Franziska Giffey und Jens Spahn | Bildquelle: MIKA SCHMIDT/POOL/EPA-EFE/Shutte

Corona-Pandemie Auf wen die Bundesregierung hört

Stand: 20.10.2020 13:06 Uhr

In der Corona-Pandemie trifft die Bundesregierung viele Entscheidungen mithilfe von Experten. Aber von wem lassen sich Bundeskanzlerin Merkel und ihre Minister eigentlich beraten? Wem vertrauen sie?

Von Uwe Jahn, ARD-Hauptstadtstudio

Ein Minister kommt selten allein, eine Ministerin auch nicht - fast immer haben sie Experten dabei. So war es auch, als Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und Bundesfamilienministerin Franziska Giffey vor ein paar Tagen in der Bundespressekonferenz sprachen. Neben den beiden Politikern saßen Susanne Kuger vom Deutschen Jugendinstitut und Walter Haas vom Robert Koch-Institut auf dem Podium.      

Es ging um Corona und Kitas. Die Wissenschaftler betreuen ein Register, für das 12.000 Kitas wöchentlich ihre Pandemie-Erfahrungen berichten. Spahn und Giffey empfahlen, den Regelbetrieb in Kitas aufrechtzuerhalten, weil sie mithilfe der Wissenschaftler sagen konnten, dass Kitas selbst nicht als Infektionsherde gelten und dass auch Kita-Kinder keine Infektionstreiber sind.

Fachleute spielen wichtige Rolle

Nächstes Beispiel: Die Frage, ob man in Sachen Corona einen Immunitätsausweis einführen sollte, hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn dem Nationalen Ethikrat vorgelegt. Das Gremium aus über 20 Wissenschaftlern riet davon erst einmal ab. Die Vorsitzende Alena Buyx sagte deutlich: "Der gesamte Rat ist sich einig: jetzt nicht." Minister Spahn ließ die Idee vom Immunitätsausweis daraufhin bis auf weiteres fallen.

"Die Bundesregierung berät sich bezüglich des Umgangs mit der Corona-Pandemie mit einem vielfältigen Portfolio von Experten", sagt Sprecherin Martina Fietz. Dazu zählten unter anderem die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina sowie das Robert Koch-Institut. Und auch Christian Drosten, der inzwischen wohl bekannteste Virologe Deutschlands, spielt eine wichtige Rolle.

Experten empfehlen regelmäßiges Lüften

Als Jens Spahn über den Pandemie-Herbst sprach, hatte er natürlich Mediziner dabei - aber auch einen Experten für Heizung und Lüftung: Martin Kriegel von der Technischen Universität Berlin beschrieb, wie virusbelastete Aerosole sich mit Frischluft mischen. Sein Fazit: "In gut gelüfteten Räumen haben wir keine solchen Super-Spreader-Events oder hohe Ansteckungszahlen gesehen." Nun empfiehlt die Regierung erst recht: Lüften, lüften, lüften.

Vergangene Woche tauchte dann der Name des Wissenschaftlers Michael Meyer-Hermann auf, Abteilungsleiter im Helmholtz-Zentrum für Infektiologie. "Zu bestimmten Fragen, wie in diesem Fall für die rechnerische Modellierung einer Pandemie, werden Experten wie Herr Meyer-Hermann zu bestimmten Anlässen hinzugezogen", erklärt Regierungssprecherin Fietz. Der Anlass diesmal: das Treffen der Länder-Chefs mit der Bundeskanzlerin. Wenn Angela Merkel den Ernst der Lage klar machen will, kann es sein, dass auch sie einen Experten mitbringt.

Welche Experten beraten die Bundesregierung in der Pandemie?
Uwe Jahn, ARD Berlin
20.10.2020 11:07 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 20. Oktober 2020 um 06:25 Uhr.

Korrespondent

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Uwe Jahn, MDR

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