Kinder sitzen auf einer Wiese vor einem Flüchtlingsheim. | Bildquelle: dpa

Erster Rückgang seit 2011 In Deutschland leben weniger Flüchtlinge

Stand: 05.10.2020 07:54 Uhr

Die Zahl der Flüchtlinge in Deutschland ist laut Bundesinnenministerium erstmals seit neun Jahren gesunken. Viele Menschen hätten ihren Schutzstatus verloren, ein großer Teil von ihnen sei ausgereist.

Erstmals seit neun Jahren ist die Zahl der in Deutschland lebenden Flüchtlinge zurückgegangen. Mitte dieses Jahres lebten 1,77 Millionen Flüchtlinge mit unterschiedlichem Aufenthaltsstatus in Deutschland und damit etwa 62.000 weniger als noch Ende 2019. Das geht aus einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage der Linksfraktion hervor, die der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vorliegt.

Derzeit leben laut dem Bericht etwa 1,31 Millionen Flüchtlinge mit gesichertem Aufenthalt in Deutschland - das sind etwa 50.000 weniger als im vergangenen Halbjahr. Gut 450.000 Menschen halten sich als Asylsuchende oder Geduldete im Bundesgebiet auf - 15.000 weniger als im Vorjahr.

Viele Flüchtlinge verlieren Schutzstatus

Das Bundesinnenministerium teilte dem Medienbericht zufolge mit, der aktuelle Rückgang sei hauptsächlich dadurch zu erklären, dass der Schutzstatus der Personen widerrufen oder zurückgenommen worden oder erloschen sei. Ein "erheblicher Anteil" der Betroffenen halte sich nicht mehr im Bundesgebiet auf, sei also ausgereist, sagte eine Sprecherin.

Scharfe Kritik an Seehofer

Die Linken-Bundestagsabgeordnete Ulla Jelpke kritisierte die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung scharf: "Wir haben Platz, die Zahlen zeigen es. Zugleich sitzen Zehntausende Schutzsuchende unter unwürdigen Bedingungen in den europäischen Erstaufnahmestaaten fest", sagte sie der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Deutschland "als reiches Land in der Mitte Europas" dürfe sich seiner Verantwortung für den Flüchtlingsschutz nicht entziehen, indem es sich "hinter europäischen Stacheldrähten, Hotspot-Lagern und Zurückweisungspraktiken der Mitgliedstaaten mit EU-Außengrenzen" verschanze.

Bundesinnenminister Horst Seehofer hatte kürzlich im Bundestag erklärt, die Bundesregierung arbeite daran, zügig weitere Migranten aus dem abgebrannten griechischen Flüchtlingslager Moria aufzunehmen. Zugleich sagte er mit Blick auf die Zahl neuer Flüchtlinge: "Wir nähern uns wieder den Höchstzahlen der Vergangenheit". Angesichts der Statistik seines Ministeriums kritisierte Jelpke: "Nichts ist falscher als das."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. Oktober 2020 um 06:00 Uhr.

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