Norbert Blüm in seinem Arbeitszimmer im April 2019 | Bildquelle: dpa

Abschied von Norbert Blüm Kämpfer und Kumpeltyp

Stand: 24.04.2020 12:18 Uhr

Keiner war länger Arbeitsminister, und kaum jemand stritt so leidenschaftlich für die Sozialpolitik: Norbert Blüm ist tot. Er starb im Alter von 84 Jahren. In Erinnerung geblieben ist sein Versprechen der "sicheren Rente".

Von Antraud Cordes-Strehle, WDR

Es war eine Werbekampagne der Bundesregierung im Jahr 1986, mit der Norbert Blüm immer in Verbindung gebracht werden wird. Auf 15.000 Plakaten an den Litfaßsäulen hierzulande war sein Versprechen zu lesen: "Denn eines ist sicher: Die Rente." Ein Satz, der abgewandelt zum geflügelten Wort wurde: "Die Rente ist sicher."

blüm plakatiert Rentenplakat
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Norbert Blüm, damals Arbeitsminister, plakatiert am 21.4.1986 in Bonn

Helmut Kohls Allzweckwaffe

Blüm war damals Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung. Er hatte das Amt 1982 angetreten, als Helmut Kohl Bundeskanzler wurde und er blieb es, bis dieser 1998 abtrat: 16 Jahre lang. Kein Arbeits- und Sozialminister war länger im Amt als er. Und keiner hat das Sozialgesetzbuch so geprägt wie Blüm: Neben Reformen und Änderungen der Rentenversicherung war die Einführung der Pflegeversicherung ein Meilenstein seiner politischen Karriere.

Mit Kohl verbanden ihn nicht nur politische Standpunkte, sondern auch eine tiefe Freundschaft. Sogar während der Parteispendenaffäre stand Blüm zum Langzeitkanzler. Als der sein Schweigen nicht brach und die Namen der Spender nicht preisgeben wollte, glaubte allerdings auch Blüm, dass Kohl nicht gesetzeskonform handelte: "Für einen Bundeskanzler gilt das Recht. Was nicht meinen Respekt vor seiner Lebensleistung mindert. Aber an der Stelle kann auch Freundschaft nicht abnicken."

Theo Waigel, CSU, zum Tod von Norbert Blüm
tagesschau24 12:00 Uhr, 24.04.2020

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Das soziale Gewissen der CDU

Seine politischen Standpunkte orientierten sich christlichen Werten. Gerechtigkeit war Blüm wichtig, der Kampf gegen Arbeitslosigkeit und gegen die Spaltung der Gesellschaft in arm und reich. Dass "die kleinen Leute es gut haben sollen", war ihm immer ein großes Anliegen.

Der Sozialpolitiker war selbst ein Arbeiterkind, wurde am 21. Juli 1935 als Sohn eines Schlossers in Rüsselsheim geboren. Hier wuchs er auch auf und machte nach Abschluss der Volksschule zunächst eine Ausbildung als Werkzeugmacher bei Opel. Blüm war Messdiener, Pfadfinder und trat schon mit 15 Jahren in die CDU ein. Über den zweiten Bildungsweg machte er 1961 Abitur, studierte danach Philosophie, Germanistik, Geschichte und Theologie in Bonn. Und promovierte mit einer Arbeit über das Verständnis von Gemeinschaft und Gesellschaft zum Doktor der Philosophie.

Trauer um Norbert Blüm
tagesthemen 22:00, 24.04.2020, Ingrid Bertram, WDR

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"Politik ist Kampf"

In der CDU gehörte er dem linken Flügel der Partei an. Der Kumpeltyp war ein begnadeter Redner und wurde nicht müde, gegen die Ökonomisierung zu wettern. Herz-Jesu-Marxist wurde er deshalb oft genannt. Doch Kritik war ihm immer weniger wichtig als die eigene Überzeugung und Blüm scheute nie die Auseinandersetzung. "Politik ist Kampf. Wer auf Harmoniesuche ist, der muss sich einen anderen Beruf suchen. Der muss in den Gesangverein gehen, was auch schön ist. Aber wer etwas verändern will, der kann es nicht allen recht machen."

Autor, Kabarettist, Kämpfer für Menschenrechte

Streitbar blieb Blüm auch nach seinem Rückzug aus der Politik. 2002 schied er aus dem Bundestag aus, blieb aber weiter in der Öffentlichkeit präsent. Als Gastautor für verschiedene Zeitungen oder in Talkshows meldete er sich zu politischen Themen zu Wort, als Kritiker der neuen Wirtschaft und Kämpfer für Menschenrechte.

So setzte er sich zum Beispiel für die Palästinenser im Nahostkonflikt ein und reiste mehrmals in die Autonomiegebiete. Gelegentlich wurde ihm Antisemitismus vorgeworfen, was Blüm kategorisch zurückwies.

Norbert Blüm in Idomeni | Bildquelle: dpa
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Norbert Blüm in Idomeni - hier setzte sich der Ex-Arbeitsminister für Flüchtlinge ein.

Immer wieder übte er auch Kritik an der eigenen Partei. So warf er CDU und CSU vor, kaltherzig über Flüchtlinge zu "schwadronieren". Die Sprache in der Asyldebatte erzeuge bei ihm einen "ekelhaften Überdruss".

Außerdem schrieb Blüm Bücher: nicht nur solche über Politik und Gesellschaft, auch Bücher für Kinder. Und er versuchte sich als Kabarettist. Mit dem Schauspieler Peter Sodann ging er 2007 auf Tournee durch kleinere Hallen. Der Titel ihres Programms: Ost-West-Vis-à-Vis.

Gelähmt nach einer Blutvergiftung

Zuletzt war Blüm gesundheitlich schwer angeschlagen. Nach einer Blutvergiftung im vergangenen Jahr war er an Armen und Beinen gelähmt, wie er erst kürzlich in einem Beitrag für die "Zeit" bekannt gemacht hatte. "Wie ein Dieb in der Nacht brach das Unheil in Gestalt einer heimtückischen Blutvergiftung in mein Leben ein", berichtete Blüm darin. Seine Lage verglich er mit einer Marionette, der die Fäden gezogen wurden, so dass ihre Teile zusammenhanglos in der Luft baumeln. Den Text hatte Blüm seiner Frau diktiert.

Trotz all seiner Aktivitäten blickte Blüm manchmal wehmütig auf seine Zeit als Politiker zurück. Er sei zwar ein freierer Mensch als damals, aber er habe auch weniger Gestaltungsmöglichkeiten. Das bedauerte der ewige Kämpfer.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 24. April 2020 um 12:00 Uhr.

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