Ein ausgebranntes Haus, davor steht ein Schild: "Deutsches Rotes Kreuz, Flüchtlingsunterkunft" | REUTERS

Abgebrannte Flüchtlingsunterkunft Polizei vermutet politischen Hintergrund

Stand: 20.10.2022 12:32 Uhr

Nach dem Brand einer Unterkunft für Geflüchtete aus der Ukraine in Mecklenburg-Vorpommern ermittelt nun der Staatsschutz. Die Behörden gehen von Brandstiftung aus und vermuten einen politischen Hintergrund.

Die Polizei geht von einem politischen Hintergrund für den Brand in einer Unterkunft für ukrainische Flüchtlinge in Groß Strömkendorf in Mecklenburg-Vorpommern aus. Der Staatsschutz habe die Ermittlungen übernommen, teilte das Polizeipräsidium Rostock mit. Unterstützt werde die Ermittlungsgruppe von Kräften des Kriminalkommissariats Wismar.

Das ehemalige Hotel brannte am späten Mittwochabend nieder. Zu dem Zeitpunkt befanden sich den Angaben zufolge 14 Geflüchtete überwiegend ukrainischer Herkunft und drei Mitarbeiter in dem reetgedeckten Gebäude. Verletzt wurde niemand.

Sachverständiger soll Brandursache ermitteln

Ein Brandursachenermittler wurde eingeschaltet. Das Feuer soll seinen Ursprung an der Außenseite des Gebäudes haben. Gegen 21:20 Uhr schlug nach Angaben des Landkreises ein Alarmsignal in der Einrichtung an. Der Leiter habe das entsprechende Stockwerk sofort überprüft. Er sei von Passanten auf Flammen an der rechten Vorderseite des reetgedeckten Daches aufmerksam gemacht worden. Während die Feuerwehr verständigt wurde, bekämpften demnach Mitarbeiter der Einrichtung und einige der Passanten den Brand mit Feuerlöschern.

Die Feuerwehren der umliegenden Orte seien wenig später vor Ort gewesen. Die knapp 120 Einsatzkräfte hätten sich jedoch darauf konzentrieren müssen, ein Übergreifen der Flammen auf umliegende Gebäude zu verhindern und das Gebäude kontrolliert abbrennen zu lassen.

Schwesig: "Hetze und Gewalt dulden wir nicht!"

Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Christian Pegel wies bei einem Besuch am Brandort darauf hin, dass am Montag Hakenkreuz-Schmierereien an dem Gebäude entdeckt worden seien. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig schrieb auf Twitter: "Menschen, die vor Krieg flüchten, brauchen unseren Schutz und unsere Unterstützung. Hetze und Gewalt dulden wir nicht!" Mit Entsetzen reagierte Bundesinnenministerin Nancy Faeser auf den Brand. "Menschen, die vor Putins Krieg bei uns in Deutschland Schutz gefunden haben, mussten aus den Flammen gerettet werden", sagte die SPD-Politikerin. Alle Hintergründe müssten nun geklärt werden. Faeser dankte den Einsatzkräften, dass sie alle Menschen aus dem Haus retten konnten. Es "ist ein großes Glück, dass alle unverletzt blieben", sagte die Ministerin.

Auch der Vizepräsident des Polizeipräsidiums Rostock, Michael Peters, zeigte sich bestürzt. "Jeder Angriff auf Flüchtlinge oder deren Unterkünfte ist auch eine Attacke auf unsere Grundwerte. Ein solcher Angriff ist erschütternd und nicht hinnehmbar gleichermaßen", erklärte er. Die Ermittlungen zu dem Feuer hätten oberste Priorität.

Völlig zerstörte Unterkunft

Durch den Brand ist die Unterkunft fast vollständig zerstört worden. Den Sachschaden schätzt die Polizei nach ersten Ermittlungen auf mindestens eine höhere sechsstellige Summe. Die Bewohnerinnen und Bewohner seien unmittelbar nach dem Brand in eine andere Einrichtung verlegt worden, sagte der Sprecher des Landkreises.

Karte: Groß Strömkendorf in Mecklenburg-Vorpommern

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 20. Oktober 2022 um 12:45 Uhr.