Linda Teuteberg | Bildquelle: HAYOUNG JEON/EPA-EFE/REX

Generalsekretärin Teuteberg Ein Ton, der der FDP bislang fehlte

Stand: 27.04.2019 14:38 Uhr

Es war ihre erste Rede als neue Generalsekretärin: Mit einem Mix aus sozialen Themen und traditioneller FDP-Rhetorik versuchte Linda Teuteberg, die Delegierten zu überzeugen.

Eine Analyse von Marie von Mallinckrodt, ARD-Hauptstadtstudio

Linda Teuteberg lächelt kontrolliert, als sich am Ende ihrer Rede die Delegierten von ihren Plätzen erheben und stehend applaudieren. Die 38-Jährige zeigt ihre Freude über die offensichtliche Zustimmung - aber nur zurückhaltend. Und erwähnt dann die Arbeit, die noch vor der Partei liegt - und auch vor ihr, der Juristin und Bundestagsabgeordneten, die in den vergangenen Wochen immer wieder auch als "eine Frau aus Ostdeutschland" in einer eher männerdominierten Partei wahrgenommen wurde.

Dieses Image als "Quotenfrau" in einer quotenfreien Partei gilt es auch für sie zu überwinden. Die vielen Herausforderungen für die FDP, die Linda Teuteberg in ihrer Rede sehr umfassend skizziert, verbindet sie gleich zu Beginn mit ihrer eigenen Biografie. Im Jahr des Mauerfalls war die in Königs Wusterhausen geborene Brandenburgerin acht Jahre alt.

Mit welchen Themen FDP-Generalsekretärin Teuteberg punkten will
tagesthemen 23:30 Uhr, 27.04.2019, Anke Hahn, ARD Berlin

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Auf die Kraft der Freiheit setzen

1989 sicher geglaubte Freiheiten der Demokratie seien heute wieder umkämpft - und darum gehe es für die FDP: Man müsse auf die Kraft der Freiheit setzen in einer sich wandelnden Zeit, in der es einen neuen Systemwettbewerb gebe. Und dann folgt ein ganzer Reigen an Forderungen und Vorstellungen: die Einhaltung des Aufstiegsversprechens der sozialen Marktwirtschaft, die Stärkung des Rechtsstaats und ein einfühlsamerer Umgang mit jenen Menschen, die in Ostdeutschland leben und die Systemwandel miterlebt haben.

Sie schlägt den Ton an, der der FDP bislang fehlt: Da ist mehr Einfühlungsvermögen. Auch spricht sie über soziale Themen, mehrmals in ihrer Rede, etwa Pflege oder Altersarmut. Ihre große Schwäche, so sagte Linda Teuteberg bei ihrer Vorstellung in der Parteizentrale vergangene Woche, sei vielleicht manchmal ein bisschen Perfektionismus.

Etwas ambitioniert

Mitunter wirkt die Rede tatsächlich ein wenig sehr alles-mit-drin-haben-wollend und ambitioniert, vor allem aber scheint sie die Delegierten mit ihren Argumenten zur Wiederbelebung des liberalen Gedanken zu begeistern: offenere Debatten über große Zukunftsthemen, nicht steuern, verwalten und regulieren, sondern Freiheiten und Sicherheiten schaffen.

Als Generalsekretärin braucht sie mehr als die Fähigkeit zu stabilen Perfektionismus-Ambitionen. Es braucht gewiss auch Begeisterungsfähigkeit. Für ihre Partei scheint sie heute den richtigen Ton getroffen zu haben.

Ihre FDP-Karriere begann, so erzählte sie gestern, mit einem Interview in den 90er-Jahren, das sie für ihre Schülerzeitung mit dem damaligen FDP-Außenminister Klaus Kinkel führte.

Die berühmte Ruck-Rede des damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog habe sie selber in Bewegung gesetzt, so sagt sie. 1998 wurde sie Mitglied der Jungen Liberalen, im Jahr 2000 trat sie in die FDP ein. In Brandenburg sei das damals keine Massenbewegung gewesen. In den Bundestag kam sie erstmals 2017.

Von Lindner unabhängig?

Teuteberg ist jemand, die sich unabhängig macht und eigene Ziele und Wertvorstellungen hat. Ob sie sich auch neben Christian Lindner zu einer unabhängigen, eigensinnigen Generalsekretärin entwickelt, ist sicher eine der spannenden Fragen der nächsten Wochen und Monate.

Immerhin geht es für die Partei auch darum, sich nun weiterzuentwickeln, nachdem sie aus dem Nichts wiederauferstanden ist: Die Inhalte, die Haltung und den Habitus zu definieren und den richtigen Ton zu finden, bei potenziellen Wähler und noch mehr bei potenziellen Wählerinnen.

Deshalb steckt natürlich hinter der Personalie Teuteberg auch die Hoffnung von Parteichef Lindner, mehr zu punkten. Im Herbst sind drei Wahlen in ostdeutschen Bundesländern. In Brandenburg, Thüringen und Sachsen ist die FDP derzeit nicht in den Landtagen.

Doch Teuteberg, die zwar sagt, die FDP solle auch schwierige Begriffe wie Heimat etwa und Feminismus nicht scheuen und offene Debatten darüber führen, hat die Themen Gleichberechtigung und Frauenförderung, die auf diesem Parteitag bislang vor allem neben der Bühne heftig diskutiert werden, nur peripher angesprochen. Die Frauenquote lehnt sie wie die meisten ihrer Partei, bemerkenswerterweise gerade auch jüngere und weibliche Mitglieder, ohnehin ab.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 27. April 2019 um 12:00 Uhr.

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