Lothar Wieler | Bildquelle: AFP

RKI zu Coronavirus Hoffen auf Ostern

Stand: 31.03.2020 11:40 Uhr

Vorsichtig optimistisch, aber kein Grund zur Entwarnung: Die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus könnten wirken, sagte RKI-Präsident Wieler. Konkrete Zahlen erwartet er bis Ostern. Die Todesrate werde weiter steigen.

Der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, ist optimistisch, dass die derzeitigen Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus wirken. Er gehe davon aus, dass "handfeste Zahlen" bis Ostern vorliegen, die Aussagen über einen Trend ermöglichen, sagte er auf einer Pressekonferenz.

Die Sterberate in Deutschland sei mit derzeit 0,8 Prozent sehr gering. Er gehe aber davon aus, dass die Quote steigen werde. 583 Menschen starben bislang an der Krankheit Covid-19. In den vergangenen Tagen hatte sich der prozentuale Anstieg der dem RKI gemeldeten Infektionszahlen abgeflacht. Inzwischen registrierte das Institut 61.913 Fälle in Deutschland. Das sind 4615 mehr als am Montag - diese Zahl entspricht allerdings einem Plus unter zehn Prozent und liegt damit deutlich niedriger als etwa an Tagen der Vorwoche.

Pandemie kann noch Monate dauern

"Ich möchte alle Menschen bitten, diese Krankheit ernst zu nehmen", sagte Wieler. Aus einer Studie gehe hervor, dass nur 41 Prozent der Deutschen die Krankheit Covid-19 für gefährlich hielten.

Die Strategie gegen das Coronavirus müsse weiter Bestand haben: Eindämmung, Schutz der besonders gefährdeten Personen, Aufstockung der Kapazitäten. Die Pandemie gehe weiter und werde noch einige Wochen und Monate weitergehen, betonte er.

Ende der Kontaktverbote nicht in Sicht

Am Montag hatten die Innenminister von Bund und Ländern sich darauf verständigt, an den Einschränkungen des öffentlichen Lebens im Kampf gegen das Coronavirus festzuhalten. "Wir sind erst am Anfang der Pandemie und dürfen nicht frühzeitig die notwendigen Maßnahmen zur Unterbrechung der Infektionsketten aufheben", erklärte Bundesinnenminister Horst Seehofer nach der Telefonschaltkonferenz mit seinen Länderkollegen. Der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Thüringens Innenminister Georg Maier, sagte: "Es gibt noch keine verlässlichen Zahlen, ob und in welcher Weise die eingeleiteten Schritte wirken. Deshalb kommt eine Lockerung der Maßnahmen gegenwärtig nicht in Betracht."

Laborärzte: Corona-Tests für alle sind "illusorisch"

Großflächige Coronavirus-Tests in der Bevölkerung hält der Berufsverband Deutscher Laborärzte (BDL) momentan nicht für möglich. "Die wünschenswerte flächendeckende Testung ist derzeit illusorisch", sagte der BDL-Vorsitzende Andreas Bobrowski der Nachrichtenagentur dpa.

Die Testmaterialien wie Entnahmesets und Reagenzien für die Labore würden von Tag zu Tag knapper. Auch die Lieferzeiten der ebenfalls erforderlichen sogenannten PCR-Geräte seien derzeit extrem lang. Bei PCR-Tests werden Abstriche aus Nase oder Rachen genommen und im Labor mit Hilfe dieser Geräte auf Viren-Erbgut untersucht.

Entscheidung über Tests liegt bei Ärzten und Kliniken

Tests müssten derzeit nach medizinischen Notwendigkeiten priorisiert werden, sagte Bobrowski weiter. Dafür habe das Robert Koch-Institut Kriterien erarbeitet. Wer getestet wird, entscheiden im Moment Kliniken und Ärzte selbst. Nach Angaben von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn liegt die Kapazität in Deutschland zurzeit bei bis zu 500.000 Tests pro Woche.

Die Idee, auch tiermedizinische Labore zu nutzen, lehnt der Laborärzteverband ab. "Tiermedizinische Labore haben keine Zulassung für die Untersuchung von humanpathogenen Proben. Es fehlt darüber hinaus das gesamte Know-how des Patientenmanagements und dem damit verbundenen Schutz der persönlichen Daten", sagte Bobrowski.

Debatte über Umgang mit geheilten Corona-Patienten

Die Bundesärztekammer sprach sich dafür aus, die Kontaktsperre für diejenigen zu lockern, die eine Corona-Ansteckung schon überwunden haben. Dafür wäre es gut, möglichst viele Bundesbürger auf Antikörper zu testen. "Alle, die immun sind, weil sie die Infektion schon hinter sich haben, könnten dann wieder zur Arbeit gehen und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen", sagte Ärztekammerpräsident Klaus Reinhardt der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Kritik an diesen Forderungen kam von der Deutschen Stiftung Patientenschutz. Das sei realitätsfern, sagte Vorstand Eugen Brysch. "In der Krise müssen sich alle an die gleichen Regeln halten, sonst funktioniert es nicht." Wenn jetzt geheilte Menschen in das Normalleben entlassen würden, bedeute das Chaos für die Ordnungshüter. Eine Kontrolle wäre unmöglich.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 31. März 2020 um 12:00 Uhr.

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