Ein Kirchenkreuz | Bildquelle: dpa

EKD zu sexuellem Missbrauch "Eine Kultur der Grenzverachtung"

Stand: 13.11.2018 14:28 Uhr

Die Evangelische Kirche will energischer gegen sexuellen Missbrauch in ihren Reihen vorgehen. Dazu beschloss die Synode in Würzburg einen Elf-Punkte-Plan. Auch die Aufarbeitung soll verstärkt weitergehen.

Die evangelische Kirche stellt sich ihrer Missbrauchsgeschichte und das Bild einer Institution bekommt einen "tiefen Riss". So beschreibt es Kirsten Fehrs, Bischöfin der Nordkirche, in der sich der größte bislang bekannte Missbrauchsskandal in der evangelischen Kirche ereignete.

Jahrelang hatte ein Pastor in Ahrensburg Jugendliche missbraucht. Und Bischöfin Fehrs fragt sich seitdem, wie das geschehen konnte: "Es entstand eine Kultur der Grenzverachtung, in der es keine Korrektur etwa durch eine Beschwerdeinstanz gab. Wer hätte das auch sein sollen?"

Alle irgendwie miteinander bekannt

Ein Fall wie der in Ahrensburg wurde in der evangelischen Kirche bislang als Einzelfall verbucht. Erst mit der Synode in Würzburg macht sich Kirche daran, das Thema Missbrauch umfassend aufzuarbeiten. Insgesamt wurden bis heute 479 Missbrauchsfälle gemeldet, davon etwa zwei Drittel in kirchlichen Heimen.

In einer emotionalen Rede forderte Fehrs nun auf der Synode eine umfassende Aufarbeitung von Missbrauchsfällen, um sexuelle Gewalt in ihren Einrichtungen für die Zukunft zu verhindern. Wirkungsvolle Prävention brauche immer Aufarbeitung. Man müsse verstehen, wie ein Umfeld entstehe, in dem Grenzen missachtet werden und Täter ihr System etablieren.

Kirsten Fehrs | Bildquelle: dpa
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Kirsten Fehrs kritisiert eine "Kultur der Grenzverachtung".

"...das ist keine Kirche mehr"

Außerdem forderte sie die Kirchenleitung dazu auf, sich auch emotional der Schuld der ganzen Institution Kirche beim Missbrauch zu stellen.

Sexualisierte Gewalt löse den menschlichen Reflex aus, sich damit nicht befassen zu wollen. "Aber diesen Widerstand zu überwinden ist unabdingbar, gerade doch zum Schutz vor weiterem Leid", sagte die Theologin und ergänzte: "Eine Kirche, die solcher Gewalt nicht wehrt, ist keine Kirche mehr."

Appell an die Opfer

Die Synode rief sämtliche Missbrauchsopfer in protestantischen Einrichtungen auf, ihre Fälle den zuständigen Stellen schnell und lückenlos zu schildern. Er bitte diejenigen, "die solche schlimmen Erfahrungen gemacht haben, sich bei uns zu melden, sodass wir handeln können", sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, am Rande der Synode.

Mit einem elf-Punkte-Plan will die Kirche nun den sexuellen Missbrauch in den eigenen Reihen bekämpfen. Dabei werden auch Forderungen der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs umgesetzt.

So will die EKD eine unabhängige Meldestelle einrichten, an die sich Betroffene wenden können. Außerdem wird an der Spitze der Kirche ein Rat "zum Schutz vor sexualisierter Gewalt" eingerichtet.

EKD stellt Plan zur Aufklärung und Bekämpfung sexuellen Missbrauchs vor
tagesschau 20:00 Uhr, 13.11.2018, Johannes Reichart, BR

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"Systemisch bedingte Risikofaktoren"

Zwei wissenschaftliche Studien sollen zudem zur Aufklärung des Skandals beitragen. Die eine soll das wahre Ausmaß des Missbrauchs in der Vergangenheit ermitteln, die andere "systemisch bedingte Risikofaktoren in der evangelischen Kirche" untersuchen.

"Schon aus dem, was wir jetzt wissen, lassen sich aber evangelische Spezifika orten", sagt Fehrs. "Zum Beispiel die unreflektierte Vermischung von Privatem und Dienstlichem; dezentrale Strukturen, die unklar machen, wer für was zuständig ist – einschließlich einer fehlenden Beschwerdemöglichkeit."

Mit Informationen von Tilmann Kleinjung, BR

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 13. November 2018 um 13:03 Uhr.

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