Eine Messgerät im einem Corona-Testlabor, an der Technischen Hochschule Wildau.  | Bildquelle: picture alliance/dpa

Gelder für Corona-Forschung Ministerium verdreifacht Fördersumme

Stand: 20.07.2020 16:14 Uhr

Sie untersuchen Blutpasma, Blutgruppen und Zellkulturen - 90 Forschungsprojekte zum Coronavirus fördert das Bundesforschungsministerium. Die Fördersumme wurde jetzt verdreifacht - auf 45 Millionen Euro.

Von Uwe Jahn, ARD-Hauptstadtstudio

Es gibt noch viel herauszufinden über das Coronavirus. Das zeigt sich auch daran, wie viele Wissenschaftler sich mit ihren Projekten um die 15 Millionen Euro Fördermittel aus dem Bundesforschungsministerium beworben haben.

Bildungsministerin Anja Karliczek sagte dazu: "Bis zum 11. Mai, das war das Ende der Ausschreibung, wurden weit über 500 Projektskizzen eingereicht, und schon daran kann man sehen, dass wir doch von einem bemerkenswerten Interesse sprechen können, dieses Thema zu unterstützen." Nun macht die Ministerin noch einmal Geld locker. Sie verdreifacht die Fördermittel auf 45 Millionen Euro.

Schutz vor schwerem Verlauf

Claudia Denkinger von der Universität Heidelberg zum Beispiel untersucht, inwiefern sie mit dem Blutplasma geheilter Patienten besonders gefährdete Menschen vor einem schweren Krankheitsverlauf schützen kann.

Daten, die einen positiven Effekt vor allem früh in der Erkrankung vermuten lassen, gebe es bereits. "Unsere Studie setzt auch sehr früh an: Wir geben das Plasma den Patienten, wenn sie erste Anzeichen einer Lungenbeteiligung haben und versuchen, damit praktisch das Virus auszubremsen, bevor dann im weiteren Verlauf das Virus zu lebensbedrohlichen Schäden führen kann."

Ergebnisse zu Vererbung und Blutgruppen

André Franke von der Universität Kiel hingegen hat bereits eine erste genetische Studie über das Virus veröffentlicht. Was üblicherweise ungefähr ein Jahr dauert, haben er und seine Kollegen in zwei Monaten geschafft. Eine ihrer Erkenntnisse: Auf dem Chromosom drei liegt eine Erbinformation, die vor allem bei Patienten mit schweren Verläufen besonders häufig anzutreffen ist.

Außerdem konnte sie zeigen, dass die Blutgruppe eine wichtige Rolle bei der Erkrankung zu spielen scheint. So habe man von genetischer Seite bestätigt, "dass Personen mit der Blutgruppe 0 einen erhöhten Schutz haben vor einer Infektion und Personen mit der Blutgruppe A hingegen ein erhöhtes Infektionsrisiko".

Was in der Lunge passiert

Wohingegen Stephanie Pfänder und ihre Kollegen von der Ruhr-Uni-Bochum sich mit Hilfe sogenannter Zellkulturmodelle ansehen, was in der Lunge passiert, wenn das Virus angreift.

"Diese Zellkulturmodelle sind im Grunde Zellen, die isoliert wurden. Die wachsen in vitro in einem Kulturgefäß. Damit können wir quasi im Kleinen Infektionsversuche durchführen. Wir können zum Beispiel antivirale Medikamente draufgeben und dann untersuchen: Wird der Viruseintritt jetzt verhindert? Wird die Vermehrung verhindert?

90 wissenschaftliche Studien

Von der genetischen Grundlagenforschung bis hin zu Studien, die untersuchen, welche sozialen Wirkungen die Pandemie für den einzelnen hat: Es gibt noch viel herauszufinden. Insgesamt 90 wissenschaftliche Vorhaben sollen von den zusätzlichen Mitteln aus dem Bundesforschungsministerium profitieren.

Forschungsministerium verdreifacht Mittel zur Erforschung von Covid-19
Uwe Jahn, ARD Berlin
20.07.2020 15:09 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 20. Juli 2020 um 15:14 Uhr.

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Uwe Jahn  | Bildquelle: Tanja Schnitzler Logo MDR

Uwe Jahn, MDR

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