Deutsche und griechische Flagge | Bildquelle: AFP

Deutsch-griechische Beziehungen Anders als unter Freunden üblich

Stand: 13.03.2015 16:41 Uhr

Das deutsch-griechische Verhältnis ist angeknackst - auch wenn die Bundesregierung versucht, den Streit kleinzureden. Für Kopfschütteln sorgt weiter eine Beschwerde des griechischen Botschafters: ein unter Freunden unübliches Verhalten.

Von Sabine Müller, HR, ARD-Hauptstadtstudio

Man kann beginnen zu erahnen, wie heikel die Lage ist, wenn der eloquente Regierungssprecher Steffen Seibert auf die Frage, wie er die deutsch-griechischen Beziehungen aktuell beschreiben würde, keine der üblichen Floskeln hervorholt  à la "Wir arbeiten gut zusammen". Stattdessen sagt er: "Wir wollen Griechenland ein guter Freund und Partner sein. Und ich glaube, dass die Art und Weise, wie Deutschland sich in der europäischen Krise der letzten Jahren eingebracht hat, genau dafür auch spricht."

Griechenland verhält sich gerade allerdings nicht so wie unter guten Freunden üblich. Sawsan Chebli, die Sprecherin des Auswärtigen Amts, tut zwar so, als sei die förmliche Beschwerde, die der griechische Botschafter in Berlin eingelegt hat, quasi Alltagsgeschäft: "Es ist nichts Ungewöhnliches."

Varoufakis als "dümmlich naiv" bezeichnet?

Aber das stimmt nicht: Zwischen EU-Partnern ist das alles andere als üblich. Nur, worüber genau beschwerte sich der Botschafter beim Außenministerium? Über Finanzminister Wolfgang Schäuble, weil der seinen griechischen Amtskollegen Yanis Varoufakis angeblich als "dümmlich naiv" bezeichnet hatte?

Schäuble bestreitet, Varoufakis beleidigt zu haben. War es vielleicht nur ein Übersetzungsfehler dieser Schäuble-Aussage über Varoufakis am Dienstag in Brüssel? Dann wäre die Sache leicht aufzuklären: "Also dass er nun plötzlich naiv in Sachen Kommunikation wäre - habe ich ihm gesagt - das ist mir ganz neu", so Schäuble.

Oder beschwert sich Griechenland allgemein über Ton und Auftreten Schäubles? In Brüssel zitierte der deutsche Finanzminister durchaus genüsslich, was er seinem griechischen Kollegen im Zweiergespräch gesagt hatte: "In Sachen Kommunikation hast Du auf uns einen stärkeren Eindruck gemacht als in der Substanz." Das war schon eine ziemliche öffentliche Ohrfeige. Man hatte den Eindruck: Da hat einer durchaus Lust an der Provokation.

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Das Auswärtige Amt äußert sich nicht inhaltlich zur griechischen Beschwerde. Wurde vielleicht sogar das deutsche Verhalten insgesamt als herablassend gerügt? Wäre es also gar keine Privatfehde mehr zwischen zwei Ministern, sondern reden wir über ein zerrüttetes Verhältnis zwischen zwei Staaten?

"Ich sehe weder eine Privatfehde, noch sehe ich gerade das ganze Thema Griechenland und wie es seine Probleme löst, als ein bilaterales deutsch-griechisches Thema", so Regierungssprecher Seibert. Er beschwichtigt, aber unter der Hand ist man in Berlin schon irritiert, wie sehr sich Griechenland auf die Deutschen einschießt - diese Woche wieder mit den lautstark neu vorgetragenen Forderungen nach deutschen Reparationszahlungen für die Gräueltaten im Zweiten Weltkrieg.

Anspannung spürbar

Als Außenamtssprecherin Chebli dazu erklärt, sie wisse nicht, "ob das im Endeffekt so ernst gemeint ist", ist die Anspannung bei der Bundesregierung mit den Händen greifbar. Und der Regierungssprecher rudert schnell zurück. Jedes Wort zählt in dieser aufgeladenen Stimmung. Und dass Schäubles Sprecherin erklärt, sie würde "das jetzt nicht alles überbewerten wollen", klingt doch sehr nach Pfeifen im gerade ziemlich dunklen deutsch-griechischen Wald.

Der Niedergang der deutsch-griechischen Beziehungen
S. Müller, ARD Berlin
13.03.2015 14:57 Uhr

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