgesagt, dass sie den Mann noch nie so erlebt hätten, erklärte ein Polizeisprecher.

Beim Eintreffen der Beamten war der 40-Jährige bereits geflohen. Er wurde daraufhin landesweit zur Fahndung ausgeschrieben, allerdings nicht öffentlich. Man sei von einem Delikt häuslicher Gewalt ausgegangen, wie es sie zu Dutzenden in der Region gebe. Wie der Mann trotz der Fahndung von der Schweiz nach Deutschland gekommen ist, sei Gegenstand von Ermittlungen, hieß es.

Mit Informationen von Dietrich Karl Mäurer, ARD-Studio Zürich

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. Juli 2019 um 21:00 Uhr.

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