Jugendliche Schüler gehen in Niedersachsen zur Schule. | dpa

Ärzte zu Kindern und Jugendlichen "Zurück ins normale Leben - auch ohne Impfung"

Stand: 18.05.2021 13:08 Uhr

Noch ist in der EU kein Impfstoff für Kinder und Jugendliche zugelassen. Trotzdem drängen Ärzteverbände, den Jüngeren wieder einen normalen Alltag zu ermöglichen. Bund und Länder wollen Ende Mai über das Thema Impfen beraten.

Die Bundesregierung und die Ministerpräsidenten der Bundesländer wollen am 27. Mai erneut zu Beratungen über das weitere Vorgehen im Kampf gegen die Corona-Pandemie zusammenkommen. Dabei steht vor allem das Thema Impfen im Vordergrund.

Neben dem digitalen Impfnachweis wird es sich bei dem Treffen voraussichtlich vor allem um die Frage drehen, wie und wann Kinder und Jugendliche geimpft werden können.

Doch noch ist in der EU kein Vakzin zugelassen, das auch jüngeren Altersgruppen unter 16 Jahren verabreicht werden kann. Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) prüft derzeit die erweiterte Marktzulassung des Wirkstoffs von BioNTech und Pfizer. In Kanada und den USA ist der Impfstoff der kooperierenden Hersteller bereits für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren freigegeben.

Kein übereiltes Prüfverfahren

Die EMA selbst geht davon aus, dass die Zulassung in der EU spätestens Anfang Juni erfolgen kann. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn äußerte daher bereits Ende April die Hoffnung, dass Zwölf- bis 18-Jährigen bereits bis zum Ende der Sommerferien mindestens ein Angebot für die Erstimpfung gemacht werden könne.

Doch an diesem Zeitplan kamen schnell Zweifel auf. "Überambitioniert" nannte ihn der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte. Denn nach der Zulassung durch die EMA stehe auch noch die Bestätigung durch die Ständige Impfkommission (STIKO) aus - und die hatte selbst vor zu großer Eile gewarnt. Denn der Impfstoff für Jüngere müsse sorgfältig auf seine Verträglichkeit, Sicherheit und Wirksamkeit geprüft werden.

Kinderpsychiatrien laut Ärzteverband überlastet

Doch auch wenn es mit den Impfungen ab zwölf Jahren noch etwas länger dauern sollte, als von der Bundesregierung erhofft, drängt der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte, Kindern und Jugendlichen die "Rückkehr in ein normales Leben" zu ermöglichen - "ganz unabhängig von der Impfung", betonte Verbandssprecher Jakob Maske in der "Rheinischen Post". Denn Kinder seien weniger gefährdet, sich mit dem Virus anzustecken, als "verheerenden Langzeitfolgen" ausgesetzt zu sein.

Maske zufolge sind Kinder- und Jugendpsychiatrien bereits vollständig ausgelastet und könnten teils keine Patienten mehr aufnehmen, die infolge von Depressionen nicht explizit suizidgefährdet seien.

Auch der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, Jörg Dötsch, warnte: "Je länger die Beschränkungen andauern und wir Kindern die Teilhabe verweigern, desto problematischer ist es für ihre Entwicklung." Darum müssten Schulen und Kitas wieder zum normalen Betrieb zurückkehren, unter Einhaltung von Corona-Auflagen und Teststrategie.

Lehrerverband pocht auf Inzidenzwerte

Der Deutsche Lehrerverband hingegen mahnte, einen vollständigen Präsenzunterricht erst wieder zu ermöglichen, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Neuinfektionen unter 50 liege. Zu viele Lehrkräfte und fast alle Kinder seien schließlich noch ungeimpft. Trotzdem zeigte sich Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger "recht optimistisch", dass im kommenden Schuljahr wieder mehr Normalität in den Schulbetrieb einziehen werde.

Fallzahlen gehen laut RKI weiter zurück

Derzeit liegen den Daten des Robert Koch-Institutes zufolge nur zwei Bundesländer unter dem Wert von 50 bei der Sieben-Tage-Inzidenz: Schleswig-Holstein mit 33,3 und Hamburg mit einem Wert von 42,5. Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern liegen mit 56,3 und 56,9 knapp darüber.

Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz ging laut RKI in den vergangenen 24 Stunden zurück - von knapp 83 auf 79,5. Binnen eines Tages wurden dem Institut 4209 Neuinfektionen mit dem Coronavirus gemeldet und damit rund 1900 Fälle weniger als am Dienstag der vergangenen Woche. Das RKI gibt aber zu Bedenken, dass durch den Feiertag am vergangenen Donnerstag und dem durch den Brückentag die Fallzahlen niedriger ausfallen könnten, da an dem langen Wochenende weniger getestet wurde und weniger Tests ausgewertet worden seien.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 17. Mai 2021 um 16:00 Uhr.