Ali B., der Tatverdächtige im Fall Susanna, wird zum Polizeihubschrauber abgeführt. | Bildquelle: dpa

Fall Susanna Haftbefehl gegen Verdächtigen

Stand: 10.06.2018 21:14 Uhr

Gegen den Verdächtigen im Fall Susanna hat eine Ermittlungsrichterin Haftbefehl erlassen. Er hat die Tötung der Jugendlichen nach Angaben des Oberstaatsanwalts gestanden.

Im Fall Susanna hat die zuständige Ermittlungsrichterin des Amtsgerichts Wiesbaden Untersuchungshaft gegen den Tatverdächtigen angeordnet. Das teilte das Polizeipräsidium Westhessen mit.

Zuvor war der 20-jährige Ali B. von der Richterin insgesamt sechs Stunden lang vernommen worden. Er habe dabei die Aussage bestätigt, die er schon nach seiner Festnahme gemacht habe, teilte der Oberstaatsanwalt Oliver Kuhn in einer verlesenen Presseerklärung mit. Demnach habe er gestanden, Susanna F. umgebracht zu haben, nicht aber eine ihm zur Last gelegte Vergewaltigung.

Die Eröffnung eines Haftbefehls wegen Mordes war bereits erwartet worden. Der Verdächtige sollte nach Polizeiangaben noch am Abend per Hubschrauber in eine Justizvollzugsanstalt gebracht werden.

Verdächtiger legt Teilgeständnis ab
Morgenmagazin, 11.06.2018, Oliver Feldforth, HR

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Bundespolizei: Ali B. wollte sich aus dem Irak absetzen

Eine Lufthansa-Maschine hatte Ali B. am Samstagabend aus der nordirakischen Stadt Erbil nach Frankfurt am Main gebracht.

"Ich bin froh, dass der von der deutschen Justiz gesuchte, mutmaßliche Täter wieder in Deutschland ist", sagte Bundesinnenminister Horst Seehofer. "So kann das Ermittlungsverfahren schnell vorangetrieben werden." Für die Familie des Mädchens sei die Rückkehr des Täters "nur ein schwacher Trost". "Für den Staat und unsere Gesellschaft ist es aber wichtig, dass Straftaten aufgeklärt und Tatverdächtige der Justiz zugeführt werden".‎

Laut Bundespolizei-Chef Dieter Romann wollte Ali B. den Irak verlassen. "Der Tatverdächtige hatte vor, sich in ein Nachbarland des Irak abzusetzen", sagte Romann der "Bild". Er selbst sei bei dem Abschiebe-Flug dabei gewesen, sagte Romann. Der Zugriff sei "in letzter Sekunde" erfolgt.

Nach der vorläufigen Festnahme im Irak habe ein Vertreter der kurdischen Regionalregierung ihn, Romann, um eine Abschiebung nach Deutschland gebeten. Er habe dem entsprochen, woraufhin Beamte der Bundespolizei am Samstagmorgen nach Erbil gereist seien. Sicherheitskräfte der Bundespolizei hätten kurdischen Boden nicht betreten, sondern den mutmaßlichen Täter von kurdischen Sicherheitsbehörden erst im Flugzeug übernommen.

Kanzlerin Angela Merkel bei G7-Gipfel in Kanada | Bildquelle: CLEMENS BILAN/EPA-EFE/REX/Shutte
galerie

Merkel sprach von einem "abscheulichen Mord" an Susanna.

Irakische Behörden: Verdächtiger gestand Tötung

Die am Mittwoch in Wiesbaden tot aufgefundene Susanna ist nach bisherigem Ermittlungsstand Opfer eines Gewaltdelikts geworden. Ali B. steht im Verdacht, das Mädchen in der Nacht vom 22. auf 23. Mai vergewaltigt und anschließend getötet zu haben. Er war nach Angaben der Staatsanwaltschaft am vergangenen Samstag überhastet mit seiner gesamten Familie aus Deutschland ausgereist.

Ali B. habe ausgesagt, dass er mit Susanna befreundet war und in Streit geraten sei. "Er habe das junge Mädchen getötet, als es gedroht habe, die Polizei zu rufen", sagte Ahmad. Bei einer späteren Pressekonferenz erklärte der Polizeichef, der 20-Jährige habe ausgesagt, das Mädchen erwürgt zu haben.

Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich erschüttert über den Tod der 14-Jährigen. "Das unfassbare Leid, das der Familie und dem Opfer widerfahren ist, bewegt jeden und erfasst auch mich", sagte sie am Rande des G7-Gipfels im kanadischen La Malbaie. Sie sprach von einem "abscheulichen Mord" und plädierte für eine entschiedene Ahndung solcher Straftaten. Wenn die Tat bewiesen sei, müsse die Justiz "mit aller Klarheit ein Urteil sprechen".

Gedenken an die getötete Susanna | Bildquelle: AFP
galerie

Bei mehreren Veranstaltungen wird der 14-Jährigen gedacht.

Mehrere Kundgebungen in Mainz

In Mainz fanden zwei öffentliche Trauerkundgebungen für Susanna statt. Die AfD-Landtagsfraktion veranstaltete am Nachmittag eine Mahnwache vor der rheinland-pfälzischen Staatskanzlei mit rund 100 Teilnehmern. Der AfD-Landesvorsitzende Uwe Junge wies Vorwürfe zurück, er missbrauche den tragischen Tod der Schülerin für parteipolitische Zwecke. Nach dem Mord an Susanna dürfe die Politik nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, sagte er.

Zwei Stunden vor der AfD-Aktion hatte es am Rand des Mainzer Regierungsviertels eine andere Demonstration zum Gedenken an die ermordete Jugendliche gegeben, an der ähnlich viele, meist jüngere Menschen teilnahmen. Redner verurteilten dabei die Tat und alle Formen von Gewalt gegen Frauen, warnten aber davor, das Verbrechen für fremdenfeindliche Hetze zu instrumentalisieren. Für Montagabend hat der DGB eine größere Trauerkundgebung angemeldet, auch die evangelische Kirche hat zur Teilnahme an dieser Versammlung aufgerufen.

Der Fall hatte deutschlandweit für großes Aufsehen gesorgt - auch in der Politik. Diskutiert wird darüber, warum Ali B. trotz unterschiedlicher Namen in den Ausweispapieren und auf der Bordkarte ungehindert in die Türkei fliegen konnte.

Merkel für schnellere Abschiebungen

Auf den Fall bezugnehmend sprach sich Bundeskanzlerin Angela Merkel für schnellere Abschiebungen abgelehnter Flüchtlinge aus. "Für mich heißt die Lehre, bei allem, was jetzt auch in dem speziellen Fall tragisch, traurig, schrecklich ist: Alles zu tun, dass wir diese Ankerzentren jetzt auf den Weg kriegen, dass jetzt wirklich auch schneller gehandelt werden kann", sagte sie in der ARD-Talkshow "Anne Will".

In "Ankerzentren" sollen künftig abgelehnte Asylbewerber bis zu ihrer Abschiebung untergebracht werden. Der Fall Susanna zeige, wie wichtig es sei, dass Menschen ohne Aufenthaltsstatus schnell ein Verwaltungsgerichtsverfahren bekommen und "schnell wieder nach Hause geschickt werden können", sagte Merkel.

Auf die Frage nach den Misständen beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) sagte Merkel: "Ich mache es mir nicht leicht. Ich bin für die Dinge politisch verantwortlich." Das BAMF hätte früher auf die große Zahl der zu bearbeitenden Asylanträge vorbereitet werden müssen, sagte Merkel. Sie stehe jedoch zu ihrer Entscheidung, 2015 in einer humanitären Ausnahmesituation die Einreise Hunderttausender Flüchtlinge zuzulassen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. Juni 2018 um 22:00 Uhr in den Nachrichten.

Darstellung: