SEK Beamte mit Atemschutzmasken und Schutzanzügen steigen in einen Krankenwagen. | Bildquelle: dpa

Giftfund in Köln "Anschlag konkret vorbereitet"

Stand: 20.06.2018 07:24 Uhr

Der vergangene Woche in Köln festgenommene Tunesier hat nach Behördenangaben konkret einen Anschlag vorbereitet. BKA-Präsident Münch sprach von einem einmaligen Vorgang. Wo er zuschlagen wollte, ist unklar.

Nach dem Giftfund in Köln hat das Bundeskriminalamt weitere Einzelheiten bekannt gegeben. Der festgenommene Tunesier habe konkret einen Anschlag mit einem biologischen Sprengsatz vorbereitet, erklärte BKA-Präsident Holger Münch im RBB-Inforadio. Er sprach von einem in Deutschland einmaligen Vorgang.

"Es gibt entsprechende Anleitungen dazu, auch von islamistischen Organisationen im Internet, wie man so etwas tut. Daran hat sich diese Person offensichtlich auch orientiert", sagte Münch. Unklar ist demnach noch, wo und wann der Anschlag stattfinden sollte. Auch über mögliche Mittäter und Verbindungspersonen ist bisher offiziell nichts bekannt.

Rizinus Pflanze | Bildquelle: picture alliance / WILDLIFE
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Rizinus-Samen enthalten ein extrem gefährliches Gift.

Biokampfstoff aus Samen

Gegen den Mann hatte der Bundesgerichtshof vor einer Woche Haftbefehl erlassen. Er hatte laut Münch bereits damit begonnen, das hochgiftige Rizin herzustellen. Es lässt sich aus Rizinussamen gewinnen. Es seien auch Utensilien für die Herstellung eines Sprengsatzes gefunden worden.

Der BKA-Präsident lobte die Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden - national wie international. Das Bundesamt für Verfassungsschutz wurde nach eigenen Angaben von einem ausländischen Partnerdienst darüber informiert, dass ein Tunesier mit Wohnsitz in Köln potenziell hochgiftige Substanzen im Internet bestellt hatte. Mit Blick auf die Rizinussamen sei die Frage, ob man "das Monitoring gegebenenfalls noch erweitern müsse". Das prüfe man zur Zeit mit dem Bundesinnenministerium.

Verdächtiger sitzt in U-Haft

SEK Beamte mit Atemschutzmasken und Schutzanzügen steigen in einen Krankenwagen. | Bildquelle: dpa
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Einsatzkräfte durchsuchten die Wohnung des Tunesiers unter größten Sicherheitsvorkehrungen.

Polizisten hatten am Dienstag vergangener Woche die Wohnung des Tunesiers in einem Hochhaus in Köln-Chorweiler gestürmt. Der 29-Jährige sitzt nun wegen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz in Untersuchungshaft. Außerdem wird gegen ihn wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat ermittelt.

BKA-Präsident Münch erklärte, die Sicherheitsbehörden seien besorgt über die hohe Zahl von radikalisierten Einzelpersonen. "Der große geplante Anschlag, so wie wir das in Paris und Brüssel erlebt haben, den halten wir mittlerweile nicht für völlig unwahrscheinlich, aber weniger wahrscheinlich, weil der sogenannte 'Islamische Staat' doch schon sehr geschwächt ist". Aktuell stuft das BKA 770 Personen als Gefährder ein.

Chorweiler: BKA geht von geplantem Anschlag mit Biobombe aus
Michael Götschenberg, RBB
20.06.2018 08:25 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 20. Juni 2018 um 06:23 Uhr.

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