Kinder mit Behelfsmasken | dpa

Corona-Studie zu Kindern Weniger betroffen - genauso ansteckend?

Stand: 17.06.2020 16:32 Uhr

Kinder seien keine Infektionstreiber, hieß es in einer neuen Studie zur Corona-Ansteckungsgefahr. Allerdings bleiben in der Untersuchung viele Fragen zur Rolle von Kindern in der Pandemie offen.

Von Veronika Simon, SWR

Dass Kinder sich mit dem neuen Coronavirus anstecken können, ist unter Forschern unbestritten. Allerdings verlaufen die Erkrankungen bei ihnen meist recht milde, schwere Verläufe kommen sehr viel seltener vor als zum Beispiel bei Senioren. In Deutschland sind seit Beginn der Pandemie etwa 8800 Menschen an Covid-19 gestorben, davon waren nur drei unter 18 Jahre alt.

Damit unterscheidet sich die Altersverteilung bei Covid-19 von anderen Infektionskrankheiten. Dort gelten Kinder zum Teil als sogenannte Treiber der Infektion, sie verbreiten das Virus also in der Bevölkerung. Laut einer neuen Studie, die die Landesregierung von Baden-Württemberg in Auftrag gegeben hatte, spielen Kinder diese Rolle im aktuellen Infektionsgeschehen des Coronavirus nicht - zumindest nicht in Baden-Württemberg.

Unklar: Sind Kinder genauso ansteckend?

Eine Frage wird mit dieser Studie jedoch nicht beantwortet: Ob infizierte Kinder genauso ansteckend sind wie infizierte Erwachsene, ob sie das Virus also genauso leicht weitergeben.

Denn durch die frühen Schul- und Kita-Schließungen zu Beginn der Pandemie hatten viele Kinder kaum noch Kontakte außerhalb der Familie und damit kaum Gelegenheiten, sich mit dem Virus zu infizieren. Die geringen Fallzahlen der Kinder der Studie aus Baden-Württemberg, die eine Infektion bereits durchgemacht haben, könnten damit zusammenhängen.

Virenmenge im Rachen scheint gleich zu sein

Der Virologe Christian Drosten von der Charité in Berlin hatte in einer viel diskutierten Studie gezeigt, dass Kinder genauso viele Viren im Rachen aufweisen wie Erwachsene. Zu diesem Ergebnis kamen auch andere, internationale Studien.

Jedoch ist die reine Anwesenheit von Viren in den Atemwegen noch kein Nachweis, dass diese auch genauso stark weitergegeben werden. Da Kinder weniger Symptome haben, also beispielsweise weniger husten, könnte es sein, dass sie zwar infiziert sind, aber weniger Menschen anstecken. Das erklärten Kinderärzte und Fachärzte für Hygiene in einer Stellungnahme von vier Fachgesellschaften. Auch sie plädierten für eine schnelle Öffnung von Schulen und Kitas, wenn Hygienestandards und Abstandsregeln eingehalten werden.

Studie liefert Situationsbeschreibung

Ob Kinder also durch die frühen Schul- und Kita-Schließungen einfach besonders gut vor einer Infektion geschützt waren und ob sie auch in Zukunft eine untergeordnete Rolle bei der Verbreitung des Virus spielen werden, ist wissenschaftlich nicht endgültig geklärt. Auch die Studie aus Baden-Württemberg kann diese Fragen nicht beantworten.

Vier Unikliniken im Land hatten dafür rund 2500 Kinder unter elf Jahren mit je einem Elternteil untersucht - und nur zwei akute Infektionen bei einem Kind und einem Elternteil gefunden.

Damit liefert die Studie eine Situationsbeschreibung der bisherigen Pandemie in Baden-Württemberg. Die Landesregierung zog daraus den Schluss, dass Kinder nicht stärker als andere Bevölkerungsgruppen eingeschränkt werden müssen, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern und beschloss, die Kitas im Land wieder zu öffnen.

Blick nach Schweden

Experten schauen mit großem Interesse auf repräsentative Studien, zum Beispiel aus Schweden. Dort wurden in der Pandemie die Schulen nicht komplett geschlossen, und erste Ergebnisse mit Antikörpertests zeigen, dass hier Kinder nicht seltener eine Infektion durchlebt haben als Erwachsene. Ob sie das Virus aber auch genauso viel weitergegeben haben, kann man aus diesen Ergebnissen nicht ableiten.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 17. Juni 2020 um 16:00 Uhr.