Zahlreiche Menschen stehen in einer Schlange vor dem Abstrichzentrum für abfliegende Passagiere im Frankfurter Flughafengebäude "The Squaire"  | dpa

Einreiseverbot aus Großbritannien Hunderte an Flughäfen gestrandet

Stand: 21.12.2020 11:01 Uhr

Wegen der Einreiseverbote aus Großbritannien sind Hunderte Passagiere an deutschen Flughäfen gestrandet. Sie warten auf Corona-Tests. In Hannover gab es bereits einen positiven Fund - ob es sich um das mutierte Virus handelt, ist unklar.

Rund 120 Passagiere aus Großbritannien mussten die Nacht zum Montag im Transitbereich des Frankfurter Flughafens verbringen. Grund dafür waren die seit heute geltenden Landeverbote für aus Großbritannien kommende Flugzeuge. Dort war eine besonders ansteckende Variante des Coronavirus aufgetreten. Betroffen waren nach Angaben des Flughafens insgesamt fünf Flüge.

Übernachtung im Transitbereich

Noch am Gate wurden die Fluggäste in zwei Gruppen unterteilt, wie ein Sprecher der Bundespolizei berichtete. Deutsche Staatsbürger konnten den Flughafen direkt verlassen, müssen sich aber in eine mindestens fünftägige Quarantäne begeben und testen lassen.

Alle Reisenden mit ausländischem Pass mussten im Transitbereich einen Coronatest vornehmen lassen. Dort war ein Testcenter eingerichtet worden. Obwohl mit dem Betreiber längere Öffnungszeiten vereinbart worden waren, konnten nicht alle Reisenden getestet werden beziehungsweise ihr Ergebnis erfahren und mussten die Nacht daher auf dem Flughafen verbringen. Am Montagmorgen waren nach Angaben der Bundespolizei noch knapp 100 Reisende betroffen, die nach ihrem Test nun noch auf das Ergebnis warteten.

Vier Flüge in Berlin betroffen

Am Berliner Hauptstadtflughafen in Schönefeld warten mehr als 70 Passagiere auf eine Klärung durch einen Corona-Test. Dabei handelt es sich überwiegend um polnische Staatsbürger, wie eine Sprecherin der Bundespolizeidirektion Berlin sagte. Betroffen waren demnach am Sonntag vier Flüge aus Großbritannien. Für die Reisenden seien Feldbetten aufgestellt worden. Wer nicht die deutsche Staatsangehörigkeit hat oder keinen festen Wohnsitz in Berlin hat, muss demnach zur Einreise einen negativen Test vorlegen.

Positiver Test in Hannover

In Hannover gab es bei den Untersuchungen einen positiven Befund. Nach einem Zwangsaufenthalt für 62 Passagiere aus Großbritannien wurde bei einem Fluggast das Coronavirus nachgewiesen. Weitere Labortests sollen nun klären, ob der Passagier sich mit der neuen, besonders ansteckenden Variante infiziert habe, teilte die Region Hannover mit. Der betroffene Fluggast und die Begleitpersonen würden nun in einem Quarantäne-Transport zu ihrem Zielort gebracht. Dort müssten sie separiert werden.

Auch zahlreiche andere Länder hatten am Sonntag Flugverbote oder Grenzschließungen zum Vereinigten Königreich verkündet, darunter Italien, die Niederlande, Belgien, Bulgarien und Irland. Frankreich verhängte sogar ein Einreiseverbot auf dem Luft-, See- und Landweg. 

Krisensitzung in London

Großbritanniens Premierminister Boris Johnson berief unter anderem deshalb eine Krisensitzung seines Kabinetts ein. Bei dem Treffen werde es um die "Situation bezüglich des internationalen Verkehrs", insbesondere des Frachtverkehrs, gehen, sagte ein Regierungssprecher in London.

Johnson hatte einen verschärften Lockdown in England über die Weihnachtszeit mit der Entdeckung der Virus-Mutation begründet. Seinen Angaben zufolge ist die Corona-Mutation um 70 Prozent ansteckender als die Ursprungsvariante. Großbritanniens Gesundheitsminister Mark Hancock sagte im Sender Sky News, die neue Mutation sei "außer Kontrolle". 

Auch die deutsche EU-Ratspräsidentschaft lud zu einem Krisentreffen für Montag ein, auf dem die EU-Länder eine gemeinsame Reaktion auf die neue Corona-Variante untereinander abstimmen sollen.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 21. Dezember 2020 um 11:05 Uhr.

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Moderation 21.12.2020 • 16:06 Uhr

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