Ein Bild aus den Neunzigerjahren zeigt Hartmut Hopp, den früheren Arzt der berüchtigten Sekte "Colonia Dignidad". | Bildquelle: picture alliance/dpa

Staatsanwaltschaft Krefeld Arzt der "Colonia Dignidad" bleibt straffrei

Stand: 07.05.2019 11:37 Uhr

Hartmut Hopp war ein Arzt der chilenischen Sekte "Colonia Dignidad". 2011 floh er vor einem Gerichtsurteil nach Deutschland - nun wurden auch hier die Ermittlungen eingestellt. Damit bleibt er wohl straffrei.

Der in Deutschland lebende Arzt der aufgelösten chilenischen Sekte "Colonia Dignidad", Hartmut Hopp, entgeht wohl einer Bestrafung. Ein hinreichender Tatverdacht könne "nach Ausschöpfung aller erfolgversprechender Ermittlungsansätze" nicht begründet werden, teilte die Staatsanwaltschaft Krefeld mit.

Konkret ging es um die Vorwürfe, Hopp sei an der Tötung dreier im Mai 1976 in Chile verschwundener Studenten beteiligt gewesen und habe Beihilfe zu Sexualstraftaten des "Colonia Dignidad"-Leiters Paul Schäfer an Minderjährigen geleistet. Konkrete Hinweise auf Hopps Mitwirkung an den Straftaten seien nicht festzustellen gewesen, erklärte Oberstaatsanwalt Axel Stahl.

Folterungen und Missbrauch

Siebeneinhalb Jahre lang hatte die Behörde gegen den inzwischen 74-Jährigen ermittelt. Hopp hatte sich 2011 nach Deutschland abgesetzt, um der Vollstreckung des Urteils eines chilenischen Gerichts zu entgehen. In dem Prozess in Chile war er bereits wegen Beihilfe zu sexuellem Kindesmissbrauch zu einer Haftstrafe verurteilt worden.

Die Strafe darf jedoch in Deutschland nicht vollstreckt werden, wie das Oberlandesgericht Düsseldorf vergangenes Jahr entschied: Dass Hopp Teil der Sektenleitung war und an der Gründung eines Internats mitwirkte, reiche nach deutschem Recht nicht für eine Verurteilung in dem Fall aus.

Die "Colonia Dignidad" war eine Siedlung deutscher Auswanderer in Chile, die sie in den 60er-Jahren um den Laienprediger Schäfer aufgebaut hatten. Einstige Mitglieder berichten von jahrzehntelangem systematischem Kindesmissbrauch und Folterungen auf dem hermetisch abgeriegelten Areal. Während der chilenischen Militärdiktatur wurden dort zudem Regimegegner ermordet und Folterknechte für Diktator Augusto Pinochet ausgebildet.

"Lange Kette des Nichthandelns"

Rechtsexperten des "European Center for Consitutional and Human Rights" sehen mit dem Ermittlungsende der Krefelder Staatsanwaltschaft das Vertrauen der Betroffenen in die deutsche Justiz erschüttert.

Die Entscheidung reihe sich ein "in eine lange Kette des Nichthandelns", kritisierten sie in einer Mitteilung. Zeugen seien ignoriert worden, auch Berichten von einer systematischen Misshandlung von Sektenmitgliedern durch Psychopharmaka sei nicht ausreichend nachgegangen worden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. April 2019 um 19:42 Uhr.

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