Passanten laufen an wegen der Corona-Pandemie geschlossenen Buden des Weihnachtsmarktes in der Schweriner Innenstadt vorbei. | dpa

Verschärfte Corona-Maßnahmen Bundesländer fahren teils noch härteren Kurs

Stand: 03.12.2021 16:26 Uhr

Mit dem Ziel, die vierte Welle zu brechen, haben sich Bund und Länder auf strengere Corona-Maßnahmen geeinigt. Doch einigen Bundesländern reichen die nicht aus - sie legen bei den Verschärfungen noch nach.

Am Donnerstag hatten sich Bund und Länder im Kampf gegen die vierte Welle auf strengere Corona-Regelungen verständigt: unter anderem beinhalten die Kontaktbeschränkungen, 2G im Einzelhandel und ab einer gewissen Inzidenz sollen Clubs schließen müssen. Doch einige Bundesländer gehen beim Verschärfen der Maßnahmen noch weiter.

Darunter auch Baden-Württemberg. Laut Robert Koch-Institut liegt die Sieben-Tage-Inzidenz in dem Bundesland derzeit bei 517,6 - im Vergleich Platz sechs unter allen Bundesländern, ausgehend vom höchsten Inzidenzwert auf Platz eins. Bereits nach dem Treffen von Bund und den Ministerpräsidenten hatte die Landesregierung angekündigt, teils striktere Auflagen anordnen zu wollen. Am Freitag gab Gesundheitsminister Manfred Lucha dann bekannt, wie genau die aussehen sollen.

Keine Großveranstaltungen in Baden-Württemberg

Großveranstaltungen sind in Baden-Württemberg vorerst tabu. Bei allen weiteren Veranstaltungen sind künftig nur noch maximal 50 Prozent der möglichen Gäste erlaubt. Unabhängig davon soll künftig eine Obergrenze von maximal 750 Personen gelten. Das gilt laut Landesregierung auch für Fußballspiele.

Clubs und Diskotheken müssen ab Samstag schließen. Damit setzt Baden-Württemberg den Bund-Länder-Beschluss um, der diesen Schritt ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 350 vorsieht. Zusätzlich müssen aber auch alle noch offenen Weihnachtsmärkte dicht machen. Auch in der Gastronomie gehen die neuen Corona-Regeln Baden-Württembergs über die am Donnerstag vereinbarten Maßnahmen hinaus. Prinzipiell soll die 2G-Plus-Regelung angewandt werden. Gäste müssen sich also vor dem Besuch testen, auch wenn sie geimpft oder genesen sind.

Es bleibt bei Geisterspielen in Bayern

Mit Blick auf mögliche Großveranstaltungen fahren auch andere Bundesländer einen härteren Kurs als in den bundesweit beschlossenen Mindestauflagen vorgesehen. In Bayern trifft das vor allem die Fußballvereine. Bereits ab Samstag sind bei Partien im Profisport der überregionalen Ligen keine Zuschauer mehr zugelassen, wie Ministerpräsident Markus Söder ankündigte. Damit werden auch die anstehenden Heimspiele zwischen Fußball-Bundesligist FC Augsburg und dem VfL Bochum sowie des Zweitligisten 1. FC Nürnberg gegen Holstein Kiel zu Geisterspielen.

Ganz allgemein sieht Söder Bayern auf dem richtigen Weg beim Vorgehen gegen die Pandemie. Die vierte Welle sei "angeknackst", sagte der CSU-Chef mit Blick auf die binnen einer Woche von 652 auf 561,5 gesunkene Sieben-Tage-Inzidenz. Doch "endgültig gebrochen" sei die neue Welle noch nicht. Der aktuelle Inzidenzwert ist im bundesweiten Vergleich der fünfthöchste - damit liegt Bayern direkt vor Baden-Württemberg.

Berlin begrenzt Gästezahl bei Veranstaltungen

Mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 360,7 liegt Berlin momentan im Mittelfeld unter den Bundesländern. Großveranstaltungen bleiben hier vorerst erlaubt. Allerdings entschied der Senat der Landeshauptstadt nach einer Sondersitzung, das Limit für die Besucherzahlen deutlich herunterzusetzen. Wie der Regierende Bürgermeister Michael Müller mitteilte, sind bei Großveranstaltungen im Freien maximal 5000 und in Innenräumen nur noch 2500 Gäste erlaubt. Bund und Länder hatten sich auf die Grenzen von 15.000 Besucherinnen und Besuchern im Freien und bis zu 5000 Gäste auf Veranstaltungen in geschlossenen Räumen geeinigt.

Wegen rechtlicher Fragen sollen Clubs in Berlin vorerst geöffnet bleiben, auch wenn die Sieben-Tage-Inzidenz bereits über 350 liegt. Aber wie die Berliner Staatskanzlei ankündigte, ist das Tanzen ab kommenden Mittwoch verboten.

Müller fügte hinzu, dass viele der zwischen Bund und Länderchefs beschlossenen Maßnahmen in Berlin schon zuvor umgesetzt worden seien. So gilt die 2G-Regel in Restaurants, Theatern oder Kinos bereits seit Mitte November. Mit den hinzukommenden Verschärfungen äußerte Müller "die Hoffnung, dass wir gut durch die Winterzeit kommen".

Schärfere Maßnahmen bei Warnstufe "rot plus"

In Mecklenburg-Vorpommern treffen die in ihrem Umfang härteren Maßnahmen bislang nur zwei Landkreise: den Landkreis Mecklenburgische Seenplatte und nun auch den Kreis Rostock. In dem Bundesland gelten je nach Inzidenz verschiedene Warnstufen: grün, gelb, orange und rot. Hält die rote Warnstufe jedoch eine Woche und länger an, wird ein Landkreis als "rot plus" eingestuft, so wie die zwei betroffenen Landkreise. Und das bedeutet: Freizeiteinrichtungen müssen schließen. Im Kreis Rostock sind davon ab Samstag etwa Kinos, Clubs und Theater betroffen. Auch Weihnachtsmärkte dürfen vorerst nicht öffnen. Sportveranstaltungen müssen abgesagt werden.

Keine Testpflicht nach dem Boostern

Doch nicht nur bei Großveranstaltungen gehen Bundesländer über die bei der Ministerpräsidentenkonferenz beschlossenen Auflagen hinaus. Rheinland-Pfalz will die 2G-Plus-Regelung deutlich ausweiten - und das ebenfalls bereits ab Samstag. Dann gilt: Überall, wo in Innenräumen keine Maske getragen werden kann, tritt 2G-Plus in Kraft. Also beispielsweise in Restaurants, in Sporteinrichtungen, aber auch im Kino oder in Hotels.

Wer aber bereits eine Auffrischungsimpfung erhalten hat, ist von der in 2G-Plus enthaltenen Testpflicht befreit, kündigte Landeschefin Malu Dreyer an. Nach erfolgter Booster-Impfung genüge der entsprechende Impfnachweis. Neben Rheinland-Pfalz will auch Niedersachsen diese Erleichterungen nach einer dritten Impfung zulassen. Die Landesregierung reagiere so auf Erkenntnisse, nach denen die Gefahr einer Infektion und Übertragung nach drei Impfungen "ausgesprochen gering" sei, hieß es aus dem niedersächsischen Sozialministerium.

In Sachsen gelten schon längere wesentlich strengere Regeln

Kaum etwas merken von den nun vereinbarten Verschärfungen werden die Menschen in Sachsen. Denn hier gelten bereits seit rund anderthalb Wochen Corona-Regelungen, die über die Bund-Länder-Beschlüsse hinausgehen. Nach wie vor ist Sachsen mit einem Wert von 1224,7 das Bundesland mit der höchsten Sieben-Tage-Inzidenz. Im Landkreis Mittelsachsen liegt sie sogar bei 2062,5, im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge mit 1994,5 knapp unter der 2000er-Marke.

Darum dürfen sich Angehörige eines Hausstands in Sachsen nur mit einer weiteren Person treffen. Ausgenommen sind Geimpfte, Genesene sowie Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren. Neben der 2G-Regelung im Einzelhandel und Gastronomie gelten eingeschränkte Öffnungszeiten - für beide Branchen von 6 Uhr früh bis 20 Uhr abends. Kultur- und Freizeiteinrichtungen, Clubs, Bars, aber auch Tanzschulen mussten schon mit Inkrafttreten der Verordnung vom 22. November schließen, auch Kurse an Volkshochschulen fallen vorübergehend aus. Großveranstaltungen dürfen nicht stattfinden, Weihnachtsmärkte ebenso wenig und öffentliche Versammlungen sind auf eine Teilnehmerzahl von maximal zehn Personen beschränkt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 03. Dezember 2021 um 17:00 Uhr.