Einsatz am "Cyber-Bunker" in Traben-Trarbach (Archiv) | Bildquelle: dpa

Kriminalität im Netz Betreiber des "Cyber-Bunkers" angeklagt

Stand: 07.04.2020 17:39 Uhr

Vergangenen September gelang Fahndern ein bedeutender Schlag gegen Kriminalität im Internet. Damals hoben sie ein riesiges Rechenzentrum in einem Bunker an der Mosel aus. Heute wurde erstmals Anklage erhoben.

Knapp sieben Monate, nachdem Fahnder einen illegalen Cyber-Bunker an der Mosel ausgehoben haben, hat jetzt die Generalstaatsanwaltschaft Koblenz Anklage gegen acht Tatverdächtige erhoben. Sie sollen in dem riesigen Bunkerkomplex bei Traben-Trarbach Server zur Verfügung gestellt haben, über die Kriminelle aus der ganzen Welt millionenschwere illegale Geschäfte im Darknet abgewickelt haben.

Drogendeals, Kinderpornos und Auftragsmorde

Das Rechenzentrum in dem Bunker war den Ermittlungen zufolge eine Schaltstelle für zahlreiche Verbrechen. Über die dortigen Server sollen mehr als eine halbe Million Fälle von Drogenhandel, Datenhehlerei, Falschgeld-Deals, Verbreitung von Kinderpornos sowie Computersabotage abgewickelt worden sein. Sogar Mordaufträge liefen über die Rechner des Cyber-Bunkers, fasst der Leiter der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz, Jürgen Brauer, die Anklage zusammen. Und die Ermittlungen laufen weiter.

Hauptakteur soll ein 60-jähriger Niederländer sein, der den einstigen Bunker Ende 2013 erworben und nach und nach ausgebaut habe. Ein weiterer Niederländer soll den Angaben zufolge als Art "Manager" fungiert haben, eine Deutsche war laut Anklage die "Buchhalterin". Die übrigen Mitglieder des Teams, zwei weitere Niederländer, zwei Deutsche und ein Bulgare, seien als Administratoren für die technischen Dinge und IT zuständig gewesen, so der Vorwurf.

Vorwurf: Cyber-Verbrechen "maßgeblich gefördert"

Die Beschuldigten hätten die Taten nicht selbst begangen, aber sie durch die Bereitstellung der Server "maßgeblich unterstützt und gefördert", sagte Brauer. Und sie hätten davon gewusst - da sind sich die Ermittler sicher. Daher lautet die Anklage auf Beihilfe. Außerdem müssen sich die Angeschuldigten wegen Gründung und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung verantworten.

Die Datenmenge, die bei dem Zugriff unter anderem auf 886 physischen und virtuellen Servern sichergestellt wurde, umfasst zwei Millionen Gigabyte. "Auf CD gebrannt wären das 2,6 Millionen CDs, die aufeinander gestapelt eine Höhe von 8000 Meter ergäben", veranschaulicht Kriminalhauptkommissar Patrick Fata vom Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz den Umfang. Die Auswertung werde noch bis zu einem Jahr dauern. Bislang hätten die Ermittler bei der Auswertung der Server "keine einzige legale Webseite oder legalen Service" gefunden, teilte die Generalstaatsanwaltschaft mit.

Fahndungserfolg nach fünf Jahren Ermittlungsarbeit

Das Rechenzentrum war Ende September 2019 in einer großen Aktion mit rund 700 Polizisten nach rund fünf Jahren Vorarbeit ausgehoben worden. Sieben Personen kamen in Haft. Das Verfahren werde zunächst auf sieben Tatkomplexe beschränkt, um die Anklage zu beschleunigen, teilte die Behörde mit.

Zu den illegalen Plattformen und Foren, die ihre Straftaten über die Server in dem Cyber-Bunker laufen ließen, gehörte der weltweit zweitgrößte Darknet-Marktplatz für verbotene Güter, der so genannte "Wall Street Market", den Ermittler im Frühjahr 2019 zerschlagen hatten. Auch der Angriff auf 1,25 Millionen Telekom-Router Ende November 2016 wurde laut Generalstaatsanwaltschaft über einen der Server an der Mosel gesteuert. Geschätzter Schaden: zwei Millionen Euro.

Über dieses Thema berichtete die SWR aktuell Rheinland-Pfalz am 10. Oktober 2019 um 19:30 Uhr.

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