Ein Mann geht an geschlossenen Veranstaltungslokalen in Benidorm vorbei | AFP

Reisen trotz Corona-Pandemie Bloß kein "zweites Ischgl"

Stand: 15.03.2021 20:35 Uhr

Angesichts steigender Reisebuchungen warnen Experten vor einer neuen Infektionswelle. Mit der Aufhebung der Reisewarnung für Mallorca hat die Bundesregierung einen Boom ausgelöst. Auch in Spanien löst das Unbehagen aus.

Nach dem sprunghaften Anstieg der Reisebuchungen für Urlaubsgebiete wie Mallorca hat der Mainzer Virologe Bodo Plachter vor steigenden Infektionszahlen gewarnt. "Wenn die Reiseaktivität steigt, dann werden auch die Inzidenzraten steigen, das ist relativ klar", sagte Plachter. "Im Urlaub möchte man sich erholen, möchte man dann auch Corona vergessen", so der Virologe. Das führe dazu, dass die Vorsicht sinke und die Infektionsraten stiegen - wie schon im vergangenen Sommer.

Auch Jürgen Schmude, Professor für Tourismuswirtschaft und Nachhaltigkeit an der Universität München, hat vor den Konsequenzen verstärkter Urlaubsbuchungen gewarnt. Dies könne "ein zweites Ischgl" nach sich ziehen, sagte er dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland". "Grundsätzlich ist dieser Ansturm eine Katastrophe. Wir haben gesehen, was bei Reise-Großereignissen passieren kann - Stichwort Ischgl", sagte Schmude.

Er habe große Sorge, dass der Mallorca-Ansturm ein erneutes Ansteigen der Fallzahlen verursachen werde. Es würde ihn nicht wundern, wenn die Insel in drei Wochen wieder in einen harten Lockdown müsse, sagte Schmude. Hotels und Airlines hätten zwar umfassende Hygienekonzepte umgesetzt, aber "wir wissen, dass sich Menschen im Urlaub anders als im Alltag verhalten". Generell versuchten viele Menschen, Probleme im Urlaub auszublenden. "Und aktuell wollen diese Leute ja ganz bewusst raus aus der Corona-Situation in Deutschland", so Schmude.

Bundesregierung hebt Reisewarnung auf

Zuvor hatte bereits die Bundesregierung wegen der Corona-Pandemie zum generellen Verzicht auf touristische Reisen aufgerufen. "Der Appell ist, auf jede nicht unbedingt notwendige Reise zu verzichten", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Ähnlich äußerte sich die Sprecherin des Auswärtigen Amts: "Das Fehlen einer Reisewarnung ist keine Einladung zum Reisen", sagte Maria Adebahr. Die Entscheidung müsse aber jeder für sich treffen.

Die Bundesregierung hatte entschieden, Mallorca und andere Regionen in Spanien, Portugal und Dänemark von der Liste der Corona-Risikogebiete zu streichen und damit auch die Reisewarnung des Auswärtigen Amts aufzuheben. Seit Sonntag sind Reisen nach Mallorca wieder ohne Quarantäne und Testpflicht bei der Rückkehr möglich. Lediglich bei der Einreise nach Spanien muss ein negativer Test vorgewiesen werden.

Boom für Tourismus-Anbieter

Nach der Entscheidung der Bundesregierung waren die Flugbuchungen für Mallorca sprunghaft gestiegen. So will TUI die ersten Hotels auf Mallorca nun bereits am kommenden Wochenende öffnen. Bei dem Reiseanbieter wurden am Wochenende doppelt so viele Reisen auf die Baleareninsel gebucht wie im gleichen Zeitraum vor zwei Jahren. "Die Aufhebung der Reisebeschränkung ist ein wichtiges Signal für den Tourismussektor", sagte Marek Andryszak, Chef von TUI Deutschland. Laut Konzern zählt Mallorca bei TUI traditionell zu den beliebtesten Reisezielen über die Osterfeiertage.

Auch die Fluggesellschaft Eurowings profitierte von der Entscheidung der Bundesregierung. Die Lufthansa-Tochter legte kurzfristig 300 zusätzliche Flüge für die Osterzeit auf und sprach von Buchungen "in einer bisher nicht gekannten Dynamik". Die Gesellschaft wird von Donnerstag an mit den Flügen nach Mallorca starten.

Kritik aus Spanien

In Spanien hat die Öffnung Mallorcas für Touristen indes für viel Unmut gesorgt. "Spanien wird zu Ostern ein Bunker für die Spanier und eine Oase für die Touristen aus dem Ausland sein", titelte die Zeitung "ABC". die "Mallorca Zeitung" stellte fest: "Osterferien auf Mallorca: für Deutsche Ja, für Spanier Nein".

Denn aus spanischer Sicht bleibt Deutschland ein Risikogebiet. Und auch die Einheimischen dürfen ihre Region weiterhin nur in seltenen Ausnahmefällen verlassen. Urlaubsreisen selbst innerhalb des eigenen Landes bleiben untersagt.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 15. März 2021 um 11:37 Uhr.