Ampullen mit den Impfstoffen der Hersteller Moderna und BioNTech. | picture alliance/dpa

Corona-Impfstoff für Anfang 2022 Bund will 92 Millionen Dosen nachordern

Stand: 15.12.2021 21:59 Uhr

Laut Gesundheitsminister Lauterbach könnte zum Jahresanfang der Impfstoff knapp werden. Der Haushaltsausschuss bewilligte deshalb 2,2 Milliarden Euro für Nachschub. Die Opposition sieht darin Alarmismus.

Weil nach seinen Erkenntnissen zu Jahresbeginn ein Impfstoff-Engpass droht, will Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach 92 Millionen weitere Dosen für das kommende Jahr beschaffen. 80 Millionen BioNTech-Einheiten sollen über EU-Verträge beschafft, weitere zwölf Millionen Dosen direkt eingekauft werden. Das teilte das Ministerium mit. Nach Angaben von Bundesfinanzminister Christian Lindner ist auch Moderna-Impfstoff dabei. Der Haushaltsausschuss im Bundestag gab dazu Mittel in Höhe von 2,2 Milliarden Euro frei.

Lauterbach hatte am Dienstagabend gesagt, es gebe für Anfang kommenden Jahres voraussichtlich zu wenig Impfstoff. Er verwies in den tagesthemen auf eine Inventur der Bestände nach seiner Amtsübergabe vergangene Woche. Sie kam demnach zu dem Ergebnis, dass die Reserven und Bestellungen für Januar bis März nicht ausreichen. Ärzte reagierten alarmiert auf die Botschaft.

Omikron und Impfpflicht für Gesundheitspersonal

Lauterbach betonte, dass die neue Virusvariante Omikron große Herausforderungen bedeute. "Für schnelle Booster-Impfungen und mögliche Omikron-Impfungen benötigen wir schnell mehr Impfstoff." Offen ließ Lauterbach, wie viele Extra-Dosen wann und wofür gebraucht werden. In erster Linie gehe es darum, den Jahresbeginn vernünftig zu gestalten, erläuterte das Ministerium - und dann auch das ganze erste Quartal.

In den Planungen zusammengebracht werden sollen mehrere, teils neue Aspekte: weiterhin breit angelegte Auffrischimpfungen mit Blick auf Omikron, aber auch Nachschub für die schon beschlossene Impfpflicht für Personal in Pflegeheimen und Gesundheitseinrichtungen sowie eine mögliche allgemeine Impfpflicht.

BioNTech jetzt schon knapp?

Weitgehend klar ist der Fahrplan bis Jahresende: Kanzler Olaf Scholz bekräftigte das Ziel von bis zu 30 Millionen Erst-, Zweit- und Booster-Impfungen. Davon seien 19 Millionen geschafft. Auch Ex-Gesundheitsminister Jens Spahn hatte zugesichert, dass dieses Ziel nicht am Impfstoff scheitern werde und dafür noch extra Lieferungen organisiert. Mit Stand von Montag waren laut Ministerium knapp 19 Millionen ausgelieferte Dosen von BioNTech und Moderna noch nicht als verwendet gemeldet. In den beiden Wochen ab dem 20. Dezember sollen insgesamt 22 Millionen Dosen nachkommen.

In der ZDF-Sendung "Markus Lanz - Das Jahr 2021" sagte Lauterbach allerdings, dass die BioNTech-Impfdosen jetzt schon knapp bemessen seien. "Wir können in der nächsten Woche 1,2 Millionen Dosen BioNTech für ganz Deutschland ausliefern, in der Woche darauf 800.000 Dosen und dann noch einmal 1,2 Millionen Dosen", so der Gesundheitsminister am Abend. "Das ist aber viel weniger als das, was die Ärztinnen und Ärzte jede Woche abrufen." Lauterbach erläuterte: "Das sind schon Reserven. Wir schütten hier alles aus."

Inventur-Bilanz "fatales Signal"

2022 sollten nach bisherigen Planungen in der ersten Jahreshälfte jeden Monat zwölf Millionen Dosen BioNTech kommen, aufgeteilt auf Erwachsenen- und Kinderimpfstoff. Tatsächlich läuft die lange stockende Impfkampagne auf Rekordtempo von zuletzt mehr als sechs Millionen Impfungen in einer Woche. Um ein ähnliches Niveau zu halten, könnte mehr Nachschub erforderlich sein.

Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, nannte die Nachricht vom Impfstoffmangel ein "fatales Signal". Die Deutsche Stiftung Patientenschutz forderte Lauterbach auf, die Fakten sofort auf den Tisch zu legen.

"Statt verantwortungsvoll vorzusorgen, hinterlässt die Vorgängerregierung leere Vorratslager", lautete die Kritik vonseiten der FDP-Gesundheitsexpertin Christine Aschenberg-Dugnus. Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) nannte den von Lauterbach festgestellten Mangel im ZDF "schwer irritierend". Die Vorgänger hätten da offensichtlich "nicht klar Schiff gemacht".

Union sieht keinen Grund für Sorge

Die Union sieht das anders: Für seinen Parteikollegen Spahn sprang der neue gesundheitspolitische Sprecher Tino Sorge (CDU) in die Bresche. "Karl Lauterbach ruft Feuer, um dann Feuerwehr zu spielen - obwohl er weiß, dass es gar nicht brennt", schrieb er in einem Schreiben an seine Fraktionskollegen. Dies sei "ein durchsichtiges politisches Manöver, um die SPD von der Großen Koalition abzusetzen".

Im ersten Quartal 2022 seien bereits mehr als 16 Millionen Dosen von BioNTech und Moderna pro Monat zu erwarten, erläuterte Sorge. Dies sei genug, um bei gut zwölf Millionen ungeimpften Erwachsenen noch Erst- und Zweitimpfungen machen zu können. Dass auch kurzfristig mehr Nachschub zu organisieren ist, hatte Spahn im Dezember noch selbst gezeigt - etwa mit vorgezogenen Lieferungen der Hersteller oder der Übernahme von Dosen, die andere EU-Staaten gerade nicht nutzen können.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 15. Dezember 2021 um 20:35 Uhr.