Ein Streifenwagen der Polizei steht auf einem verlassenen Platz in Berchtesgaden. | Bildquelle: dpa

Steigende Corona-Infektionszahlen Droht der nächste Lockdown?

Stand: 23.10.2020 14:28 Uhr

Schon den zweiten Tag in Folge liegt die Zahl der neuen Corona-Fälle in Deutschland über 11.000. Während viele Gesundheitsämter an ihre Grenzen stoßen, warnen Politiker vor einem zweiten Lockdown - und appellieren an die Bürger.

Von Eva Ellermann, ARD-Hauptstadtstudio

Die Zahl der nachgewiesenen Corona-Fälle in Deutschland steigt rasant: Das Robert Koch-Institut meldet bereits den zweiten Tag in Folge mehr als 11.000 Neuinfektionen. Exakt 11.242 neue Fälle seien binnen 24 Stunden hinzugekommen, hieß es. Erst am Donnerstag war ein Rekordwert von 11.287 Neuinfizierten registriert worden.

Angesichts der wachsenden Infektionszahlen warnen erste Stimmen vor einem zweiten Lockdown. Ab 20.000 Infizierten pro Tag sei ein solcher nötig, sagte der Weltärztepräsident Ulrich Montgomery der "Rheinischen Post". Denn ab dieser Schwelle gerate die Lage außer Kontrolle.

Gesundheitsämtern fehlen Mitarbeiter und Technik

Immer mehr Gesundheitsämter kommen allerdings schon jetzt an ihre Grenzen. René Gottschalk, Leiter des Gesundheitsamts Frankfurt am Main, berichtete im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF, in seiner Stadt gebe es derzeit täglich bis zu 200 neue Covid-19-Infizierte: "Eine solche Fallfülle kann man natürlich nicht mehr im Detail abarbeiten, das ist ganz klar. So viele Mitarbeiter gibt es nicht." Auch die Kräfte der Bundeswehr könnten bei solch hohen Werten nicht mehr helfen, sagte Gottschalk.

Ulrike Teichert vom Verband der Ärztinnen und Ärzte im öffentlichen Gesundheitsdienst wies in den tagesthemen darauf hin, dass viele Gesundheitsämter noch immer mit ihren Kommunikationsmitteln und der technischen Ausstattung kämpften. "Es gibt keine einheitliche Software, die benutzt wird, obwohl wir da durchaus auf dem Markt Möglichkeiten hätten, die man bundesweit ausrollen könnte", sagte Teichert. "Das würde auch die Arbeit der Gesundheitsämter vor Ort erheblich erleichtern."

Diskussion über zweiten Lockdown hat begonnen

Der Chef des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, hatte bei seinem letzten Briefing am Donnerstag erklärt, er sehe noch keinen Grund für eine Änderung der Strategie im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus. Doch die Diskussion darüber, ob bei 20.000 Neuinfektionen am Tag tatsächlich ein Lockdown droht, hat längst begonnen.

Zwar nennt im Moment kein Politiker eine konkrete Zahl. Aber Michael Müller, der Regierende Bürgermeister von Berlin und Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz, mahnte im ZDF, bei den Maßnahmen gebe es keine Luft mehr nach oben. Angesichts der dramatischen Folgen weitreichender Ausgangsbeschränkungen wolle er die Hoffnung nicht aufgeben, "dass wir mit unseren Maßnahmen und eben auch der Disziplin und Eigenverantwortung diesen Lockdown verhindern können", sagte der SPD-Politiker. "Aber ich muss zugeben: Man kann es auch nicht mehr ausschließen."

Bundesweit einheitliches Vorgehen gefordert

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder sprach im ZDF von einem exponentiellen Anstieg der Fallzahlen. "Ich glaube, dass wird jetzt eine spannende Zeit für uns alle werden, das wird schon eine wichtige Weichenstellung sein", sagte der CSU-Politiker. "Ich persönlich glaube, dass wir das schaffen können, wenn wir uns gemeinschaftlich dafür engagieren und wenn wir es nicht zulassen, dass wir erst auf den letzten Drücker reagieren und dann mit mehr Maßnahmen reagieren müssen."

Ein zweiter Lockdown müsse unbedingt vermieden werden - darin sind sich Müller und Söder einig mit dem saarländischen Ministerpräsidenten Tobias Hans. Er forderte im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF vor allem bundesweite Regelungen: "Ich bin nicht dafür, dass jetzt jedes Bundesland für sich selbst definiert, wo müssen jetzt nochmal weitergehende Maßnahmen getroffen werden. Wir brauchen einen bundesweit einheitlichen Bewertungsmaßstab für Infektionszahlen", sagte Hans. "Die Menschen haben auch verdient zu wissen, was auf sie zukommt."

Das nächste Treffen der Bundeskanzlerin mit den Länderchefs ist für Anfang November geplant. Im Moment werden vor allem die Appelle aus der Politik immer eindringlicher: Alle mögen sich bitte an die Regeln halten.

Corona-Mittags-Update - Lockdown ab 20.000 Infizierten?
Eva Ellermann, ARD Berlin
23.10.2020 12:37 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 23. Oktober 2020 um 12:05 Uhr.

Darstellung: