Soldaten des zentralen Sanitätsdienstes stehen in der Gäuboden-Kaserne in Feldkirchen (Niederbayern). | picture alliance / dpa

Kampf gegen Coronavirus Wie Bundeswehr und Kirchen helfen wollen

Stand: 15.03.2020 11:50 Uhr

In den Kampf gegen das Coronavirus will nun auch die Bundeswehr verstärkt eingreifen. Reservisten sollen in Bundeswehrkrankenhäusern eingesetzt werden. Vor einer ganz besonderen Herausforderung stehen die Kirchen.

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hat die Hilfe der Bundeswehr im Kampf gegen das neuartige Coronavirus zugesagt. "Wir planen auf allen Ebenen so, dass wir alle kritischen Bereiche sicher abdecken könnten - auch das, was an Amtshilfe auf uns zukommt", sagte Kramp-Karrenbauer der "Welt am Sonntag".

Reservisten für Bundeswehrkrankenhäuser

So habe die Bundeswehr gerade auch ihre Reservisten aufgerufen, sich zu melden, um in den Bundeswehrkrankenhäusern mitzuhelfen. Bereits jetzt leiste die Bundeswehr mit ihrem Beschaffungsamt Amtshilfe für das Bundesgesundheitsministerium, sagte Kramp-Karrenbauer.

Bundeswehr beschafft medizinisches Material

Bis Freitag waren von dem Amt bereits Verträge im Wert von 163 Millionen Euro abgeschlossen worden, nachdem das Bundesgesundheitsministerium um Amtshilfe gebeten hatte. In einem ersten Schritt seien vom Bundeswehr-Beschaffungsamt in einer "schwierigen Materiallage" 300 000 Schutzmasken und Schutzbrillen beschafft worden, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. Ein Teil solle für den Bedarf des Bundes - etwa der Einsatzkräfte der Bundespolizei - zurückbehalten werden.

10.000 Beatmungsgeräte bestellt

Der Medizintechnikhersteller Drägerwerk erhielt von der Bundesregierung einen Auftrag über 10.000 Beatmungsgeräte. Die Abwicklung des Auftrages werde sich über das ganze Jahr erstrecken, teilte das Unternehmen in Lübeck mit. Außerdem liefere Dräger auch persönliche Schutzausrüstung für das Klinik-Personal.

Herausforderung auch für die Polizei

Die Corona-Pandemie wird auch für die Polizei in Deutschland zur Belastungsprobe. Der Präsident der Bundespolizei, Dieter Romann, sagte der "Welt am Sonntag", neben den Mitarbeitern im Gesundheitssystem stünden auch die Polizisten in den Bundesländern und die Bundespolizei "in vorderster Reihe", etwa bei den verstärkten Grenzkontrollen oder an Bahnhöfen und Flughäfen.

"Diese Krise ist nicht nur eine des Gesundheitswesens, sondern auch eine der Sicherheit und Ordnung", sagte Romann. Die Funktionsfähigkeit des Gesundheitssystems sowie der Polizeien der Länder und des Bundes müsse unbedingt gewahrt werden, betonte er.

Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus in den Reihen der Polizei könnten schnell erhebliche Konsequenzen haben, weil die Beamten oft mit vielen Bürgern und anderen Polizisten Kontakt hätten. Diese müssten dann im Zweifelsfall in Quarantäne.

Polizei durch Veranstaltungsabsagen entlastet

"Es sind bisher keine Einschränkungen in der Leistungsfähigkeit der Polizei spürbar", hieß es dagegen aus dem Bundesinnenministerium. Zwar sei die Bundespolizei durch den verstärkten Grenzschutz beansprucht. Durch die Absage von Großveranstaltungen, die normalerweise von der Polizei begleitet werden, würden aber auf der anderen Seite auch Kapazitäten frei.

Kirchen vor besonderer Herausforderung

Vor einer ganz besonderen Herausforderung stehen die Kirchen. Auf der einen Seite betrifft sie die Empfehlung, Menschenansammlungen zu vermeiden, gerade auch wegen des hohen Alters vieler Kirchgänger ganz besonders. Auf der anderen Seite will Kirche gerade in der Krise Trost spenden und Anlaufstation für die Menschen sein.

Folgerichtig hatten etliche evangelische Landeskirchen und katholische Bistümer bereits am Freitag ihre Gottesdienste abgesagt. Der am Sonntag live übertragene ZDF-Fernsehgottesdienst fand ohne Publikum statt: In der evangelischen St.-Ansgar-Kirche in Oldenburg feierten nur die Mitwirkenden und der Chor, dessen Sängerinnen und Sänger mit gebührendem Abstand in den Kirchenbänken Platz genommen hatten.

Nur wenige Menschen gehen auf dem Platz vor dem Kölner Dom, der sonst voller Touristen ist.  | dpa

Der Kölner Dom bleibt bis auf weiteres nur für das private Gebet geöffnet. Einzelne Gottesdienste würden unter Ausschluss der Öffentlichkeit gefeiert und von Domradio.de übertragen, hieß es von der Domleitung. Bild: dpa

Gottesdienste abgesagt

Gestrichen waren die Gottesdienste etwa in der Nordkirche, in den evangelischen Kirchen in Niedersachsen, Bremen und Württemberg sowie in den Erzbistümern Hamburg und München und den Bistümern Limburg, Fulda, Mainz und Speyer. In Berlin fielen die Gottesdienste im evangelischen Dom sowie in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche aus. Viele Kirchen blieben aber zum Gebet geöffnet, so zum Beispiel der Kölner Dom.

Um dennoch ihrem seelsorgerischen Pflichten nachzukommen, boten manche Landeskirchen und Bistümer Online-Gottesdienste an.

Völlig unklar ist im Moment, ob das Osterfest - immerhin die wichtigste christliche Feierlichkeit - in den Kirchen stattfinden kann.

Der Vatikan gab bereits bekannt, dass die Ostergottesdienste von Papst Franziskus, an denen üblicherweise Zehntausende von Menschen teilnehmen, in diesem Jahr ohne Besucher stattfinden werden.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 15. März 2020 um 12:00 Uhr.