Fläschchen mit Impfdosen des Impfstoffherstellers BioNTech/Pfizer | AP

Corona-Drittimpfung Kassenärzte fordern STIKO-Empfehlung

Stand: 01.09.2021 10:08 Uhr

Der Umgang mit Auffrischungsimpfungen gegen das Coronavirus ist umstritten - einheitliche Regeln gibt es nicht. Die Kassenärzte wollen nun Klarheit und appellieren an die Ständige Impfkommission. Die Sieben-Tage-Inzidenz ist wieder gestiegen.

Angesichts der Fortschritte in der Corona-Impfkampagne hat eine Debatte über den Umgang mit Drittimpfungen begonnen. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) fordert eine Positionierung der Ständigen Impfkommission (STIKO). KBV-Chef Andreas Gassen sagte im rbb, er hoffe, dass die STIKO "relativ zeitnah" eine entsprechende Empfehlung formulieren werde. Das würde auch die Diskussion mit Patientinnen und Patienten vereinfachen.

Man gehe man davon aus, dass Auffrischimpfungen für alle Menschen sinnvoll seien, die eine schwächere Immunantwort auf die Impfung hatten und deshalb "möglicherweise auch eine abfallende Impfwirkung", so Gassen. In der Regel seien das hochbetagte oder immungeschwächte Personen.

Lauterbach für einheitliche Vorgaben

Auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach setzt sich für einheitliche Vorgaben bei Auffrischungsimpfungen ein. Die Politik müsse "jetzt eine klare Ansage machen, welche Gruppen bei den Auffrischungsimpfungen zuerst an der Reihe sind. Es muss klar sein, um welche Jahrgänge es sich handelt und bei welchen Risikofaktoren eine dritte Impfung angezeigt ist", sagte Lauterbach. Es müsse "so ähnlich laufen wie in der ersten Welle".

Zugleich forderte Lauterbach auch eine Klarstellung, wer vorerst auf eine Drittimpfung gegen Covid-19 warten müsse. Ansonsten würden Menschen geimpft, "die die dritte Dosis noch gar nicht bekommen sollen. In der Folge werden diejenigen nach hinten gedrängt, die die Corona-Auffrischungsimpfung aktuell am dringendsten benötigen", sagte der Gesundheitspolitiker.

60,5 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft

Die STIKO am Robert Koch-Institut (RKI) hat bislang noch keine Empfehlung für die Auffrischung gegeben. Einige Bundesländer - etwa Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg - bieten bereits Auffrischimpfungen an oder bereiten diese vor.

Bundesweit sind derzeit 60,5  Prozent der Gesamtbevölkerung vollständig - also doppelt - geimpft, 65,1 Prozent haben mindestens eine Impfdosis erhalten.

Sieben-Tage-Inzidenz steigt wieder

Trotz der Impffortschritte steigt die Sieben-Tage-Inzidenz. Nach Angaben des RKI lag sie bei 75,7 - am Vortag war der Wert seit längerer Zeit mal wieder gesunken und lag bei 74,8. Vor einer Woche betrug er 61,3.

Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 13.531 Corona-Neuinfektionen. Vor einer Woche hatte der Wert bei 11.561 Ansteckungen gelegen. Deutschlandweit wurden den neuen Angaben zufolge binnen 24 Stunden 23 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 39 Todesfälle. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 3,9 Millionen nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 01. September 2021 um 10:00 Uhr in den Nachrichten.