Interview

Ein Abstrichstäbchen wird in einer ambulanten Corona-Test- Einrichtung gehalten | Bildquelle: dpa

Antikörper-Tests in Reutlingen "Es bleiben noch immer Überraschungen"

Stand: 01.07.2020 18:16 Uhr

Wie hoch ist die Durchseuchung der Bevölkerung mit dem Coronavirus? Um das herauszufinden, hat das Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung eine Studie gestartet. tagesschau24 hat mit dem Studienleiter Gérard Krause gesprochen.

tagesschau24: Gérard Krause ist Leiter der Epidemiologie am Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig. Herr Krause, warum beginnen Sie mit der Studie in Reutlingen?

Gérard Krause: Wir beginnen hier, weil hier die kumulative Inzidenz, also die additive Zahl der Betroffenen, besonders hoch ist im Vergleich zu anderen Landkreisen. In anderen Landkreisen tritt dieser Zustand erst später ein, und dort werden wir dann später untersuchen.

tagesschau24: Warum ist eine solche Studie wichtig? Was sagt sie Ihnen als Wissenschaftler? Was sagt sie uns allen - und vor allem: Was sagt sie den Politikern, die dann möglicherweise auf dieser Basis Entscheidungen treffen müssen?

Krause: Wir werden daraus ablesen können, wie sich die Durchseuchung entwickelt. Das heißt, wie hoch ist der Anteil der Menschen, die bereits eine Infektion durchlaufen haben? Wie schnell steigt dieser Anteil? Das heißt, wie viele Menschen sind möglicherweise schon geschützt? Welche Menschen sind es - also, nicht nur wie viele, sondern welche Berufsgruppen, welche Altersgruppen? Welches Geschlecht ist vielleicht mehr betroffen als andere Gruppen? Daraus wiederum können wir ableiten, welche Impfstrategien sich besonders eignen, sollte dann ein Impfstoff zur Verfügung stehen.

Gérard Krause, Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, über die neue Sars-CoV-2-Antikörper-Studie
tagesschau24 16:00 Uhr, 01.07.2020

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Mit derselben Methode in mehrere Städte

tagesschau24: Nun gab es solche Studien bereits, beispielsweise in München oder im ersten deutschen Corona-Hotspot, im Kreis Heinsberg. Damals hieß es, die Ergebnisse in Heinsberg ließen sich nicht auf ganz Deutschland hochrechnen. Also wie genau wollen Sie sichergehen, dass diese Studie dann auch wirklich repräsentativ ist?

Krause: Unser Ansatz ist, dass wir mit derselben Methode in mehrere Städte gehen - in Deutschland, über Deutschland verteilt -, und dass wir außerdem zu verschiedenen Zeitpunkten zusätzlich messen. Auf diese Art und Weise können wir ein Bild schaffen. Außerdem arbeiten wir ja mit den anderen Instituten zusammen. Das heißt, auch die Erkenntnisse der anderen Gruppen werden mit berücksichtigt, und wir tauschen die Daten entsprechend aus und haben uns auch zum Teil verständigt auf gleichartige Fragen, so dass hier auch eine Vergleichbarkeit gegeben ist. Und mit diesen gemeinsamen Informationen kann man dann ein Gesamtbild schaffen.

tagesschau24: Haben Sie so etwas wie eine Ahnung oder auch Arbeitsthese, also eine ungefähre Idee, was bei dieser Studie herauskommen könnte?

Krause: Wir denken, dass zum jetzigen Zeitpunkt hier in Reutlingen der Prozentsatz derjenigen, die Antikörper haben, niedriger sein wird als in Heinsberg. Aber wir lassen uns gerne überraschen. Deswegen machen wir ja die Studie. Wir wissen es einfach nicht.

Mehrere Tests parallel zueinander

tagesschau24: In Reutlingen deshalb niedriger als in Heinsberg, einfach weil dort noch nicht so viele Menschen bekanntermaßen mit dem Virus infiziert gewesen sind?

Krause: Das ist richtig, ja.

tagesschau24: Wie sicher sind diese Testergebnisse überhaupt? Man hört ja auch immer wieder davon, dass die Tests verschiedene Viren verwechseln, man also falsch negativ ist. Haben Sie nicht die Sorge, dass Ihre Studie dadurch am Ende nicht doch wertlos werden könnte?

Krause: Nein, das glauben wir nicht. Wir nutzen mehrere Tests, die kommerziell verfügbar sind, parallel zueinander. Und außerdem haben wir ein eigenes Testverfahren hier mit dem NMI in Reutlingen entwickelt, mit dem es uns möglich sein wird, Elemente des Immunsystems zu messen, die mit den anderen Testverfahren nicht messbar sind. Auf diese Art und Weise werden wir ein vollständigeres Bild über die Immunität bei den Individuen messen können.

tagesschau24: Es laufen inzwischen viele verschiedene Studien zu dem Thema. Sie haben eben gesagt, da gibt es durchaus auch eine Form von Zusammenarbeit. Aber wäre es nicht sinnvoll gewesen, die alle zusammenzulegen, um so vielleicht ja noch repräsentativer und auch gebündelter zu Ergebnissen zu kommen?

Krause: Ich glaube, es ist schon gut, dass wir uns die Arbeit aufgeteilt haben. Es gibt ja auch einen guten Grund, zum Teil unterschiedliche Methoden einzusetzen, um anderen Schwerpunktfragen vertieft nachgehen zu können. Also, es hat schon eine Berechtigung, dass mehrere Studien nebeneinanderher gemacht werden, sofern ein entsprechender Austausch stattfindet. Und das ist ja der Fall.

tagesschau24: Wann rechnen Sie mit ersten Ergebnissen?

Krause: Wir müssen ja die verschiedenen Testverfahren miteinander vergleichen. Wir denken, dass wir durchaus noch zwei Monate brauchen, bis wir erste Ergebnisse haben. Die Probanden werden ja die Ersten sein, die die Ergebnisse bekommen - jeder für sich sein Ergebnis. Und dann werden wir noch entsprechend gemeinsame Analysen machen müssen. Und dann werden wir die Ergebnisse bekanntgeben.

"Studie ist gut angelaufen"

tagesschau24: Nun sind Sie niemand, der nur im Labor sitzt. Rauszugehen und Studien vor Ort zu machen, ist für Sie Alltag. Als Feldepidemiologe haben Sie auch schon in Afrika gearbeitet. Inwiefern unterscheidet sich die Arbeit in Reutlingen von früheren Forschungsarbeiten?

Krause: Sie haben hier eine bessere infrastrukturelle Situation. Im Moment ist es natürlich ganz toll, dass wir hier auch mit Partnern zusammenarbeiten, die das sehr gut zusammen organisiert haben. Auch die Unterstützung der Kommune hier ist wunderbar. Wir haben hier sehr gute Räumlichkeiten. Insofern ist es grundsätzlich einfacher. Aber es bleiben noch immer Überraschungen, gerade so am ersten Tag. Wir haben das natürlich vorher getestet, und wir sind ganz froh, dass es sehr gut angelaufen ist. Wir haben heute Morgen schon viel mehr Anmeldungen gehabt, als wir erwartet hatten. Insofern sind wir sehr zufrieden.

tagesschau24: Vielen Dank, Gérard Krause vom Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung, für das Gespräch.

Das Interview für tagesschau24 führte Jan-Malte Andresen.

Über dieses Thema berichtete SWR2 am 01. Juli 2020 um 16:05 Uhr.

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