Computer an Schulen - Digitalpakt | Bildquelle: dpa

Digitalisierung an Schulen "Eindeutig suboptimal"

Stand: 12.03.2019 12:04 Uhr

Viele Schulen haben ihren Teil schon getan: Medienkonzepte geschrieben und eigeninitiativ Digitalisierung vorangetrieben. Nun müssen sie warten - auf das versprochene Geld aus dem Digitalpakt.

Von Jan Koch, WDR

Ohne ihr Engagement wäre die Grundschule Allendorf wohl noch lange nicht "Digitale Schule" geworden. Katharina Springob und ihre Kolleginnen haben Medienkonzepte geschrieben und Digitalprojekte gestaltet. Sie setzen sich dafür ein, dass ihre gut 150 Schüler in der kleinen Stadt im Hochsauerlandkreis auch digital kompetent werden.

Sicht von oben auf einen Schultisch, auf dem ein Kind einen Mini-Roboter programmiert.
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Praktische Projekte sollen Kindern das Programmieren näherbringen.

Gemeinsam mit ihren Schülern haben sie eigens ein Roboter-Projekt auf die Beine gestellt. Hierbei haben die Kinder der Grundschule Grundzüge des Programmierens gelernt. "Ohne große Tiefenkenntnisse ist das auch für Neulinge möglich", erzählt Springob. "Man muss sich nur trauen."

Mut, aber auch Zeit investieren sie, stellen ein Konzept auf, bewerben sich um den Titel "Digitale Schule", den sie bekommen. Mehr als den Namen - also etwa finanzielle Spritzen - bekommen sie aber nicht.

Ohne Förderverein keine Tablets

"So langsam sinkt die Motivation", bemängelt Springob. "Der Schwung geht flöten, das ist echt etwas ernüchternd." Lust haben sie, aber ihnen fehlen die Mittel. Ohne den Förderverein sähen sie alt aus, betont sie. Die acht Tablets, die es an der Grundschule gibt, aber auch die zwölf Laptops und eines von zwei Whiteboards, also digitale Tafeln, hat der Schul-Förderverein angeschafft. Andere Schulen berichten ebenfalls davon, dass sie sich ohne die zusätzliche finanzielle Unterstützung von Eltern und Förderern manche Dinge nicht leisten könnten.

Gerne würden die Allendorfer häufiger digitale Medien einsetzen und Tablets oder Whiteboards in den Unterricht integrieren. Deutschlandweit wünscht sich das mehr als die Hälfte aller Lehrer. Das zeigt eine neue Befragung des Digitalverbands Bitkom. 58 Prozent sagen, dass dafür aber die nötigen Endgeräte fehlten. Beamer, Notebooks oder auch stationäre Computer seien nicht das Problem, viel eher neuere Geräte. Nur jede dritte Schule verfügt laut der Studie über Tablets.

Bitkom - Was ist das?

Bitkom (Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien) ist ein Zusammenschluss von mehr als 2600 Unternehmen aus der deutschen Digitalwirtschaft. Mitglieder sind nicht nur deutsche Unternehmen, sondern auch weltweit agierende Konzerne wie Facebook, Google oder Microsoft, die in Deutschland mehr als zwei Millionen Mitarbeiter beschäftigen.
Bitkom setzt sich laut eigenen Angaben "mit großem Nachdruck" für die Digitalisierung von Wirtschaft, Gesellschaft und Verwaltung ein, vertritt also die Interessen seiner Mitglieder gegenüber der Politik.

Nur langsame Verbesserung

Ohne Förderverein, wie in der Grundschule Allendorf, geht also nichts? "Das wäre ein Armutszeugnis für den jeweils zuständigen Sachaufwandsträger, also die Kommune oder den Landkreis", meint Heinz-Peter Meidinger vom Deutschen Lehrerverband. "Außerdem nutzen ein paar Tausend Euro bei den hier notwendigen Größenordnungen gar nichts." Er beobachtet schon seit Jahren die sich nur langsam verbessernde Situation.

"Eindeutig suboptimal," so bewertet er die Entwicklung der Digitalisierung in deutschen Klassenzimmern. "Die Zahl der verfügbaren Computer an Schulen hat sich zwar in den vergangenen Jahren deutlich vermehrt, aber wir haben viele überaltete Geräte, häufig ein schwer kompatibles Nebeneinander unterschiedlichster Gerätegenerationen und nach wie vor ist die WLAN-Anbindung an der Mehrzahl der Schulen schlecht bis katastrophal."

Auch Smartphones spielen im Unterricht bisher selten eine Rolle. Acht Prozent der knapp 500 befragten Lehrer an alle Schulformen setzen das Smartphone in Ausnahmefällen im Unterricht ein, so die Studie. "Während Smartphones auf dem Pausenhof allgegenwärtig sind, spielen sie im Unterricht so gut wie keine Rolle. Anstatt Smartphone-Verbote zu erlassen, sollte man darüber nachdenken, wie diese Geräte aktiv und produktiv in den Unterricht eingebunden werden können", fordert Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder.

Zwei Kinder arbeiten in der Schule am Computer
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Die Geräte an Schulen sind oft nicht auf dem neuesten Stand.

Hoffnung Digitalpakt

Aber es läge nicht nur an den Endgeräten, erklärt Leidinger vom Lehrerverband: "Die Hauptmängel sind die vielfach noch fehlende oder ungenügende digitale Infrastruktur, die unzureichende professionelle Betreuung und fehlende Medienkonzepte."

Das könnte sich bald ändern, so die Hoffnung. "Der Digitalpakt könnte da die Wende bringen," meint nicht nur Springob von der Grundschule Allendorf. Seit wenigen Wochen ist klar: Bund und Länder haben hier einen Kompromiss gefunden. Lange wurde darum gestritten, der Vermittlungsausschuss von Bundesrat und Bundestag einigte sich nun aber auf Formulierungen für eine Grundgestzänderung, die Milliardenhilfen für die Länder ermöglichen.

Bund unterstützt

Schüler und Lehrer an Deutschlands 40.000 Schulen können auf neuere Computer, besseres Internet und digitale Lehrmethoden hoffen. Der Bund kann jetzt dabei helfen, Schulen mit Laptops, Notebooks, Tablets und Smartboards auszustatten. Konkret will der Bund über einen Zeitraum von fünf Jahren insgesamt fünf Milliarden Euro zur Verfügung stellen, davon 3,5 Milliarden Euro noch in dieser Legislaturperiode. Losgehen sollte es eigentlich am 1. Januar 2019.

93 Prozent der von Bitkom befragten Lehrer denken trotzdem, dass die angekündigten Digitalpakt-Mittel nicht ausreichen. "Wir hoffen einfach mal, dass das Geld bald ankommt", erzählt Springob von der Allendorfer Grundschule. Damit es am Ende nicht mehr nur am Willen und Engagement der Lehrerschaft oder an den Finanzspritzen des Fördervereins hängt.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 12. März 2019 um 15:00 Uhr.

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